Wenn der Bauer betrügt

So viele Charaktere in nur einer schwäbischen Bauern-Wohnstube: Mit ihrem Stück "Ein Butler auf dem Bauernhof" begeisterten die Zwiebelbäuch zur Premiere am Dienstag ihr Publikum im Gemeindehaus.

JÜRGEN HERDIN |

Da ist ein Landwirt, der glaubt, die EU austricksen zu können, nur weil er Blanko-Formulare gefunden hat. Kleinbauer Karl Dörrzapf, beeindruckend gespielt von Jürgen Reiff, kommt so zu viel Land und 900 Kühen, hat im Stall aber tatsächlich nur deren drei. Und den Friedhof des Dorfes hat er gleich auch noch zur landwirtschaftlich genutzten Fläche deklariert. Das Lustspiel nimmt seinen Lauf – in zumeist Echaztaler Mundart.

Die Zwiebelbäuch haben es geschafft, ein Dutzend schillernder Charaktere in nur einer bäuerlichen Wohnstube zu versammeln. Und das Stück „Ein Butler auf dem Bauernhof“, geschrieben von Hans Schimmel, gibt jede Menge her, um die Lachmuskeln zu schütteln. Regie für die Honauer Version übernahm Otto Niederer. „Wir haben seit Anfang Oktober geübt“, sagt der. Und so hatte Cornelia Henker als Souffleuse am Bühnenrand zur Premiere am Dienstag einen recht ruhigen Abend. Turbulent, deftig und amüsant geht es zu, wenn der Hasch-Junkie Knubbel (David Epple) auf die emanzipierte Bauernhof-Urlauberin Monika (Aline Werner) oder den Pfarrer Udo (Thomas Epple) trifft. Damit nicht genug: Hinzu kommt die stets vergeblich nach Männern Ausschau haltende Lore, die Magd auf dem Hof, die von Carmen Vogelweyd gespielt wird.

Jede Menge Wortwitz, der sich – wie so oft in Komödien – aus sprachlichen Missverständnissen ergibt, beherrscht das Stück, das auf diese Weise niemals langweilig wird. Allein schon deshalb nicht, weil auch noch der durchtriebene und komplett verpeilte UFO-Gläubige Fred (Thomas Biffart) mitmischt. Nicht zu vergessen die resolute Klara Dörrzapf (Carmen Epple), die Schwester des Bauern Karl. Oder die mondän in Erscheinung tretende Michaela, mit der Bettina Werner Schwung in die Bauernstube bringt.

Klara hat sich bei einem Preisausschreiben mächtig vertan. Statt des zweiten Preises, einen Gutschein für die Reparatur eines Traktors, gewinnt sie eine Woche „Butler“. Der heißt natürlich Johann, der in all seinen gespreizten Reden prächtig verkörpert wird von Jürgen Eidt – „mit Verlaub“, wie der Diener gerne sagt.

Karl Dörrzapf, der Subventionbetrüger, hat ein großes Herz. Das ergaunerte Geld geht an alle, die es im Moment brauchen können. Darunter ist auch sein Freund, der Pfarrer Udo Glaser, der dringend ein neues Kirchendach benötigt. Karls Nachbar Fred stresst den Bauern mächtig, weil er glaubt, bald von Außerirdischen abgeholt zu werden. 500 Euro „für die Erstausstattung im All“ will der von Karl schnorren. Zwischenzeitlich aber macht er Yoga-Übungen mit der alternativen Vegetarierin Monika. Und die hat sich von ihrem Urlaub auf dem Bauernhof weitaus mehr versprochen, als auf all diese verschrobenen, resoluten Menschen zu treffen. So macht ihr Lore klar, dass Vegetarier doch viel brutaler seien, als Fleischkonsumenten: „Die Sau kann weglaufen, ein Salatkopf aber nicht!“

Währenddessen kommt der total verpeilte Knubbel in die Stube, fantastisch gespielt von David Epple, der hoffte, auf dem Hof „Gras“ der besonderen Art zu bekommen. Nun ist er Praktikant – und macht so ziemlich alles falsch.

Die liebestolle Lore, herausgeputzt wie selten, trifft dann ausgerechnet auf den Mann, der über Wohl und Wehe des Gehöfts entscheiden kann: Den Prüfer des Landwirtschaftsministeriums Friedbert Kleinbock (Michael Glück). Der weiß natürlich, dass mit den Subventionen an Karl Dörrzapf etwas nicht stimmt. Die Geschichte nimmt ihren Lauf. . .

Selbstredend wird der Ausgang hier nicht verraten. Denn noch gibt es sieben Vorführungen dieser köstlichen Komödie, Karten gibt es aber nur noch für den 22. Januar.

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