Weniger Bürokratie und mehr Förderung für Kinder
Reutlingen. Weniger Bürokratie und mehr Förderung für Kinder: Das ist das Fazit eines Fachgesprächs zur Umsetzung des Bildungs-und Teilhabepaketes der Bundesregierung im Kreis - mit Beate Müller-Gemmeke.
Die Reutlinger Bundestagsabgeordnete Beate Müller-Gemmeke (Bündnis 90/Die Grünen) hatte dieser Tage mit dem Fraktionssprecher der Grünen im Gemeinderat, Rainer Buck, und der Grünen Kreistagsfraktion zum offenen Austausch über die Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepaketes im Landkreis eingeladen. Vertreter Reutlinger Verbände und Vereine sowie der Verwaltung und Politik berichteten von ihren Erfahrungen.
Hintergrund des Gespräches war die Skepsis seitens des Bündnisses 90/Die Grünen gegenüber der Einführung des Paketes, das rückwirkend seit dem 1. Januar 2011 in Kraft getreten war. Bedenken wurden laut, ob mit dem geplanten Bildungs- und Teilhabepaket tatsächlich alle Betroffenen erreicht werden können, um deren Bildungschancen zu erhöhen. Nach einem Jahr Laufzeit könne nun erstmals im Landkreis eine Bilanz gezogen werden, so die Abgeordnete Beate Müller-Gemmeke.
Mit dem Paket soll gewährleistet werden, dass auch Kindern aus sozial schwachen Familien ihr Recht auf Bildung und Teilhabe zugesichert werden kann. Konkret bedeutet dies, dass die Kinder von SGB-II und XII-Leistungs-, von Wohngeld- und Kinderzuschlagsempfängern finanzielle Unterstützung für Schulmaterial, Schulausflüge, Mittagessen in der Mensa, Fahrtkosten, Lernförderung oder für kulturelle Aktivitäten erhalten.
Während des Gespräches im Reutlinger Rathaus erläuterte Thomas Franz, stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters, dass der anfängliche Verwaltungsaufwand enorm gewesen sei. Die rund 20 Mitarbeiter, die sich um die Umsetzung des Paketes kümmerten, hätten vier Wochen lang nichts anderes zu tun gehabt, so Franz. "Aber wir wurden dafür belohnt, schließlich konnten wir dann die ersten Anträge in kurzer Zeit umsetzen."
Die Akzeptanz des Paketes sei insgesamt groß, doch gebe es auch eine Gruppe von Antragsberechtigten, die bisher noch wenig davon profitierten. Dabei handle es sich vor allem um Kinder mit unsicherem Status oder mit Migrationshintergrund. Die Wannweiler Bürgermeisterin Anette Rösch führt diesen Umstand auf die häufig mangelnden Deutschkenntnisse der Eltern zurück. Hier müsse noch viel mehr getan werden, um vor allem die Sprachprobleme zu überbrücken, sodass auch diese Kinder ihre Chance auf Bildung wahrnehmen könnten.
Während die Angebote zur Unterstützung bei Schulbedarf, Schulausflügen oder Fahrtkosten häufig angenommen würden, hapere es noch bei den kulturellen Angeboten, da dort auch mit Folgekosten zu rechnen sei, die dann von den Eltern vorgestreckt werden müssten. So hob Günter Klinger vom Diakonieverband Reutlingen hervor, dass es natürlich toll sei, dass beispielsweise die Mitgliedschaft für den Fußballverein übernommen werde. Wer aber bezahle dagegen die Fußballschuhe?
Ein weiterer Kritikpunkt der Runde war die fehlende Anonymität, da man sich als Sozialhilfeempfänger bei Schulen und öffentlichen Einrichtungen "outen" müsse, was vor allem an Gymnasien zu Mobbing unter den Schülern führen würde, wie Christiane Schindler vom Caritas-Zentrum Reutlingen zu berichten weiß.
Achim Scherzinger von der Liga der freien Wohlfahrtspflege plädierte deswegen für eine einfachere Antragsstellung und verlässlichere Gesprächspartner, was mehr Anonymität gewährleisten solle.
Die Schulleiterin der Jos-Weiß Schule, Christiane Stieler, betonte in diesem Zusammenhang, wie wichtig es sei, in persönlichen Kontakt zu den betroffenen Eltern zu treten, was die Scham nehmen würde. Darüber hinaus könnten über den direkten Kontakt mit den Eltern gerade auch Kinder mit Migrationshintergrund besser erreicht werden, da auf diese Art und Weise eine bessere Verständigung möglich sei.
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Autor: EVA KURZ | 07.02.2012
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