Wafios lässt Krisenjahr hinter sich
Reutlingen. Die Wafios AG hat, wie Vorstandsvorsitzender Thomas Hösle sagte, ein "schlimmes Krisenjahr" hinter sich. Der Umsatz brach 2009 um über 32 Prozent ein, am Ende stand ein Verlust von 4,9 Millionen Euro.
2009 - für Wafios ein Jahr unter der "Ägide der Krise", wie Thomas Hösle, Vorstandsvorsitzender der Wafios AG, im Pressegespräch am Mittwoch sagte. Bereits im Herbst 2008 waren die Automobilzulieferer - und mit ihnen das Reutlinger Traditionsunternehmen - in den Sog der plötzlich einbrechenden Weltwirtschaft geraten. Die Nachfrage kollabierte, Aufträge wurden storniert. So sank der Umsatz der Wafios AG 2009 von 111 auf 75 Millionen Euro, der Verlust nach Steuern betrug 4,9 Millionen Euro. Angesichts dieser Zahlen beschloss die Hauptversammlung gestern Nachmittag, keine Dividende an die Aktionäre zu zahlen.
Mit einem "Drei-Säulen-Konzept" - operative, finanzielle und personelle Schritte - steuerte Wafios gegen. Lagerbestände wurden reduziert, Investitionen zurückgehalten, Mitarbeiter arbeiteten kurz und verzichteten im vergangenen Jahr auf ihr Urlaubsgeld sowie 75 Prozent ihres Weihnachtsgeldes: insgesamt wurden 51 Millionen Euro eingespart.
Auch in diesem Jahr verzichten die Mitarbeiter auf 25 Prozent ihres Urlaubs- und die Hälfte ihres Weihnachtsgeldes - aber gegen einen Besserungsschein. Zudem nahm die Wafios AG 2009 ein Darlehen von über 20 Millionen Euro bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau auf.
Neben einem rigiden Kostenmanagement startete Wafios eine Service-, Vertriebs- und Innovationsoffensive. Zudem habe das Unternehmen die Krise genutzt, um seine "Kernkompetenzen auf den Prüfstand zu stellen", wie Hösle sagte. Ein Ergebnis der Prüfung: Drei Bereiche wurden ausgegliedert: Betriebe aus der Region übernehmen jetzt das Schweißen, Brennschneiden und den Bau von Schaltschränken. Auch dadurch bedingt sank die Mitarbeiterzahl von 832 auf 784. "Uns war wichtig, Fachkräfte auch in der Krise zu halten", betonte Hösle. Hier spielte die Kurzarbeit eine wichtige Rolle. Das vergangene Jahr sei, bilanziert der Vorstandsvorsitzende, das "schlimmste Jahr in der Geschichte von Wafios gewesen, aber auch ein Jahr, in dem wir bewiesen haben, dass wir gut durch die raue See gekommen sind".
Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens hat sich in den vergangenen Monaten spürbar verbessert. "Es geht nach vorne, es geht wieder deutlich aufwärts", sagt Hösle. Es sind vor allem der deutsche und europäische Markt, die angezogen haben - der Auftragseingang lag Ende Juni um 66 Prozent über dem Vergleichszeitpunkt des Vorjahres. Seit Mai sei der Anteil der Kurzarbeit, der 2009 zwischen 30 und 40 Prozent betrug, zurückgegangen. Eine Ursache für die besseren Zukunftsaussichten sieht Hösle in den von Wafios selbst entwickelten Software-Lösungen, mit denen sich der Spezialist für Federn-, Biege- und Rohrbiegemaschinen von der Konkurrenz absetzen konnte. Das Unternehmen gehe immer mehr in Richtung Ideenschmiede. Zudem habe sich Wafios rechtzeitig auf die kommenden Megatrends eingestellt - nämlich material- und energieschonend zu produzieren. Ziel müsse sein, sagt Hösle, die Zukunft durch "Innovationen mit Alleinstellungsmerkmal" zu sichern.
Für das laufende Jahr strebt die Wafios AG einen Umsatz von 80 Millionen Euro an. Gut drei Millionen Euro will das Unternehmen in diesem Jahr investieren, ein Großteil fließt in die Modernisierung des Maschinenparks. Der Maschinenbau werde, wie die meisten anderen Branchen auch, mit dem Problem des fehlenden Nachwuchses konfrontiert. Wafios selbst setzt hier nicht nur auf eine hohe Ausbildungsquote von über zehn Prozent, das Unternehmen arbeitet auch eng mit Hochschulen und Universitäten zusammen. Schließlich sucht das Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter in den Bereichen Entwicklung und Konstruktion, aber auch im Vertrieb.
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Autor: RALPH BAUSINGER | 30.07.2010
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Der Vorstand der Wafios AG mit (von rechts) dem Vorsitzenden Thomas Hösle, Martin Holder (zuständig für Produktion und Logistik), Egon Reich (Vertrieb/Marketing) und Dr. Uwe-Peter Weigmann (Technik/Innovation) stellt mit der Nailmaster, die 1400 Nägel pro Minute herstellen kann, eine Weltneuheit vor. Foto: Ralph Bausinger
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