Vorjahr noch getoppt

Reutlingen.  Es hat einfach alles gespasst am Samstagabend: Glühwein-taugliche, aber trockene Witterung, eine adventlich beleuchtete Stadt mit offenen Geschäften und eisige wie feurige Hingucker samt Musik vielerorts.

"Karin, wir müssen hier raus - dein Mann kauft sonst den Laden leer!" Der nicht ganz ernst gemeinte Zuruf in der Gruppe Mittelalterlicher am Samstagabend kennzeichnet die Stimmung bei der dritten langen "Fire & Ice"-Einkaufsnacht. Noch nicht vom Geschenkkaufzwang gedrängt und doch durch die hell erleuchtete und bunt geschmückte Stadt adventlich gestimmt, bei winterlich-trockenem Wetter in den geschützten Straßenzügen unter nicht unangenehmen äußeren Bedingungen schoben sich mehr Menschen bis fast Mitternacht durch die Innenstadt als im Vorjahr. "Wir haben die 30 000 Besucher von 2009 sicher getoppt", schätzte Stadtmarketing-Geschäftsführerin Tanja Ulmer bei der Abschlussrunde mit der Presse, "und es lief den ganzen Tag über gut".

Klaus Otto, als Chef der Reutlinger C&A-Filiale Mitglied des RT-aktiv-Vorstands, hatte beobachtet, dass die Kundenfrequenz wesentlich höher war, die Umsätze stärker und die Kunden besser gelaunt waren als im Jahr zuvor. Ihn freute besonders, dass die Innenstadt von der Karlstraße "die gesamte Wilhelmstraße bis hoch zur Eislaufbahn am Albtorplatz überdurchschnittlich gut belebt war". Dies bekam auch RT-aktiv-Vorsitzender Peter Voss zu spüren, der verspätet eintraf, "weil einfach kein Durchkommen an der Marienkirche war, da verschätzt man sich leicht."

Beileibe nicht nur Einheimische nutzten die Gelegenheit, entspannt am Samstagabend von Shop zu Shop zu hoppen oder einfach nur durch die Straßen mit zahlreichen Ständen für Speis und Trank zu flanieren. "In unserem Parkhaus fanden sich viele Autos aus den Kreisen Esslingen, Tübingen, Böblingen, Calw, Balingen und Sigmaringen", berichtete Otto, "genau diese Vielfalt wollten wir von außerhalb hereinbringen und den Besuchern deutlich machen, "Reutlingen ist eine sympathische Einkaufsstadt".

Bereits gegen 21 Uhr ging in den Parkhäusern rund um die City nicht mehr viel. Zahlreiche Besucher nutzten angesichts der optimalen Glühwein-Temperaturen von zwei Grad plus auch das sichere ÖPNV-Angebot von Bussen und Bahnen.

Hingucker waren wieder die Künstler des Ismaninger Eisteams von Thomas Tremml bei der Arbeit: Ob als Einzelner wie im Untergeschoss der Müller-Galerie oder vor Juwelier Depperich oder als Gemeinschaftsproduktion mehrerer Eiscarver wie die Meerjungfrau auf dem Markt - die beleuchteten kalten Kunstwerke faszinieren. Dabei waren, weil der Kühllaster von München her einen Defekt hatte, die Klareisblöcke erst "just in time" in Reutlingen eingetroffen, sagte Ulmer.

Absoluter Publikumsmagnet waren die "Firegrooves" der einheimischen Gruppe Pila Accendi. "Einer von ihnen schafft beim Bürgeramt", verriet Tanja Ulmer. Dort geht es sicher nicht so heiß her wie bei der temporeichen Live-Performance an vier Stellen, die stets mit einem gewaltigen Feuerstoß endete.

Wesentlichen Anteil an der Atmosphäre hatte die stimmungsvolle Beleuchtung. Flankiert von leuchtenden hohen Kegeln in Orange die Wilhelmstraße, perfekt illuminiert das Naturkundemuseum mit dem großen Adventskalender, knallige Leuchtschläuche in einzelnen Bäumen und natürlich das überdimensionale aufgeblasene Iglu auf dem Marktplatz. Seine Ausleuchtung hatte beinahe psychedlische Züge.

Positiv an den Getränkeständen: die Pfandregelung. Hier landete kaum Abfall in den Tonnen. Die waren zwar zahlreich aufgestellt, doch die festen Abfallbehälter konnten den Müll schon bald nicht mehr fassen. Das wird noch optimiert, versprach Weihnachtsmarkt-Mitveranstalter Julius Vohrer. Seine Markt-Bühne an der Marienkirche leistete am Samstag für die kleinen Show-Akts, organisiert vom Christlichen Zentrum und Friedel Kehrer-Schreiber, ebenfalls schon gute Dienste. Und die Eisbahn am Albtor gehört schon zum Inventar von Fire & Ice.


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Autor: PETER U. BUSSMANN | 22.11.2010

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