Von der Schulbank an den Bohrer

Fünf Schülerinnen und sieben Schüler der Klassen elf von AEG und IKG schnuppern derzeit Praxisluft bei der H.Stoll AG & Co.KG im Industriegebiet West. Möglich gemacht hat dies die Schüler-Ingenieur-Akademie.

RALPH BAUSINGER |

Einmal pro Woche müssen zwölf Schüler von Albert-Einstein- und Isolde-Kurz-Gymnasium nicht "Mathe" oder "Englisch" pauken, vielmehr stehen dann Bohren, Stanzen, Biegen und Schweißen auf dem Stundenplan. Mit fünf Mädchen und sieben Jungs ist der Anteil der Geschlechter in diesem Jahr ziemlich ausgeglichen, betont Lehrer Matthias Irmler, der das Projekt am IKG betreut. Das IKG beteiligt sich an der Schüler-Ingenieur-Akademie mit dem Strickmaschinenhersteller Stoll seit dem Schuljahr 2014/15, das AEG ist schon ein Jahr länger an Bord. Die Schüler-Ingenieur-Akademie will Schüler für unterschiedliche Ingenieursberufe begeistern. Ganz wichtig, die Schüler sollen hautnah den Berufsalltag erleben. Zusätzlich zu den praktischen Übungen und Projektarbeiten gibt es auch Vorlesungen an der Hochschule.

Die Jungen und Mädchen, die an der Schüler-Ingenieur-Akademie teilnehmen, haben in diesem Jahr wieder die Aufgabe, Motorhalterungen für vier Boote zu konstruieren und zu bauen. Im Anschluss werden die Boote dann an den Gymnasien mit einem Mikrocontroller ausgestattet, der über ein Smartphone gesteuert wird. Dafür müssen die Schüler erst einmal eine App für das Smartphone programmieren.

Nicht nur die Schüler, auch die Unternehmen profitieren von der Schüler-Ingenieur-Akademie. So hat im Herbst ein ehemaliger SIA-Teilnehmer ein duales Studium bei Stoll begonnen, sagt Dirk Veith. Wer an der SIA teilgenommen hat, weiß, wie es bei Stoll zugeht, so der 34-jährige Stoll-Ausbildungsleiter. Er habe manchmal den Eindruck, manchen Ingenieuren von der Hochschule mangle es an Kenntnissen aus der Praxis. Diese könnten zwar alles zeichnen, täten sich aber oft schwer, wenn es um die praktische Umsetzung der Pläne gehe.

Wie Veith sagt, haben junge Leute, die man kennt, einfach bessere Chancen, wenn sie sich auf einen Ausbildungsplatz bei Stoll oder ein Maschinenbau-Studium nach dem Reutlinger Modell beziehungsweise an einer Dualen Hochschule bewerben. "Die Schüler wissen, worauf sie sich einlassen", sagt auch Anette Beeh vom gemeinnützigen Bildungsträger BBQ, die das Projekt koordiniert.

Aber auch für die Lehrer könne, betont Dr. Christoph Ottmar vom AEG, das Projekt eine wertvolle Erfahrung sein, gerade auch mit Blick auf das Fach "Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung", das laut Bildungsplan zum Schuljahr 2018/19 eingeführt werden soll.

Die 17-jährige Hannah, die das IKG besucht, hat Spaß daran, etwas zu entwickeln, etwas selbst zu machen. Ein weiterer Grund ist, dass sie sich die Teilnahme an der SIA beim Abitur als fünftes Prüfungsfach anrechnen lassen kann und damit um die mündliche Abiturprüfung herumkommt. Allerdings weiß sie noch nicht, was sie später einmal machen möchte.

Ihre Freundin Lisa hat da schon etwas konkretere Vorstellungen. Sie möchte "irgendetwas mit Wirtschaft machen" - beispielsweise ein Studium zur Wirtschaftsingenieurin an der Berufsakademie.

Was ist eine Schüler-Ingenieur-Akademie?

Die Schüler-Ingenieur-Akademie (SIA) wird vom Arbeitgeberverband Südwestmetall und der Agentur für Arbeit Reutlingen in Zusammenarbeit mit Gymnasien, Hochschulen und regionalen Unternehmen angeboten und von der BBQ Berufliche Bildung gGmbH umgesetzt. In der Region gibt es vier SIA, drei in Reutlingen, eine in Mössingen. Dazu kommt noch eine Junior-Ingenieurs-Akademie in Tübingen.

Ziele Die Schüler-Ingenieur-Akademien sollen naturwissenschaftlich und/oder technisch interessierte Schüler fördern. In praxisorientierten Projektarbeiten erhalten die Schüler Einblick in die Arbeitswelt von betrieblichen Fachkräften, Ingenieuren und Wissenschaftlern. Dabei sollen sie lernen, komplexe Aufgaben im Team zu meistern.

SWP

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