Verpflichtung zur Hilfe

Reutlingen.  Dieser Tage referierte Dr. Michael Koch, Direktor der Weltbank in Washington, zuständig für Finanzmanagement bei multilateralem Kreditgeber, an der ESB Business School über "Responding to Global Challenges".

Dr. Michael Koch ist an der ESB Business School kein Unbekannter, der eine oder andere kennt ihn schon als Festredner von den Graduierungsfeiern, heißt es in einer Mitteilung der Hochschule. Organisiert hat diesen Vortrag Professor Dr. Stephan Seiter, der auch im vorletzten Semester schon den Chef der Bundesagentur für Arbeit, Dr. Frank-Jürgen Weise, auf Initiative von Professor Dr. Christoph Binder, für einen Vortrag vor den ESB-Studierenden begeistern konnte.

"Wir leben in einer Welt, in der die Unterschiede zwischen Arm und Reich immer größer werden. Das weltweite Einkommen liegt bei über 30 Billionen US-Dollar und trotzdem leben 1,5 Milliarden Menschen von nicht mehr als zwei US- Dollar pro Tag. In Entwicklungsländern sterben jeden Tag Menschen an Hunger und Armut, und Kinder haben keinen Zugang zu Bildung. Dieses Maß an Armut zu verringern, während die Weltbevölkerung weiter wächst, ist eine immense Verpflichtung für uns alle", begann Dr. Koch seinen fast zweistündigen Vortrag.

Die Weltbank hat sich dieser Herausforderung gestellt und versucht, mit Ressourcen der reichen Länder Wachstum in den armen Ländern voranzutreiben. Die Weltbank ist keine Bank im herkömmlichen Sinne, vielmehr besteht sie aus zwei Entwicklungshilfeinstitutionen und drei kleineren Bereichen, die den 187 Mitgliedsstaaten gehören.

Die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (International Bank for Reconstruction and Development - IBRD) vergibt Darlehen an einkommensstärkere Entwicklungsländer, zu diesen zählt unter anderem auch China. Der Weltbank Fonds für die ärmsten Länder (genannt International Development Association - IDA) vergibt zinslose Kredite und Schenkungen an Länder mit geringem Einkommen, wie Bangladesch oder Länder in Afrika.

Die Hauptaufgabe der Organisation ist es, die wirtschaftliche Entwicklung von so genannten "low-income" und "middle-income countries" durch finanzielle und technische Hilfen, aber auch durch Beratung voranzutreiben, um somit dazu beizutragen, die internationalen Entwicklungsziele zu erreichen.

In seinem Vortrag ging Koch auch auf die aktuellen Herausforderungen der Weltbank ein. Allen voran stelle der Klimawandel eine globale Bedrohung dar. Besonders kritisch sei hierbei, dass die reichen Länder eben diesen verursachen, die armen Länder jedoch am meisten unter der daraus resultierenden Wasserknappheit und globalen Erwärmung leiden. "Hieraus ergibt sich unsere Verpflichtung zu helfen", betonte Koch. Als Vertreter der Weltbank schnitt er auch Themen wie Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung in der Europäischen Union sowie den Vereinigten Staaten und die Entstehung von neuen "Immobilienblasen" in Ländern mittleren Einkommens an.

Die Weltbank wolle Möglichkeiten für Wachstum und Stabilität in allen Entwicklungsländern schaffen. Regierungen sollen gestärkt werden, um größere Effizienz, mehr Verantwortlichkeit und weniger Korruption zu bewirken. Um diese Ziele zu erreichen, sieht Koch vor allem in der Transparenz eine große Chance. Diese zeichne auch die Weltbank als Organisation besonders aus.

Auf der Website www.aidflows.org kann man einsehen, wie viel Entwicklungshilfe ein Land vergibt und in welchen Ländern die Hilfe ankommt. So vergab Deutschland im Jahr 2010 zirka 14 Milliarden Dollar an die ärmsten Länder der Welt.

Bei allem Willen zur wirtschaftlichen Hilfe sei die Weltbank aber auch eine Bank, die auf die Rückzahlungen der staatlichen Schuldner angewiesen sei, um sich an den internationalen Kapitalmärkten refinanzieren zu können. Wenn Länder ihre Darlehen nicht zurückzahlen, führe dies zum Stopp der Vergabe neuer Darlehen durch die Weltbank an den Schuldner; oftmals würden dann auch andere Kreditgeber der Weltbank folgen.

In der abschließenden Diskussions-Runde nahm sich Dr. Michael Koch nach seinem Vortrag noch viel Zeit, alle Fragen der Anwesenden bei einer Tasse Kaffee zu beantworten und einen Einblick in seine Arbeit in Washington zu gewähren. Die ESB-Studierenden waren davon begeistert.


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Autor: SWP | 20.06.2011

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