Veränderungen bei der Umwelt

Sozialpädagogin, Psychotherapeutin, Eventmanagerin: Grünen-Rätin Gabriele Janz (61), gebürtige Rheinländerin, verheiratet, zwei Kinder, zwei Enkel.

Vom außenstehenden Bürger zum Mitgestalter des Gemeinwesens. wie hat sich der Blickwinkel beändert?

JANZ: Der Blickwinkel hat sich in sofern geändert, dass es bedeutend mehr Themen gibt, mit denen ich mich jetzt auseinanderstzen muss als das bei einem Engagement in einer Bürgerinitiative oder einem Verein ansteht. Die verschiedenen Bereiche, die sich finanziell im Haushalt niederschlagen, angemessen zu gewichten, empfinde ich als eine enorme Herausforderung.

Was ist Ihnen in der kommunalpolitischen Arbeit positiv oder negativ aufgefallen?

JANZ: Hier überwiegen leider die Negativeindrücke. Ich erlebe es als äußerst schwierig, von der Verwaltung genügend Informationen zu bekommen, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Den Umgang im Gemeinderat untereinander erlebe ich oft als gegenseitig missachtend. Da fehlt mir oftmals der Respekt, allerdings auch der korrigierende Eingriff von Oberbürgermeisterin Bosch. Die Debatte um die Zukunft des Ausländerrates fand ich in diesem Zusammenhang äußerst beschämend.

Wie sind Sie in der Fraktion und im Rat insgesamt "angekommen"?

JANZ: Mittlerweile bin ich in beiden Bereichen angekommen, allerdings nicht unbedingt immer mit positiven Erfahrungen. In der Fraktion ist eine Fülle an Themen zu bearbeiten, für eine kleine Fraktion viel Arbeit und für mich als Neuling noch aufwendiger in der Einarbeitung in die verschiedenen Themenbereiche. Die formalen Abläufe habe ich mittlerweile kennengelernt und beginne, sie besser einzuschätzen und zu handhaben.

Was ist für Sie akuell das dringlichste Problem, auf das Reutlingen eine Antwort geben muss?

JANZ: Der Klimaschutz muss in der Prioritätenliste ganz oben stehen. Wir haben eine Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Problematik, die ein rigeroses Umdenken erfordert. Die Großstadt Reutlingen liegt in dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb und hat sowohl die Chance als auch die Aufgabe vorbildhaft neue Akzente zu setzen. So sollte das Thema der Erreichbarkeit der Innenstadt und damit die Zugänglichkeit zur Einkaufsstadt sowie zu kulturellen Angeboten anders als mit immer mehr Parkraum in der Innenstadt beantwortet werden. Hier könnten Lösungen mit intelligenten Bring- und Holdiensten mit kleinen gas- oder strombetrieben Fahrzeugen zu Parkplätzen außerhalb der Stadt konzipiert werden. Während des Aufenthaltes in der Innenstadt müssten Möglichkeiten für die Hinterlegung von Einkäufen geschaffen werden. Auch Stationen mit Leihfahrrädern sind vorstellbar. Das könnte auch dazu beitragen, dass Reutlingen dadurch als "Erlebnisstadt" einen Zugewinn hat. Der ÖPNV muss ausgebaut, die Regionalstadtbahn umgesetzt werden.

Wofür muss sich die Stadt in Zukunft rüsten?

JANZ: Im Wesentlichen gilt hier das Gleiche wie in der vorherigen Antwort. Wir brauchen eine Ausgewogenheit zwischen ökonomischen, kulturellen und sozialen Aspekten, jedoch um überhaupt die Lebensqualität hier und natürlich auch in der weiteren Region aufrecht zu erhalten, muss Reutlingen umweltpolitisch deutliche Veränderungen anstreben.

Glauben Sie, dass Sie in vier Jahren wieder antreten werden?

Ob die Gewichtung zwischen den Tätigkeiten in den Bürgerinitiativen und denen in der Fraktion zugunsten des Rats gehen werden, kann ich heute noch nicht beantworten. Ich erlebe die Arbeit im Rat äußerst mühsam, vor allem, um genügend Info-Material zusammen zu tragen. Ich komme mir dabei oft der Verwaltung gegenüber wie eine Bittstellerin vor. Auf jeden Fall werde ich mich mit aller Kraft für Reutlingen und seine weitere Entwicklung einsetzen und hoffe, gemeinsam im Rat mit den Kolleginnen und Kollegen zu zukunftsorientierten Entscheidungen zu kommen.


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Autor: PETER ANDEL | 09.09.2010

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