Über die Schönheit der Mathematik

Er ist einer der elf Preisträger des Bundeswettbewerbs Mathematik. Zahlen, komplexe Theorieherleitungen und Beweise sind seine Welt. Die Rede ist von Matthis Lehmkühler, einem Reutlinger Gymnasiasten.

SALOME MAYER |

Sein Interesse an der Mathematik entdeckte der 17-jährige Matthis, der das Friedrich-List-Gymnasium besucht, schon früh. Bereits in der achten Klasse war ihm der Mathematikunterricht zu langweilig. Daraufhin besorgte er sich die Schulbücher der höheren Klassen und das Standardwerk "Mathematik", das auf mehreren tausend Seiten einen Überblick über die verschiedenen Felder der Mathematik gibt. "Die Begeisterung kommt von selbst, wenn man sich dafür interessiert", erklärt der hochgewachsene Schüler bescheiden.

Seit Oktober 2012 studiert er parallel in Tübingen Mathematik im fünften Semester. "Ich bin gleich ins dritte Semester eingestiegen", sagt der junge Überflieger im Gespräch mit unserer Zeitung. Den Vorschlag zu studieren, machte ihm sein Mathe-Lehrer Thorsten Schreibauer. Die Vorlesungen könne er wegen des Schulunterrichts nicht besuchen, an den Übungsgruppen nehme er aber teil. "Und es gibt ja Bücher und Skripte", so Matthis. Vor allem mit Funktionanalysis bei Prof. Ulrich Groh habe er sich beschäftigt. "Ich betreibe Mathematik nicht um der Mathematik willen, sondern weil es Spaß macht!". Anders als andere Mathe-Asse liegt für Matthis die Faszination der Mathematik nicht unbedingt in der Lösbarkeit praktischer Probleme, sondern im Herleiten von Beweisen. "Aus ganz einfachen Grundlagen lassen sich höchst komplizierte Theorien erstellen." Doch selbst das komplizierteste Theoriegebäude müsse sich logisch herleiten lassen. "Es geht um die Anwendung von Logik in Perfektion", beschreibt Matthis, der vor dem Abitur steht.

"Beauty is the first test: there is no permanent place in the world for ugly mathematics." (Schönheit ist der erste Test: Es gibt keinen dauerhaften Platz in der Welt für hässliche Mathematik.) Dieses Zitat des englischen Mathematikers Godfrey Harold Hardy gefällt dem jungen Mathe-Genie. Die mathematische Schönheit auch in sehr komplexen Gedankenkonstrukten zu zeigen, motiviert ihn.

Am Bundeswettbewerb nahm Matthis zum ersten Mal teil. In der ersten Runde löste er selbstständig die vier gestellten Aufgaben und qualifizierte sich so für die zweite Runde. Herausfordernd waren nicht nur die gestellten Aufgaben, auch das Abtippen der Lösungen beanspruchte viel Zeit. "Ich habe zum Teil länger zum Abtippen gebraucht, als zur Lösung der Aufgabe." Die Möglichkeit, mündlich seine Gedankengänge zu erklären, bekam Matthis in der Endrunde, die am 10. und 11. Februar stattfand. In einem einstündigen Fachgespräch mit Experten überzeugte er, das Wissen aus seinem Studium sei "nicht ungünstig" gewesen. Aufgeregt war er natürlich trotzdem.

"Ich hatte keine Ahnung, was sie fragen werden. Man kann auch danach schlecht beurteilen, ob das Gespräch nun gut oder schlecht lief." Umso mehr freute sich Matthis, als er zwei Tage später per Post über seinen Sieg informiert wurde. Sein Gewinn ist neben der Aufnahme in das Stipendiatenprogramm der Studienstiftung des deutschen Volkes ein Forschungsaufenthalt am Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn. Auf die Zusammenarbeit mit Mathematikern aus anderen Fachgebieten freue er sich besonders. "Die produktivsten Ergebnisse entstehen immer da, wo Mathematiker mit unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten zusammenarbeiten", sagt Matthis.

Bald stehen die Abiturprüfungen an. Auf Mathe müsse er nichts lernen, aber für Deutsch und Englisch. Was danach kommt? Ein Studium der Mathematik natürlich - in Vollzeit. "Alle wissenschaftlichen Artikel des Faches werden in englischer Sprache publiziert, der Fachdiskurs findet auf Englisch statt. Deshalb wollte ich in einem englischsprachigen Land studieren", erklärt Matthis seine Wahl.

Entschieden hat er sich für Cambridge. Einen monatelangen Bewerbungsprozess und schwierige Aufnahmetests nimmt er gerne in Kauf, wobei die größten Hürden bereits genommen sind und die endgültige Zusage "nur" noch von einem guten Abitur abhängt. Die englische Eliteuniversität hat so viele Nobelpreisträger wie keine zweite in der Welt hervorgebracht und hat einen ausgezeichneten Ruf, unter anderem im Fach Mathematik. Die Vorlesungen beschäftigten sich auch zu einem Teil mit physikalischen Themen. "Das ist ein guter Ausgleich", findet Matthis.

Apropos Ausgleich: In seiner Freizeit spielt Matthis Tennis. Für mehr Hobbys bleibt ihm so kurz vor dem Abitur und den noch anstehenden Semesterprüfungen keine Zeit. Außer der Mathematik. Und das ist auch ein Hobby - wenn auch ein eher Außergewöhnliches.

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