Stein für Stein zum Wein

Pfullingen.  Trotz Winterpause ist alles im Plan: Der erste Teil der Trockenmauer am Georgenberg steht, der zweite Teil soll folgen, sobald es wärmer wird. "Material haben wir noch genug", sagt Revierförster Bernd Mair.

Was tut sich eigentlich an der Trockenmauer? Die Frage hat nicht nur Stadtrat Hilmar Taigel vor einiger Zeit dem Bürgermeister bei einer Gemeinderatssitzung gestellt - die Frage bekommt auch Revierförster Bernd Mair des Öfteren von anderen Pfullingern zu hören. "Dabei sind wir voll im Plan", weiß Mair. "Die Maßnahme ist auf mehrere Jahre angelegt, auf 2009, 2010 und 2011". Schließlich sinds einmal mehr die Ehrenamtlichen, die in Pfullingen etwas auf die Beine stellen. Zusammen mit den Forstleuten sind die Albvereins-Mitglieder und die Bergwacht-Senioren auf dem Georgenberg unterwegs, um die steinernen Terrassen anzulegen, die später den Weinanbau ermöglichen, aber auch Lebensraum für Tiere und Pflanzen bieten sollen - weshalb es für den Bau einen Zuschuss vom Förderprojekt Plenum Schwäbische Alb gibt.

26 Tonnen Pfrondorfer Sandstein, ein Mini-Bagger und Arbeitsgeräte samt Schutzhütte wurden im August per Hubschrauber auf den 602 Meter hohen Berg gebracht. Und danach, so der Revierförster, haben sich Forstleute und Ehrenamtliche an die Arbeit gemacht. "Exakt 179 Stunden haben allein die Bergwacht-Senioren beim Setzen der ersten Mauer gearbeitet", weiß Mair, der selbst Mitglied der Bergwacht ist. Der fleißigste Schaffer - wie alle anderen ein Rentner - war im Sommer 52 Stunden im Einsatz. Wobei von der Arbeit, die auf dem Georgenberg geleistet wurde, auf den ersten Blick nur ein Teil zu sehen ist. Denn von der einen Meter dicken Mauer sind nur 30 Zentimeter aus Stein vorgebaut, gut zwei Drittel der Gesamt-Tiefe bestehen aus dem Hinterbau und der Drainage, die den Stein vor Wasser und Frost schützen sollen. Auf 20 Metern Breite ist so die erste Mauer entstanden. Sobald Schnee und Eis verschwunden und die Temperaturen auf Frühlingsniveau sind, könnten die Arbeiten auf dem Georgenberg weitergehen. Wenn der Förster einen Mitarbeiter und eine Maschine für das Projekt abstellen kann und die Bergwacht-Senioren Zeit haben, soll dann die zweite Mauer entstehen. "Material haben wir noch genug", erklärt der Revierförster. Schließlich wurden bei den Hubschrauber-Flügen 40 Stein-Pakete auf den Berg gehievt. "Und durch den Abbau von altem Material werden ja wieder Steine frei, die wir dann wieder verwenden können", berichtet Mair, der froh ist, dass es unter den Bergwacht-Senioren viele Fachleute gibt, die sich mit dem Mauerbau auskennen. Sieben Senioren zählt Mair zu den besonders fleißigen, vier haben die Hauptarbeit geleistet, was nicht nur angesichts dessen, dass die Arbeit ehrenamtlich gemacht wird, eine reife Leistung ist.

Doch nicht nur an der Trockenmauer tut sich auf dem Georgenberg etwas. "Seit wir vom Forst zusammen mit Albverein und Bergwacht den Georgenberg entbuscht haben, kommen die Wanderer wieder gern hier hoch", hat der Pfullinger Förster schon feststellen können. Seitdem der Berg von Gestrüpp befreit ist, kommt aber auch ein Schäfer regelmäßig hoch auf die Wiesen. "Und wo die Ziegen nicht hinkommen, da kümmern wir uns um die Nachpflege", erklärt Mair.

Steht die Trockenmauer erstmal komplett, können sich die Pfullinger auch schon ins Abenteuer Weinbau stürzen. Dort, wo Anfang des 16. Jahrhunderts noch über 500 Ar Rebflächen bewirtschaftet wurden, könnte in ein paar Jahren auf einer Fläche von drei Ar ein Pfullinger Wein heranwachsen.


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Autor: EVELYN RUPPRECHT | 09.02.2010

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