Stadtbahn ja, der Albaufstieg wartet

Lichtenstein.  Die Trassen zum Straßen-Albaufstieg werden weiter untersucht, aber große Hoffnungen gibt es mittelfristig kaum. Winfried Hermann (Grüne) sprach von einer bundesweit großen Konkurrenz solcher Projekte.

"Wir sind bewusst nach den Wahlen im Land gekommen", ließ Reutlingens Grünen-Bundestagsabgeordnete Beate Müller-Gemmeke Lichtensteins Bürgermeister Peter Nußbaum und die Gemeinderäte gestern beim Ortstermin am alten, frisch restaurierten Bahnhof Honau wissen.

Und Versprechen danach will auch Winfried Hermann nicht geben, der als Tübinger Bundestagsabgeordneter auch verkehrspolitischer Sprecher der Bündnis-Grünen-Fraktion im Berliner Reichstag ist. Der lange geplante - und aus vielerlei Gründen zuletzt wieder hinausgeschobene - Albaufstieg der B 312 wird weiter warten müssen.

Nicht nur, dass es viele konkurrierende Projekte gibt, die oft auch in die Warteschlange kommen. Vielmehr "ist auch heute das Geld noch nicht vom Himmel gefallen", so Hermann gestern beim Lokaltermin am Bahnhof und später in der Unterhausener Uhlandschule. Und Lösungen mit Tunnels, die den neuen EU-Richtlinien mit den Sicherheitsstollen entsprechen "kosten gleich 33 Prozent mehr", so Hermann.

Seit fünfeinhalb Jahren ist er mit den Grünen im Bund wieder in der Opposition, geändert an der Handhabung des Bundesverkehrswegeplans hat sich seitdem nichts. Er ist auf bis zu 15 Jahre im Voraus angelegt, der Lichtensteiner Albaufstieg wird - trotz neuer Trassenbewertungen - nicht so schnell aus der ministeriellen Schublade "weiterer Bedarf" herauskommen. Die dortige Bürgerinitiative mit ihren Sprechern Hans Gerstenmaier und Gerd Recht drängen aber auf positive Signale. Recht sieht zwar ein, "dass ökologische und finanzielle Parameter" aufwendige Trassen mit Tunnels durch die Berge östlich und westlich von Unterhausen kaum erlauben werden. Aber bei einer "Zunahme des LkW-Verkehrs um mittelfristig 70 Prozent", so Gerstenmaier, müsse damit gerechnet werden, dass das Nadelöhr der bisherigen B 312 südlich des Pfullinger Ursulaberg-Tunnels betroffen sein wird. Und beide gehen davon aus, dass die Trasse von Metzingen (B 28 neu) bis auf die Alb ein planerisches Gesamtpaket ist.

Dem widersprach der Grünen-Verkehrsexperte Hermann: "Der Scheibengipfeltunnel in Reutlingen war immer ein Stadtprojekt". Das wiederum sieht Landrat Thomas Reumann ganz anders: "Es gibt einen Landesentwicklungsplan - und Lichtenstein liegt auf der Hauptachse, da gibt es schon einen Gesamtzusammenhang", machte Reumann deutlich.

Überhaupt sei "der Leidensdruck der Menschen im Echaztal sehr hoch." 22 000 Autos und bis zu 1400 Laster befahren derzeit das langgezogene Unterhausen, rechnete Hans Gerstenmaier vor.

"Wir kämpfen jedenfalls für den vordringlichen Bedarf", so Reumann, der hier den gesamten Lichtensteiner Gemeinderat hinter sich weiß. Und während Gemeinderat Günther Frick (FWV) die derzeit untersuchten Straßen-Trassenvarianten ansprach, sah man sich diese nach dem Ortstermin in der Uhlandschule an. Noch nicht ausgeschlossen ist jedenfalls, das dort, wo sich die Stadtbahn mit der Straßenvariante 1c beim Bahnhof Honau trifft, Konflikte auftreten können.

Wobei das Projekt Regionalstadtbahn zwischen dem oberen Neckartal und der Engstinger Alb schon weit vorangekommen sei. Die standardisierte Bewertung, so Reumann, werde schon demnächst eingereicht. "Wir wollen 2014/15 mit dem Bau beginnen".

In der Uhlandschule ging die Diskussion auch um den weiter steigenden Schwerlastverkehr und die Möglichkeiten, mehr Güter auf die Schiene zu bringen. Komplementär eine Mautpflicht für bedeutende Bundesstraßen einzuführen, findet Winfried Hermann sympathisch. Im Übrigen koste das den Schwerlastverkehr auf der Straße zwischen 40- bis 60 000 Euro pro Jahr.

Zum Honauer Bahnhof übrigens, dort wo sich Schiene und Straße irgendwann einmal nahe kommen könnten, sagte Honaus Ortsvorsteher Wilfried Schneider dann noch etwas, was die beiden Grünen-Parlamentarier gerne hörten: "Der Bahnhof hier bleibt auf jeden Fall oben."


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Autor: JÜRGEN HERDIN | 30.03.2011

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