Pomo-Putzete schafft Böller-Dreck weg

Reutlingen.  Mit 30 Gemeindemitgliedern war die muslimische Jugendorganisation der "Ahmadiyya Muslim Jamaat" am Neujahrstag erneut auf der Pomologie und im Volkspark - zum Wegräumen der Feuerwerksreste.

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ging um kurz vor 8.30 Uhr die große Putzete auf der Pomologie und im Volkspark los - und die Aktion begann mit einer Überraschung: Die jungen pakistanischen Muslime, die seit drei Jahren gut organsiert die hässlichen Hinterlassenschaften der Silvesterknallerei wegräumen, bekamen einen neuen Helfer.

"Schaut mal, jetzt macht auch ein Weißer mit!" So freute sich Masood, der wie seine Mitstreiter warm eingepackt war. Rüdiger Hebsacker hatte sich der Gruppe angeschlossen. Für den 82-jährigen Reutlinger, von Stadtgärtner Dan Welther ebenfalls ausgerüstet mit Greifern und blauen Müllsäcken, steht fest: "Ich habs lange beobachtet, wie dreckig es hier am Neujahrsmorgen aussieht. In der Zeitung hab ich von der Putzaktion erfahren, jetzt mache ich einfach mal mit."

Mit ihrem Einsatz unterstützen die jungen Männer die Mitarbeiter der Technischen Betriebsdienste Reutlingen. Durch diese freiwillige Arbeit will die Jugendorganisation Barrieren abbauen und für gegenseitiges Verständnis sorgen. Ja, es sind Muslime, dazu noch dunkler Hautfarbe - und organisiert sind sie auch. Doch mit möglichen Vorurteilen kommen sie gut zurecht. "Ahmadiyya Muslim Jamaat" ist eine religiöse Gemeinschaft, die das friedliche Zusammenleben der Religionen so sehr in den Vordergrund stellt, dass sie nicht selten von fundamentalistischen Gruppen angefeindet wird. "Befreit euch von Eitelkeit, Trotz und Selbstsucht sowie von allen gegenseitigen Rachegefühlen und allen Sticheleien", lautet einer der Grundsätze von Jamaat. Weit weg vom blinden Fanatismus und sich distanzierend von allen Terrorakten und Zwang, lehrt die Ahmadiyya Muslim Jamaat echte Toleranz und die Wahrung der Menschenrechte auf jedem Gebiet des menschlichen Lebens. Dazu gehört auch die Gleichwertigkeit zwischen Mann und Frau - und das ist im Islam ja nicht üblich.

Befreit haben sie gestern jedenfalls die Pomologie und den Volkspark vom Böller-Dreck der Neujahrsnacht. Denn nicht anders als in anderen Teilen der Stadt stand wie immer das große Feiern im Mittelpunkt. Den Müll danach auch wieder wegzuräumen, daran denken die wenigsten Leute. "In knapp zwei Stunden kamen gut 20 blaue Säcke mit Abfall zusammen", berichtete abschließend Bhatti, der ebenfalls mit von der Partie war und der sich fürs kommende Jahr wünscht, "dass auch andere Reutlinger Mitbürger jederzeit eingeladen sind, bei uns mitzumachen".


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Autor: JÜRGEN HERDIN | 02.01.2010

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