Philosophie als Performance

Die Wahl fiel schwer. Am Ende entschied sich die Jury beim Tonne-Festival Monospektakel doch knapp für eins der sieben Bewerberstücke: Sieger wurde "Drink.Think.Love - Platons Gastmahl" (siehe Kritik links).

OTTO PAUL BURKHARDT |

Monologe, so raunt die Theaterheorie, sind das, was übrig bleibt - in einer Zeit, da Dialoge immer schwieriger werden, da das postdramatische Theater keine Handlung mehr kennt, und da die Welt noch mehr als bisher aus den Fugen gerät. Heiner Müllers Monolog "Hamletmaschine" stellt hier so etwas wie eine Wendemarke dar.

Das Tonne-Festival Monospektakel setzt aber nicht nur auf derlei enge Monolog-Definitionen. Es will ganz allgemein dem Genre Solo-Performance ein Forum bieten. Und das kann bekanntlich sehr vielstimmig ausfallen, mehrere Figuren darstellen und ganze Welten eröffnen.

Das Festival, das übrigens - ebenso wie die institutionalisierte inklusive Stellenstruktur - zu den bundesweiten Alleinstellungsmerkmalen der Tonne gehört, ging jetzt am Sonntag nach sieben gut besuchten, darunter zwei komplett ausverkauften Vorstellungen, zu Ende.

Die fünfköpfige Jury bestand aus Christoph Hoffmann-Kuhnt, Jana Riedel, Doris Stross, Herbert Traub und Joachim Weiß. Und sie hat sich, wie Dramaturgin Karen Schultze betont, durchweg begeistert gezeigt von den gesehenen Produktionen. So lobte die Jury "geniale Auswahl", die "vielfältig und fesselnd" gewesen sei und bei der es kein Stück gegeben habe, "das gar nicht gefallen hätte". Folglich fiel die Wahl eines Gewinners unter den sieben Inszenierungen am Ende des Treffens wieder - wie so oft - schwer.

Denn es gab erneut eine Menge an Einzelkriterien zu bewerten: das Stück oder die Stückfassung, die Regie, die schauspielerische Leistung, aber auch Musik, Bühne und Licht. Dieses Bündel an Bewertungen dann doch als jeweiliges Gesamtpaket zu beurteilen, ging nicht ohne "intensive Diskussionen" innerhalb der Jury vonstatten. Um dies zu objektivieren, entschloss man sich zu einer systematischen Punktevergabe. Vier Favoriten, berichtet Karen Schultze, kristallisierten sich heraus: "Drink.Think.Love - Platons Gastmahl", "Zarah 47", "Ich, die Fliege" und "Felix Krull". Am Ende blieben zwei Kandidaten übrig: "Zarah 47" und "Platons Gastmahl" - und die Jury entschied sich dann knapp mit 3:2 Stimmen für "Platons Gastmahl", eine Inszenierung des Forum Theaters Stuttgart.

Bei "Zarah 47" (erneut zu sehen am 19. März in der Tonne) lobte die Jury die perfekte Präsentation und die große Erfahrung der Schauspielerin im Team mit dem Pianisten. Bei "Platons Gastmahl" pries sie die schauspielerische Leistung, viele Figuren darzustellen und mühelos zwischen ihnen zu wechseln. "Der experimentelle Charakter dieser Umsetzung des philosophischen Werkes", urteilte die Jury, entspreche "dem Stil der Tonne". Die Sieger-Trophäe, die von der Bühnenbildnerin Mihaela Gadzheva-Nedelcheva jedes Mal handgefertigte "Tonnella"-Skulptur, ging damit an den Schauspieler Michael Ransburg und die Regisseurin Karin Eppler.

Alle Monospektakel-Gewinner bisher

Übersicht Hier die bisherigen Gewinner beim Festival Monospektakel der Tonne auf einen Blick:

· 2011 "Mit dem Kopf schlage ich Nägel in den Boden" von Eric Bogosian mit Tom Gerber (Karlsruhe);

· 2012 "Effi Briest" nach Theodor Fontane, Bühnenfassung mit Chrysi Taoussanis (Reutlingen);

· 2013 "Braveheart" mit Bernhard Dechant (Wien);

· 2014 "Das Houdini-Gen" mit Felix Knopp (Hamburg);

· 2015 "Ben X" mit Jonas Vietzke (Hannover);

· 2016 "Drink.Think.Love - Platons Gastmahl" mit Michael Ransburg (Stuttgart).

Ein-Personen-Stücke Bis 2012 gab es auch am Theaterdiscounter Berlin ein Festival der Monologe. Derzeit aber dürfte das Tonne-Monospektakel somit bundesweit einmalig sein. op

SWP

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