Nicht-Verstehen ernst nehmen

Die Fachschaft Deutsch des Staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung (Realschulen) hatte dieser Tage zu einem Fachtag "L/iterarisches v/Verstehen als Aufgabe(n) im Literaturunterricht" eingeladen.

SWP |

Nicht nur die Thematik, sondern auch die von Christel Metzger (Fachleiterin Deutsch) gewonnenen hochkarätigen Experten, lockten die 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Reutlingen. Zielgruppe waren die Anwärterinnen und Anwärter des Seminars, Fachkolleginnen und Kollegen an den Schulen und anderer Seminare, heißt es in einer Mitteilung.

Mit einer poetischen Performance eröffnete Wortkünstler Timo Brunke das Programm des dritten Deutschtages. In einem seiner sprachkreativen und humorvollen Beiträge nahm er den aktuellen Streik der Lokführer als Impuls auf. So baute er in die karikierte Physik-Lehrveranstaltung mit einer Fülle physikalischer Fachbegriffe eine "Eisenbahn" ein.

In seinem Impulsvortrag zum Thema "L/literarisches v/Verstehen als Aufgabe(n) des Literaturunterrichts" erörterte Prof. Dr. Ulf Abraham von der Universität Bamberg auf anschauliche Weise anhand der zwei Seiten einer Euro-Münze, was Textoberfläche und -bedeutung ausmachen. Als wesentliche Gelingensfaktoren für die Texterschließung empfahl er empathiefördernde Zugänge durch produktive Aufgabenstellungen. Die subjektive Wahrnehmung der Lernenden würde somit berücksichtigt und gestärkt.

Mit Nachdruck wies er darauf hin, Widerhaken in Texten oder konkreter: das Nicht-Verstehen in den Mittelpunkt zu rücken. "Aufgaben tun so, als sei alles klar", war eine seiner zentralen Aussagen. Deutschlehrer sollten Aufgaben selbst lösen und selbst literarische Texte schreiben, um Schwierigkeiten der Lernenden früh erkennen zu können.

Das Nachmittagsprogramm nahm Teile des Impulsvortrages auf und ergänzte durch weitere Aspekte literarischer Aufgaben.

Die externen Referenten Timo Brunke und Thomas Richhardt, beide Kursleiter des Literaturpädagogischen Zentrums und Literaturhauses in Stuttgart sowie Constantin Schnell, Mitarbeiter des Landesmedienzentrums in Stuttgart, boten zusammen mit den Lehrbeauftragten der Fachschaft Deutsch ein breites Spektrum an Workshop-Themen an.

Dieses reichte thematisch von Wort und Spiel, Poetry Slam als Publikumspoesie in Eigenregie, inszenierten Kurzgeschichten, Klassenarbeiten zu biografischer Kurzprosa, unterschiedlichen Zugängen zu Kurzfilmen, dem Umgang mit Langfilmen, Klassenarbeiten zu biografischer Kurzprosa, dem szenischen Schreiben von Minidramen, über den Einsatz eines Lesefächers zu Märchen bis hin zum Glück des Verstehens literarischer Texte.

Aktiv begleitend und beratend standen der Veranstaltung Verlagspräsentationen der Schulbuchverlage zur Seite.

Die Besucherinnen und Besucher nahmen neue Impulse für ihre Ausbildung oder ihren Deutschunterricht mit. In zahlreichen Rückmeldungen an die Referentinnen und Referenten wurde die Zufriedenheit und teils auch Begeisterung im Umgang mit innovativen Konzepten geäußert. "Trotz meiner vielen Prüfungsarbeiten musste ich einfach kommen. Das hat sich gelohnt", meinte eine junge Deutschlehrerin.

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