Nach drei Eigentoren eleganter in die zweite Halbzeit?

Reutlingen.  "Bei aller Bescheidenheit - wir sind politisch die Besten", sagte Andreas Glück am Freitagabend im Reutlinger Domino-Haus völlig unbescheiden beim Neujahrsempfang der Reutlinger FDP.

Hatte Julius Vohrer die Lieder, die er am Freitagabend zusammen mit seinem jüngsten Sohn beim FDP-Neujahrsempfang zum Besten gab, auf den Zustand seiner Partei bezogen? "Nobody knows the trouble Ive seen" sangen sie gemeinsam. Vielleicht musste zwangsläufig nach all dem Elend, das sie erblickt hatten, zumindest ein musikalisch entschiedenes "Let it be" folgen? Mitnichten, betonten hingegen Vohrers Parteikollegen. "Die FDP wird noch lange mitregieren", sagte etwa Reutlingens FDP-Parteichef Knut Hochleitner zur Begrüßung all der Gäste in diesem besonderen Ambiente im Reutlinger Domino-Haus. Pascal Kober befand, dass der Wendepunkt nun erreicht sei, "wir haben die Talsohle durchschritten", sagte der Bundestagsabgeordnete.

Er zog Parallelen zum Fußball und betonte: "Wir werden uns bemühen, in der zweiten Halbzeit eleganter zu spielen." Schlussendlich komme es darauf an, "einmal mehr aufzustehen als zu Boden zu gehen - und das kann die FDP", so Kober. Der Landtagsabgeordnete Andreas Glück: "Ich habe den Eindruck, dass wir mehr wert sind als vier Prozent." Ernst Burgbacher gab seinerseits in seiner Festrede die Richtung vor: "Wir haben die Aufgabe, den Wohlstand unserer Gesellschaft zu erhalten." Ohne Wachstum sei das jedoch nicht möglich - eine Haltung, mit der die FDP mittlerweile ganz allein auf weiter Flur stehe. Und diese Fahne auch weiter hochhalten werde, wie der Bundesstaatssekretär betonte.

Während Rot-Grün oder Grün-Rot sich laut Pascal Kober schon seit vielen Jahren vor allem durch Verbote auszeichne (der Bundestagsabgeordnete verlas eine seitenlange Liste), "vertreten wir von der FDP den schönsten politischen Inhalt - die Freiheit", so Glück. Und darin waren sich alle Redner an diesem Abend einig: Freiheit stehe über allem anderen und sei damit gerichtet gegen ein Gefühl der Unsicherheit, das von der Opposition im Bund und von der Regierung im Land "mit Methode" verbreitet werde. Ernst Burgbacher legte nach: Mehr Freiheit müsse sogar in den Kindergärten einziehen - wie sonst sollten die Kinder so manche Erfahrungen machen, wenn sie nur in Watte gepackt werden. "Wir müssen unseren Kindern auch die Gelegenheit geben, Gefahr erleben zu können." Gleiches gelte generell für die Bildung: "Wir werden nichts erreichen, wenn wir alles vorschreiben", so Burgbacher. Europa-politisch betrachtet gelte Selbiges: "Wir werden die Euro-Krise nicht mit mehr Staat meistern - Euro-Bonds wirds mit uns nicht geben."

Länder wie Griechenland, Spanien und Italien müssten ihre Probleme selbst lösen, "sie müssen runter von den Schulden". Mit Stolz könne man in Deutschland nach den Worten des Staatssekretärs wie auch von Kober hingegen durchaus auch mal auf die Erfolge der vergangenen Jahre blicken: 41 Millionen Beschäftigte, 2,8 Millionen Arbeitslose, eine Rate von 3,4 Prozent in Reutlingen, dazu eine bundesweite Jugendarbeitslosigkeit von 3,7 Prozent - das seien doch alles Erfolgszahlen. "Da muss man doch mal offensiv sagen, wir haben eine Situation wie seit 20 Jahren nicht mehr", sagte Ernst Burgbacher. Bevor sich die Gäste schließlich dem Büfett widmeten, kam FDP-Stadtratsmitglied Julius Vohrer am Freitag noch einmal auf Kobers Vergleich zwischen dem Zustand der Partei und einem Fußballspiel zu sprechen: "Man muss natürlich auch erwähnen, dass wir nach der ersten Halbzeit 5:0 zurückliegen - und drei Eigentore geschossen haben."


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Autor: NORBERT LEISTER | 30.01.2012

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