Mit scharfer Satire und frechen Chansons

Reutlingen.  Politisch, beschwingt, ernst: Die Benefizveranstaltung im franz.K bot Kabarett und Musik. 1200 Euro gehen als Erlös eines gelungenen Abends an die Arbeiterbildung (ArBi) und den Tübinger Arbeitslosentreff.

Geloben mussten die Gäste, dass sie ohne Rücksicht auf Verluste an der Macht bleiben, den eigenen Vorteil nie vergessen und die Grundrechte peinlich klein halten. "Omnibus in sanctus, spiritus in Mappus", schloss "An-Stifter" Peter Grohmann die Vereidigung seines Publikums zu seinem Programm. In seinen gut platzierten Versprechern werden die Vertreter der Stadt zu Verrätern. Mit scharfer Zunge verpackt er Satire in Parabeln und Reime und gibt den Leuten mit auf den Weg: "Lasst euch nicht verarschen" und "Oben bleiben".

Gut verpackt in beschwingter Melodie sind die kritischen Texte des DGB-Chors "Zwischentöne". Nur zu gerne würden sie die politischen Lügen glauben, um sich die Illusionen zu erhalten. Begleitet von Dirigentin Katrin Seeger fragten die Sänger: "Was ist der Mensch ohne Pass?" Sie harmonierten mit Heiner Kondschak und seiner kleinen Kapelle - Rio Reisers "Blinder Passagier" jagte Gänsehaut durchs Publikum, wie auch die Ode an Victor Jara und die "Schönen Frauen von Paris". Im Stile Rainald Grebes besang Kondschak das Leben in Rottenburg, und die Reutlinger hatten gut lachen, denn hier pulsiere das Leben, die Wölfe seien bereits in Rottenburg.

"Ohne Proben ganz nach oben" - das hatten sich auch Karl Grüner und Ina Z. auf die Fahne geschrieben. Gestärkt vom Sud in Honig gelegter Zwiebeln sprang die Sängerin für die erkrankte Isabelle Kende-Bläubaum ein und wagte sich mit dem Pianisten an "Barbara Song" und ließ Grüner bei "Wenn ich mir was wünschen dürfte" in f-Moll transponieren und transpirieren. Zusammen mit Jonathan Gray am Cello brachte Ina Z., selbst mit Akkordeon ausgestattet, als junges, frisches, aufstrebendes Duo (noch) ohne Namen besinnliche und freche Chansons auf die Bühne. Als besonderes Schmankerl rundeten "Herr Stilz seine Freunde" den Benefizabend im franz.K ab. Exklusiv brachten sie auf der Bühne den Rock ganz unverfälscht unplugged.

Mit Heiner Kondschak als Moderator des Abends hatte die Arbeiterbildung einen Glücksgriff getan. Unverfälscht und echt präsentiert er sich, weiß wie hart das Leben sein kann, lebte selbst 25 Jahre in Armut. Er kennt die Verzweiflung vor den Behörden, erlebte die Ungerechtigkeiten. "Mein Gefühl für Ungerechtigkeit ist stark ausgeprägt", sagte er von sich. Deshalb verzichtete er wie die anderen Künstler gerne auf die Gage und brachte sich authentisch auch mit Band auf die Bühne.

Ein weiterer Name des Abends war Peter Langos, ein Name, der seit 1994 eng mit der ArBi verbunden ist. Ihm und seiner Frau Uschi sei es zu verdanken, dass es die ArBi noch gebe, bedankte sich Thomas Bangemann in der Begrüßung für Langos selbstlosen Einsatz. Von dessen profunden Wissen machte auch der Tübinger Arbeitslosentreff gebrauch, wie Peter Heilemann freimütig zugab. Grohmann ließ es sich nicht nehmen, seinem Jugendfreund Langos einen kleinen Geldbetrag von der Arbeiterbildung zu überreichen - als Zeichen der Anerkennung. Knapp dem Ende des Vereins entgangen, kann die ArBi dank großzügiger Spenden von insgesamt 15 000 Euro in den nächsten zwei Jahren die Beratungsmöglichkeiten ausweiten und weitere Angebote im Bereich Kranken- und Rentenversicherung schaffen.

Eine 50-Prozent-Stelle ist inzwischen unabdingbar: "Die Nachfrage nach Beratung kommt auch von vielen anderen Organisationen, und deshalb wollen wir hier eine verstärkte Zusammenarbeit erreichen", blickte Bangemann voraus. Der Erlös der Benefizveranstaltung von rund 1200 Euro bringt sie diesem Vorhaben ein Stück näher. 30 Prozent davon gehen an den Tübinger Arbeitslosentreff, der bereits über eine 65-Prozent-Stelle verfügt.


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Autor: ANNE SCZESNY | 23.11.2010

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