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Mit besonderen Bedürfnissen

100 Jahre gibt es die Bezirksgruppe Reutlingen-Tübingen des Blinden- und Sehbehindertenverbands Württemberg. Am Samstag wurde in der Wittumhalle gefeiert. Und viel Lob gab es da selbstverständlich auch.

Autor: JAN ZAWADIL |
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"Wir Sehenden sind oft mit offenen Augen blind" - eine Feststellung des Bronnweiler Weibs Friedel Kehrer. Und eine Tatsache, die die Bezirksgruppe Reutlingen-Tübingen des Blinden- und Sehbehindertenverbands Württemberg bis heute beschäftigt. Muss sie sich doch immer wieder für die Belange aller Betroffenen einsetzen.

In den 100 Jahren seit der Gründung hat sich dennoch vieles getan. Anlass genug, um einerseits auf die Entwicklung zurückzublicken, andererseits Gelegenheit, um das Engagement der Bezirksgruppe zu würdigen.

"Es ist ein schönes und wichtiges Zeichen, dass das 100-jährige Bestehen in einem öffentlichen und würdigen Rahmen gefeiert wird", meinte dementsprechend Landrat Thomas Reumann am Samstagvormittag in der Wittumhalle. Denn die Gründer der Bezirksgruppe, die früheren und heutigen Mitglieder könnten stolz auf die geleistete Arbeit sein. Wobei sie letztlich unverzichtbare Interessenvertreter seien.

Dass Bürgerinitiativen wie die heutige Bezirksgruppe vor 100 Jahren nicht selbstverständlich, ja unbekannt gewesen seien, betonte Oberbürgermeisterin Barbara Bosch. Dennoch: "Es war notwendig, sich zusammenzutun." Denn im Jahr 1912 sei die Gesellschaft noch anders gewesen.

Während sich im Lauf der Jahrzehnte auch in der Medizin viel getan habe, so Bosch weiter, sei eines trotzdem gleich geblieben: "Die Notwendigkeit, sich selbst zu helfen." Der Blinden- und Sehbehindertenverband sei da aber nicht nur eine unverzichtbare Stütze, sondern gleichzeitig eine bemerkenswerte Solidargemeinschaft.

Gleichzeitig betonte die Oberbürgermeisterin, dass im Deutschen immer von "Menschen mit Behinderung" die Rede sei. In anderen Ländern seien es hingegen "Menschen mit besonderen Bedürfnissen". Aufgrund dieser Bedürfnisse müsse aber immer individuell reagiert werden. Zudem müssten immer wieder Kompromisse gefunden werden. Denn obwohl Rollstuhlfahrer beispielsweise auf jegliche Bordsteinkante verzichten könnten, sei diese für Blinde und Sehbehinderte äußert wichtig, um die Abgrenzung zur Fahrbahn zu erkennen.

Letztlich, so Bosch, hätte die Bezirksgruppe durch ihre Arbeit aber sensibilisiert und genauso bemerkenswerte Öffentlichkeitsarbeit geleistet. Schließlich müsse jedes Kind wissen, was es bedeutet, wenn jemand eine gelbe Armbinde trage.

Weil trotz des allseitigen Lobs das Feiern nicht zu kurz kommen durfte, hatte die Bezirksgruppe am Samstag für ein ganztägiges Programm gesorgt. Ein Ausstellung informierte im Foyer über aktuelle Hilfsmittel. Die Bronnweiler Weiber sowie die Augstbergmusikanten sorgten für Unterhaltung. Krönender Abschluss war dann das Grachmusikoff-Konzert am Abend.

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