Mit Trommeln, Tröten und Trillerpfeifen

Reutlingen.  "Stellt euch vor, der Bahnhof-Ausbau ist gescheitert", hieß es am Samstag in der Reutlinger Wilhelmstraße. Die eingesparten Milliarden wurden - nur rein symbolisch - unter den Passanten verteilt.

"Wir machen Straßentheater und sind laut", lautete die Anweisung zu Beginn der "Jubel-Demo", die vom Bahnhof bis zur Nikolaikirche zog. Ausgestattet mit Trommeln, Tröten und Trillerpfeifen liefen die rund 100 Demonstranten die wenigen Meter bis in die Wilhelmstraße hinein und gaben dabei ein Bild ab, das an eine Mischung aus Faschingsumzug und Flashmob erinnerte - und so war es ja wohl auch geplant. "Das darf ruhig ein bisschen lustig aussehen", hieß es zu Beginn.

Die Vorstellung, dass der unterirdische Bahnhof in Stuttgart nun doch nicht kommen würde, sei in den Augen der Gegner schließlich ein großer Erfolg. Und diesen Erfolg wollten die Demonstranten zusammen mit den Passanten feiern. Die Einkäufer schauten allerdings zumeist ziemlich irritiert, als sie einen 100 000-Euro-Schein in die Hand gedrückt bekamen. Einige blieben stehen, viele liefen aber einfach weiter. Sofern sie weiter kamen - die Demonstranten hatten sich nämlich recht massiv in der Wilhelmstraße ausgebreitet und nur noch einen schmalen Durchgang frei gelassen. Es blieb nicht beim Trommeln, Tröten und Geld verteilen allein - einmal mehr sprach etwa Egon Hopfenzitz der langjährige Stuttgarter Bahnhofsvorsteher. "Ich war ja jetzt schon einige Male in Reutlingen und habe zu dem Thema viel gesagt", betonte er auf der improvisierten Bühne vor der Nikolaikirche. Was er damit ausdrücken wollte: Die Argumente sind bekannt, oft genug wurden sie vorgebracht. Am 27. November soll das Volk sich nun entscheiden, ob es für oder gegen den unterirdischen Bahnhof in Stuttgart ist. Und nach der Vorstellung der Demonstranten soll die Mehrheit natürlich bei Ja ihr Kreuz machen.


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Autor: NORBERT LEISTER | 14.11.2011

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