Menschen aus dem Sumpf holen

Reutlingen.  2010 drohte die Aufgabe, mit großem Spendenaufkommen ist die Arbeiterbildung aber wieder kräftig durchgestartet und greift vor allem Langzeitarbeitslosen erneut verstärkt unter die Arme.

Wer plötzlich arbeitslos wird, steht erst mal ziemlich verdattert da. Job weg, Arbeitskollegen weg, vielleicht sogar Lebensinhalt weg. Mit solchen Situationen umzugehen, ist beileibe nicht einfach. Und dann auch noch die Anträge auf Arbeitslosengeld oder Hartz IV, Formulare, die oft in unverständlicher Sprache verfasst sind. Wer weiß denn schon so genau, was eine Bedarfsgemeinschaft ist? Hinzu kommen die regelmäßigen Gänge zum Job-Center, wo sich mancher Antragsteller vorkommt wie ein Bettler, der unberechtigterweise um etwas Geld bittet. Peter Luksch geht schon länger mit Ratsuchenden zum Job-Center. Seine Erfahrungen: "Klienten sagen meist, sie wären noch nie so freundlich behandelt worden, wie in meiner Begleitung", sagt er und schmunzelt.

Wer Fragen rund um die Arbeitslosigkeit und um Hartz IV hat, geht am besten zur Reutlinger Arbeiterbildung (ArBi). Menschen wie Thomas Bangemann, Stefan Straub, Sven Plietzsch und Luksch sind da, wenn in den Formularen unverständliche Fragen auftauchen. Oder begleiten Antragsteller zum Job-Center. Sie kennen sich aus mit rechtlichen und juristischen Details, die als Erwerbsloser oder Sozialhilfeempfänger von großer Bedeutung sein können.

"Die Ratsuchenden kommen oft mit existenziellen Fragen", sagt Bangemann. So etwa ein alleinerziehender Vater von zwei Kindern, dem vorgeworfen wurde, er habe seine Wohnung nicht genutzt und müsse nun 5000 Euro Bußgeld bezahlen. Hartz-IV-Empfänger treiben solche Summen an den Abgrund. Oder darüber hinaus. "Ratsuchende, die zu uns kommen, sehen, dass sie nicht hilflos sind", betont Bangemann.

Der Reutlinger Verein ArBi hilft auch weiter, wenn jemand sich mit dem Computer nicht auskennt und dringend eine Bewerbung für einen Job schreiben muss. Oder im Internet nach einer Stelle suchen will. "Wir haben hier einige, die berufliche PC-Kenntnisse mitbringen und anderen weiterhelfen können", sagt Luksch.

Hinzu kommen weitere Aktivitäten, die Vereinsmitglieder anbieten. Wie etwa eine Pilz- oder Bärlauchwanderung. "Jeder, der will, kann sich hier mit seinen Fähigkeiten einbringen", sagt Straub. Denn: Hinter dem Projekt "Die eigenen Kräfte aktivieren" der ArBi - das vom Reutlinger Spendenparlament mit 6300 Euro unterstützt wurde - versteckt sich viel mehr als nur Beratung oder eine Art Beschäftigungstherapie.

Es geht den Engagierten im Verein darum, den Menschen wieder eine Perspektive zu geben, sie aus dem finsteren Loch der Arbeitslosigkeit herauszuholen. Eine bezahlte Arbeitsstelle kann dieses Engagement für andere Menschen natürlich nicht ersetzen, aber: Den Sinn im Leben kann die Tätigkeit wieder wecken.

Verschiedene Themenangebote, Vorträge und Gespräche etwa mit dem neuen Grünen-Landtagsabgeordneten Thomas Poreski gehören zu den regelmäßigen Treffen dazu. Wichtig ist vielen Teilnehmern aber auch das Freitagsfrühstück. Weil dort nicht nur das soziale Miteinander gepflegt wird, "da reden wir auch Klartext", sagt Sven Plietzsch. Ganz klar, so Stefan Straub, dürfe der Spaß auch nicht zu kurz kommen. "Es geht darum, die Menschen aus dem Sumpf zu holen." Und: "Wir beraten mit der ArBi seit drei Jahrzehnten, was wir tun, ist fachlich fundiert."

Info Das ArBi-Büro in der Oberamteistraße 28 ist jeweils montags, mittwochs und freitags zwischen 9.30 und 12.30 Uhr besetzt. Infos unter Telefon: (07121) 6959-288; E-Mail: kontakt@arbi-rt.de.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: NORBERT LEISTER | 16.06.2011

Google 1+

Verpackungshersteller Edelmann baut Stellen ab

Edelmann in Heidenheim muss bis zu 70 Stellen abbauen: Grund dafür sind überraschende Auftragsrückgänge durch den Verlust zweier Großkunden. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen.... mehr
Schwerer Unfall bei Brenz

Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz

Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr

Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um

Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr

Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters

Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr

Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam

Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr

Feuer bei Firma Knittel in Vöhringen

Vöhringen In dem Abfallentsorgungsbetrieb Knittel in Vöhringen ist am Donnerstag ein Großbrand ausgebrochen. Plastikmüll und Altpapier standen in Flammen.... mehr