Meilensteine des Ausbaus

Reutlingen.  Im Beisein von Wirtschafts- und Finanzminister Dr. Nils Schmid (SPD) feierte die Hochschule gestern die Fertigstellung eines sanierten Instituts-Gebäudes sowie die Inbetriebnahme ihres neuen Rechenzentrums.

Rund 15 Millionen Euro, davon allein 12,4 Millionen für die komplette Entkernung und den Wiederaufbau des Lehr- und Forschungsgebäudes 4, hat das Land für diese Sanierungsmaßnahme aufgewendet. Der Bund war indirekt mit 3,7 Millionen Euro beteiligt. Und darauf hatten alle gewartet: Wirtschafts- und Finanzminister Dr. Nils Schmid bekräftigte gestern, dass auch das marode Gebäude 3 bald saniert werde.

So habe die neue grün-rote Regierung nach ihrem Kassensturz festgestellt, "dass es da noch erhebliche Erblasten auch bei den Liegenschaften gibt", so Schmid. Da seien noch offene Rechnungen zu begleichen, bestätigte Schmid, der von "unterlassenen Instandhaltungen" sprach. Mittels Rücklagen werde man sich weiter um Sanierungen wie die der Hochschule kümmern, "denn in Sachen Hochbau sollten wir alles tun, um den Verzehr von Landesvermögen zu bremsen".

Schmid sprach vom 28. Oktober, dem Tag der Übergabe der beiden Gebäude - dazu gehört auch das neue "Green-IT"-Rechenzentrum von IBM, das bis zu 33 Prozent Energie sparen soll - "von einem guten Tag, so wie genau vor 125 Jahren. Da wurde die Freiheitsstatue in New York ihrer Bestimmung übergeben - nun eben ists ein Wahrzeichen des Wissens", so Schmid. Als weitere Akzente, die die neue Landesregierung in der Bildungspolitik künftig setzen werde, nannte der Minister die Abschaffung der Studiengebühren 2012 und vor allem ein gerechteres Bildungssystem.

Die Hochschule Reutlingen kennt Schmid gut, zumindest örtlich, denn dort habe gleich nebenan seine frühere Tagesmutti gewohnt. Schmid lobte das "außerordentlich praxisnahe Studienangebot" an der Reutlinger Bildungseinrichtung, deren wirtschaftswissenschaftliche Fakultät (ESB) in internationalen Rankings immer weit oben rangiert. "Damit sind Sie Leitbild und Markenzeichen der deutschen Hochschullandschaft", so das Lob aus dem Munde des Ministers.

Zuvor hatte der scheidende Hochschulpräsident Prof. Peter Nieß in besonderer Weise die gute Kooperation mit den Baubehörden der Stadt gewürdigt. Durch das in Möbeln im Gebäude 4 enthaltene Gift PCB habe man zum Beispiel Schwangeren den Zutritt zum Komplex 4 zeitweilig untersagen müssen - was auch die anderen Studierenden nicht gerade froh machte.

Das Gebäude 8 jedenfalls, die neue Rechnerzentrale mit erheblich vermindertem CO2-Ausstoß, weil ein Drittel energiesparender als vergleichbare Einrichtungen, nannte Nieß "ein weiteres Kleinod dieser Hochschule". Mit der Ersparnis könnten über 80 Vier-Personen-Haushalte versorgt werden. Auch die Schnelligkeit der Rechner beeindruckt: "Wir stellen uns gerade um vom Käfer auf den Ferrari."

Auch Oberbürgermeisterin Barbara Bosch freut sich über die gute Kooperation mit der Hochschule, zumal ihr Ruf Reutlingen stets mit ins Licht stelle - "eine Stadt, die immerhin sieben Weltmarktführer in der Wirtschaft beherbergt".

Eingangs hatte Bernd Selbmann, der als Direktor von Vermögen und Bau des Landes für die Baumaßnahmen verantwortlich zeichnete, die Details erläutert. Und da es ja nun auch mit der Sanierung des Gebäudes 3 klappen wird, lobte Selbmann nicht nur die "Meilensteine des Ausbaus", sondern gestand: "Es war schon ein Paukenschlag, dass die neue Regierung dem Sanierungsstau nun konsequent begegnet."


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Autor: JÜRGEN HERDIN | 29.10.2011

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