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Mehr Stau, mehr Lärm, mehr Dreck

Verniedlichte Zahlen, eine im Schneckentempo arbeitende Politik und "ein bisschen Tempo 30" - die Bürgerinitiative Ohmenhausen kämpft weiter für eine Umgehung und hofft auf die Prioritätenliste des Landes.

ANNE LEIPOLD |

Stetig dringt der Straßenlärm ans Ohr, rauscht in Wogen, zwischendurch ein Wellenbrecher: Ein Kleinlaster brettert über die Hohe/Neue Straße. 85 Dezibel zeigt das Gerät von Horst Dreisbach an. Nach einer Stunde an der Straße sind Gehör und Stimme über Gebühr strapaziert, das Gerät zeigt einen Schnitt von 78,6 Dezibel. Das Dröhnen in den Ohren nimmt nicht ab, selbst als die Lärmquelle längst hinter einem liegt. Diesem Lärm setzten sich seit Ende November die Landtagsabgeordneten Thomas Poreski (Grüne), Nils Schmid (SPD) und Dieter Hillebrand (CDU) aus, in dem sie der Einladung der Bürgerinitiative Ohmenhausen (BIO) folgten und sich vor Ort ein Bild von der Situation machten.

Während sich Schmid deutlich für die Umgehungsstraße aussprach und in dem Punkt an einer Prioritätenliste arbeitet, setzt Poreski auf Maßnahmen für weniger Verkehr. Beispielsweise sollen Radwege und Verkehrsinseln die Straße verengen. Ob sich damit der Verkehr auf mindestens die Hälfte reduzieren lässt? BIO zeigt sich offen, wäre zunächst froh, wenn die Brummis aus dem Ort kämen, wie es in Nehren laut Horst Dreisbach beantragt wurde. Doch aus jetziger Sicht komme man an der Umgehungsstraße nicht vorbei, "auch wenn es schade ist um die Natur, aber die Gesundheit der Menschen steht auf dem Spiel", betont Paul Schlegl. Seit Sommer letzten Jahres nun ist ein Teilstück der Hohen/Neuen Straße eine 30er Zone. Von Erleichterung kann nicht die Rede sein. "Lächerlich" entfährt es da so manchem Mitglied der Initiative. "Tempo 30 ist recht und gut, aber es wird nicht eingehalten", moniert Tobias Bauer. Selbst der stationäre Blitzer, der seit Ende letzten Jahres steht, vermag die Schnellfahrer nicht zu stoppen, wenn auch am ersten Tag 230 Fahrer geblitzt wurden. Im Gegenteil: "Zehn Meter vor dem Blitzer wird die Bremse bewusst reingehausen", beobachtet Bauer immer wieder. Mobil müsse geblitzt werden, wirft Dreisbach ein. Denn ist der Blitzer passiert, wird wieder Gas gegeben. "Wir haben jetzt noch größere Probleme: Mehr Stau, mehr Lärm, mehr Dreck." Wenigstens werde nachts nicht mehr gehupt oder bewusst vor den Häusern laut Gas gegeben, wie es kurz nach der Umsetzung der 30er Zone der Fall war. Gefordert war, auf der gesamten Durchfahrt Tempo 30 einzurichten und das Ortsschild auf Höhe Brühlstraße zu setzen. Die Straße wird ebenfalls mit bis zu 7000 Fahrzeugen am Tag belastet. Und: Der Lärm der Landesstraße dringt noch bis zu zwei Nebenstraßen weiter deutlich ans Ohr.

"Was wir in den letzten Jahren sehr massiv wahrnehmen, ist, dass die Politik im Schneckentempo arbeitet." Ob Luftreinhalteplan oder Lärmkartierung, der Ort kommt nicht vor, erst für den nächsten Plan in ein paar Jahren ist er vorgesehen.

Zudem würden Zahlen verniedlicht, variiert, das Problem verharmlost. Dabei sind zwei Grenzwerte überschritten, der Ort kann sich nicht entwickeln, Menschen werden gesundheitlich geschädigt. "Man muss jedes bisschen Fortschritt mit viel Mühe, Ärger und Anstrengung aus dem Schneckentempo herausnehmen", so Schlegl.

Für die Initiative ist es "offentsichtlich, dass Staat und Stadt nicht bereit sind, sich ehrlich für die Menschen einzusetzen, die unter dem Lärm leiden", sagt Schlegl. Daher richtet sich BIOs Appell an die Landtagsabgeordneten und die Reutlinger Oberbürgermeisterin, dass diese sich bei der Prioritätensetzung für Ohmenhausen einsetzen. Das Ergebnis soll im Sommer vorliegen. Was, wenn sich die Sorge der Initiative bestätigt und Ohmenhausen von der Liste runterkippt? "Dann ist alles möglich, von Resignation bis Widerstand."

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