Männer scheuen den Test

"Jeder Mann kriegt Prostatakrebs - er muss nur alt genug werden", sagt Dr. Hartwig Schwaibold. Am kommenden Sonntag gibt es deshalb im Klinikum am Steinenberg Informationen zu der Erkrankung.

NORBERT LEISTER |

Die Todesanzeigen in den Zeitungen sind voll mit Formulierungen wie "nach langer schwerer Krankheit" oder "gekämpft und doch verloren". Sehr häufig versteckt sich eine Krebserkrankung hinter solch schweren Worten. Allerdings sind gerade beim Prostatakarzinom die Behandlungsmöglichkeiten vielfältig und erfolgreich: Bestrahlung, Operation oder - selbst, wenn das Karzinom bereits die Kapsel der Prostata überschritten hat - "dann kann immer noch eine Hormontherapie helfen", sagt Hans Schlichting von der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs.

Voraussetzung für die Vielfalt der Therapien sei aber, dass die Karzinome in einem frühen Stadium erkannt werden. "Der Krebs bringt am Anfang keine Symptome mit sich", betont Dr. Hartwig Schwaibold, Chefarzt der Urologischen Klinik im Kreiskrankenhaus am Steinenberg, bei einem Pressegespräch. Die Erkrankung kann also nur bei einer Vorsorgeuntersuchung erkannt werden, die allerdings nicht von der Krankenkasse bezahlt wird. Trotzdem rät der Urologe dringend zu einem Test bei jedem Mann über 50.

Denn: Fast 60 000 Männer erkranken jedes Jahr neu an Prostatakrebs, bis zu 13 000 Patienten sterben jährlich daran. So weit die Fakten - oder doch nicht ganz: Fakt ist auch, dass Männer äußerst ungern zu Vorsorgeuntersuchungen gehen. Fakt ist auch, dass die Erkrankung Krebs in dieser Gesellschaft immer noch ein Tabuthema ist. Obwohl Krebs nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache ist. Aber: "Männer gehen grundsätzlich im Vergleich zu Frauen deutlich seltener zu Vorsorgeuntersuchungen", sagt Schwaibold.

Gerade mal 18 Prozent aller Männer lassen den PSA-Wert untersuchen, der den Ärzten zumindest einen Hinweis auf eine Erkrankung liefert - "auch wenn zahlreiche Faktoren zu einer Erhöhung dieses Wertes führen können", sagt Hans Schlichting von der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Reutlingen-Tübingen.

Gemeinsam haben die Urologische Klinik im Kreiskrankenhaus und die Selbsthilfegruppe diesen zweiten großen Patienteninformationstag auf die Füße gestellt. Am kommenden Sonntag werden ab 10 Uhr hochkarätige Referenten Vorträge über ihre Fachgebiete halten. Wie zum Beispiel Dr. Schwaibold zu "Operative und konservative Therapie des Prostatakarzinoms". Oder Prof. Michael Bamberg, Chefarzt der Universitätsklinik für Radioonkologie in Tübingen, der zur "Strahlentherapie des Prostatakarzinoms" referiert. Dr. Simone Maier, die eine Urologische Praxis in Reutlingen betreibt und Landesvorsitzende des Berufsverbands der Deutschen Urologen ist, spricht zur "Vorsorge bei Prostatakrebs".

Ein Vertreter einer Reha-Einrichtung für Prostatakrebs, Dr. Jens Leiendecker, Oberarzt der MediClin Staufenburg Klinik in Durbach, erläutert, was die Rehabilitation leisten kann. Zum Abschluss des Informationstages wird Hans Schlichting über "Selbsthilfe - eine wichtige Stütze bei der Prostatakrebserkrankung" berichten.

Zusätzliche Informationen gibt es von einem Berater für Inkontinenz - ein Thema, das die meisten Patienten ebenso brennend interessiert wie die Impotenz, die nach einer Prostata-Operation droht. Aber: "Inkontinent werden heute nur noch rund fünf Prozent aller Männer nach einer Operation", so Schwaibold. Und - wer offene Worte sucht: "Wir sprechen in unserer Selbsthilfegruppe alles an", sagt Schlichting.

Info

Der Patienten-Informationstag der Urologischen Klinik am Steinenberg zu Prostatakrebs findet am Sonntag, 31. Januar, 10 bis 16 Uhr, statt.

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