Konflikt "Tank und Teller" auflösen

Eningen.  Untrennbar ist der Konflikt "Tank und Teller" in der Biogasproduktion. Diesen aufzulösen, ist Wirtschaftsminister Ernst Pfister ein Anliegen, wie er beim Besuch der Forschungsbiogasanlage deutlich machte.

Umringt von seinen Parteikollegen Andreas Glück und Pascal Kober sowie dem Eninger Bürgermeister Alexander Schweizer ließ sich Wirtschaftsminister Ernst Pfister vom akademischen Direktor Leopold Peitz in die Materie der Forschungsbiogasanlage "Unterer Lindenhof" einführen. "Das Thema Energieeinsparung ist wichtig, da es das größte Kraftwerk ist, dass wir haben", hebt Pfister hervor, wie wichtig das Thema ist. Umweltfreundliche und wirtschaftliche Energie sowie eine gesicherte Versorgung sind für ihn in der Energiepolitik grundlegend.

Die Kernkompetenz der Anlage der Universität Hohenheim liegt beim Biogas, ein Bereich der inzwischen untrennbar ist von der Diskussion "Tank und Teller". Ein Punkt, für den sich der Minister besonders interessierte. Vorrangig möchte Pfister den Konflikt "Warme Stube oder warmer Teller" auflösen. "Wir müssen Biomasse zunehmend als Landschaftsabfälle wie Heu oder Gülle verstehen." Dieses Verständnis würde laut Pfister den viel diskutierten Konflikt auflösen. Um ein Auftreten dieses Konfliktes zu verhindern, habe er in Baden-Württemberg erhebliche Mittel zur Verfügung gestellt. Statt an der Subventionsschraube macht er sich für ein Drehen an der Forschungsschraube stark, geht somit einen anderen Weg, als ihn Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner jüngst beschreiten möchte.

Sehr empfänglich zeigt sich Professor Werner Bessei, Biomasse von den Lebensmitteln getrennt zu sehen. Wie sensibel die Menschen bereits auf das Thema reagieren, beweise die Studie "Nachwachsende Rohstoffe". Für diese hätten sich knapp 400 Studenten interessiert. "Das wäre nicht gelungen, wenn nicht schon Sensibilität für dieses Thema vorhanden gewesen ist", zeigt er sich froh, dass damit begonnen wurde. In diesem Zusammenhang ist ein weiteres Feld der Forschungsbiogasanlage eine nachhaltige Pflanzenproduktion zu erreichen, wie Dr. Hans Oechsner, Leiter der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie, ausführt. Gülle wird vermehrt in die Biogasanlage eingebracht, macht einen Anteil von mehr als zwei Drittel aus - obwohl daraus weniger Energie als aus Pflanzen zu gewinnen ist. Weiter im Blickfeld ist die Effizienzsteigerung. Vollständig soll die Energie des Biogases genutzt werden, also neben dem Strom auch die gesamte entstehende Wärme.

Die zu starke Polarisierung in der gesamten Diskussion missfällt Bernd Thomas von der Hochschule Reutlingen. Seiner Meinung nach muss deutlich gemacht werden, dass man Energie mit Kraft-Wärme-Kopplung sehr effektiv umsetzen kann.

Diesen Aspekt kann Ernst Pfister nur bestärken, denn hier könne er einen steigenden Stellenwert ausmachen. "Erneuerbare Energien haben einen zusätzlichen Effekt, mit Kraft-Wärme-Kopplung ergibt das einen optimalen Effekt." Ein Punkt, bei dem die Regierung zulegen solle. Eine Perle für Pfister ist AVAT Automation, die zur Entwicklung von Energiekonzepten unersetzbar sei. "Die Biogasanlage und AVAT Automation zusammen wird uns in der modernen Energiepolitik unschlagbar machen."


Kommentare (1)

01.02.2011 10:28 Uhr |   Paproth

Meinungsmache mit Schlagwörtern

Wieviel Kurzsichtigkeit und Selbstgerechtigkeit doch diejenigen immer wieder zeigen, die dieses unsinnige und unselige Schlagwort von "Tank oder Teller" herplappern. Es soll suggerieren, dass die eben bei uns angeschobene Energiewende monokausal die Ursache für den Hunger in der Welt sei, und dass bei uns die Lebensmittelpreise steigen könnten.
Tatsächlich war von 4000 v.Chr. bis 1950 immer ein erheblicher Teil der nutzbaren Landflächen für die Erzeugung von Rohstoffen und Energieträgern vorgesehen. Die letzten 60 Jahre im Öl haben unsere Maßstäbe völlig auf den Kopf gestellt, die 6000 Jahre gegolten hatten.
Und wenn es denn einen Konflikt gäbe, auf dessen einer Seite die Ernährungsfrage stünde, dann müsste er heißen:
"Vase oder Teller", vielleicht auch "Aschenbecher oder Teller" und "Tasse oder Teller". Denn wesentliche wertvolle landwirtschaftliche Nutzflächen werden hier und eben in den Hungerregionen dieser Erde dafür verwendet, Schnittblumen, Tabak und Kaffee anzubauen.

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Autor: ANNE SCZESNY | 01.02.2011

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