Kinder machen eine Probefahrt im Rettungswagen

Pfullingen.  Das "Deutsche Rote Kreuz" hilft Menschen in Not und unterstützt den Rettungsdienst. Im Rahmen des Pfullinger Ferienprogramms bekamen die Kinder einen "Crash-Kurs" in Sachen Erste Hilfe.

27 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren erhielten, als sie das DRK besuchten, einen kleinen Einblick in dessen Tätigkeiten. Zuerst gab Peter Schaich, der seit 30 Jahren in dem Ortsverein tätig ist, eine Einführung. Die Kinder wussten dabei schon erstaunlich viel über die verschiedenen Maßnahmen, einige hatten auch schon Erste-Hilfe-Kurse besucht.

Schaich erklärte, worauf beim Notrufen zu achten sei und was im Ernstfall bis zum Eintreffen des Rettungswagens getan werden müsse. Er demonstrierte auch, wie Bewusstlose richtig in die stabile Seitenlage gebracht werden. Und er betonte, dass bei der Kontrolle der lebenswichtigen Funktionen auch bei Menschen, die keine Reaktion zeigten, keinesfalls Gewalt angewendet werden dürfe. "Wir sind ja keine Sanitöter, sondern Sanitäter!", sagte er mit einem Augenzwinkern.

Im Ernstfall müsse viel improvisiert werden, erklärte Schaich, da oft das nötige Material nicht zu Verfügung stehe. Außerdem lernten die Kinder, was sie bei Insektenstichen in Verbindung mit Allergien zu beachten haben, wie sie sich vor Zecken schützen können und wie sie diese richtig entfernen.

Der 14-jährige Hannes Bauer, der das DRK vor drei Jahren selbst durch das Ferienprogramm kennen gelernt hatte, erläuterte den Kindern im Anschluss die Aufgaben des Jugendrotkreuzes. Die zwei Gruppen, die in Kinder von sechs bis zwölf Jahren und Jugendliche von zwölf bis 18 Jahren eingeteilt sind, treffen sich jeden Freitagabend und werden durch Übungen, in denen der Ernstfall simuliert wird, an die Arbeit des DRK herangeführt. Zudem helfen sie dem DRK unter anderem bei Blutspendeaktionen und gehen gemeinsam auf Ausflüge und Freizeiten. Die zweite Gruppe dürfe auch teilweise bei Diensten zusehen und manchmal bei leichten Sachen mithelfen, sagte Hannes.

Der stellvertretende Bereitschaftsleiter des DRK, Michael Gulde, fügte an, dass die Jugendlichen mit 16 Jahren in die Bereitschaft eintreten könnten und eine tiefer gehende Ausbildung erhielten. Bei Notfällen gingen sie dann als dritte Helfer mit auf Einsätze und könnten mit 18 Jahren aktiv bei der Bereitschaft mitmachen.

Wie Schaich weiter erzählte, sind zurzeit in der aktiven Bereitschaft 30 bis 35 Mitglieder und insgesamt 25 bis 30 in den beiden Gruppen des JRK ehrenamtlich tätig. Das DRK gebe regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse im Oktober und sei auch seit vielen Jahren beim Pfullinger Ferienprogramm dabei.

Nach der Einführung arbeiteten die Kinder abwechselnd in fünf Gruppen an verschiedenen Stationen. Patrick Senft erklärte den Kindern unter anderem, wie die Vakuummatratze funktioniert.

Bei vermuteten Verletzungen des Rückens und der Wirbelsäule wird der Verletzte mit der sogenannten "Schaufeltrage", die aus zwei zusammensetzbaren Teilen besteht, aufgenommen und auf die Matratze gelegt, in der sich Styroporkugeln befinden, sodass sie sich erhärtet, wenn die Luft anschließend herausgesaugt wird. Dadurch kann die Wirbelsäule nicht mehr bewegt werden, bis durch eine spätere Untersuchung mit Röntgenbild im Krankenhaus der genaue Befund festgestellt wird.

Eine andere Gruppe lernte, wie Pflaster und Verbände richtig verwendet werden und die anderen Kinder durften die Funkgeräte, die bei größeren Diensteinsätzen benutzt werden, ausprobieren. Außerdem bekamen sie einen Einblick in die Ausstattung eines Rettungswagens, den das DRK bei größeren Schadenseinsätzen zur Unterstützung des hauptamtlichen Rettungsdienstes einsetzt. Sie durften sogar bei einer kurzen Probefahrt dabei sein.

"Ich habe mich für heute angemeldet, weil ich mich für Erste Hilfe interessiere und damit ich weiß, was ich machen kann, wenn jemand umkippt", erklärte die zwölfjährige Elena warum sie an diesem Nachmittag dabei war. Auch in der Schule habe ihr bereits einmal jemand vom Roten Kreuz den richtigen Umgang mit Verband und Pflastern gezeigt, sagte sie.

Daniel, der noch nie an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen hat, "wollte ein bisschen mehr erfahren" und vor allem den Rettungswagen und die Ausrüstung kennen lernen. Er könne sich vielleicht auch vorstellen, zum Jugenrotkreuz zu gehen, erzählte der Zehnjährige.


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Autor: KERSTIN HANDEL | 02.09.2010

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