Integration mittels Arbeit

Hier drohender Fachkräftemangel, dort zahlreiche motivierte Flüchtlinge auf Suche nach Beschäftigung: Über Hürden und Chancen der beruflichen Integration von Asylbewerbern informierten sich jetzt Arbeitgeber.

PETER U. BUSSMANN |

Nicht nur für Wilhelm Schreyeck, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Reutlingen, spielt die berufliche Eingliederung bei der Integration von Asylbewerbern eine Schlüsselrolle.

"Wir haben ganz viele Menschen, die höchst wissbegierig und hoch motiviert sind", berichtete Tübingens Landrat Joachim Walter von seinen Begegnungen mit Flüchtlingen und Asylbewerber: "Sie sind gewillt, die deutsche Sprache zu lernen und wirtschaftlich bei uns Fuß zu fassen." Deshalb dürfe man die Situation jetzt "nicht nur als Risiko sehen, sondern auch als Chance", empfahl er den rund 50 Interessierten im Tübinger Sparkassen Carré.

Sie waren auf Einladung der Fachkräfteallianz Neckar-Alb (Arbeitsagenturen Reutlingen und Balingen, Südwestmetall, IHK, Handwerkskammer und IG Metall) zur ersten regionalen Info-Veranstaltung für Arbeitgeber gekommen, um sich über rechtliche Fragen der Beschäftigung von Asylsuchenden informieren zu lassen. Und die Rahmenbedingungen für Integration "sind günstiger als in der Vergangenheit", verriet Schreyeck den potenziellen Arbeitgebern.

Die sind teilweise mit der Situation überhaupt nicht zufrieden. Ulrich Gerber, Personalchef des Albstädter Werkzeugherstellers Gühring, beklagte, dass er in der naheliegenden Landeserstaufnahmestelle (LEA) Meßstetten nicht an die jungen Leute herankomme: "Die wollen arbeiten und wir haben Plätze." Fünf verschiedene Behörden seien da zuständig. Für Landrat Walter ist dies der falsche Ansatz, denn von der LEA werden die Menschen relativ schnell auf die Kreise verteilt. Sinnvoller sei es, Asylsuchende in der Anschlussunterbringung vor Ort in Betracht zu ziehen.

Wichtig ist für Arbeitgeber die Sicherheit über das Aufenthaltsrecht und damit die Bleibeperspektive des Bewerbers, leitete Schreyeck zum Referat von Iris Ackermann über. Sie leitet die Ausländerabteilung beim Landratsamt Tübingen und machte deutlich: "Die Beschäftigung von Flüchtlingen ist politisch gewollt und sehr viel einfacher möglich als gemeinhin gedacht." Dabei muss sich der Arbeitgeber aber um die Zulässigkeit der Beschäftigung kümmern.

Grundlage sind das Aufenthaltsgesetz, denn "jeder Ausländer braucht einen Aufenthalts-Titel", so die Beschäftigungsverordnung. Die ersten drei Monate nach der Asylantragstellung sei eine Beschäftigung nicht möglich, danach kann die Ausländerbehörde (Adressen im unten stehenden Kasten) eine Beschäftigungserlaubnis in Absprache mit der Arbeitsagentur erteilen.

Mit der Asylantragstellung erhalten die Flüchtlinge zunächst eine Aufenthaltsgestattung. Bei Anerkennung als Asylant erhalten sie eine Aufenthaltserlaubnis, die den unbegrenzten Zugang zum Arbeitsleben gestattet. Bei Ablehnung des Antrags ist der Ausländer ausreisepflichtig. Erst vor wenigen Tagen, so Ackermann, wurde dazu die Liste der so genannten sicheren Herkunftsländer erweitert, die nun alle Balkanstaaten umfasst. Im Einzelfall kann die Ausreise oder Abschiebung ausgesetzt werden, der Flüchtling bekommt eine Duldung, die aber, so Ackermann, schon mal mehrere Jahre dauern könne.

Doch auch bei Ablehnung des Asylbegehrens bleibt der Weg nach Deutschland zum Zwecke der Beschäftigung nicht verschlossen, berichtete Ackermann. Eine wenige Tage alte Rechtsvorschrift sorgt für geordneten Zuzug für Wirtschaftsflüchtlinge vom Balkan. Die sollten freiwillig ausreisen und über die Deutsche Botschaft in ihrer Heimat ein Visum beantragen. Mit der Zusage eines Jobs hier oder einem Vertragsentwurf stehen die Chancen gut, dann doch noch eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen.

"Es gibt keine einfachen speziellen Regelungen für die Einstellung geflüchteter Menschen", machte Annette Gerz vom Arbeitgeber-Service der Reutlinger Arbeitsagentur danach deutlich. Und "es gibt keine speziellen Zuschüsse für die Beschäftigung von Flüchtlingen". Dafür wurde aber "fast alles geöffnet, fast alle Arbeitsmarktinstrumente gelten nun auch für Flüchtlinge".

Einig waren sich die Expertinnen, dass jeder Fall eine Einzelfallentscheidung sei. Zumeist sind aber die Ausländerämter und die Arbeitsagentur die richtige Adresse für interessierte Arbeitgeber.

Zuständigkeiten im Ausländer- und Asylrecht

Landratsamt Reutlingen Aulberstr. 27, 72764 Reutlingen, Telefon: (07121) 480-22 41 oder -22 42, Fax: (07121) 480-18 21, E-Mail: auslaenderamt@kreis-reutlingen.de

Stadtverwaltung Reutlingen Oskar-Kalbfell-Platz 21, 72764 Reutlingen, Telefon: (07121) 303-56 65, Fax: (07121) 303-22 78,

E-Mail: auslaenderbehoerde@reutlingen.de

Stadtverwaltung Metzingen

Stuttgarter Str. 2-4,

72555 Metzingen,

Telefon: (07123) 925-0, Fax: (07123) 925-2 10, E-Mail: stadt@metzingen.de

SWP

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