Hilfe als humanitäre Pflicht

Auch in Pfullingen ist der Aufnahmedruck groß: Bis Jahresende gilt es, 447 Flüchtlinge unterzubringen. Bei einer Veranstaltung im Feuerwehrhaus erfuhren gut 300 Interessierte mehr über die Pläne der Stadt.

JÜRGEN SPIESS |

Das Interesse war überwältigend. Die Sitzplätze im Saal reichten bei weitem nicht aus, sodass zahlreiche Bürger bis auf den Gang hinaus stehen mussten. Grund für den Ansturm: Die Pfullinger Bevölkerung wurde umfassend darüber informiert, was in der Stadt in Sachen Flüchtlingsunterbringung bis Ende des Jahres passiert. Neben dem bereits beschlossenen Bebauungsplan in der Achalmstraße sind Container in der Robert-Bosch-Straße und zwei weitere Notunterkünfte für jeweils 100 Flüchtlinge an noch genauer festzulegenden Standorten geplant.

Neben Bürgermeister Michael Schrenk saßen Hendrik Bednarz und Dr. Claudius Müller vom Landratsamt, Stadtbaumeister Karl-Jürgen Oehrle, Meinrad Riedlinger vom Stadtplanungsamt und Gert Seeger vom Bürgertreff auf dem Podium. Nach der allgemeinen Einführung durch Claudius Müller, der für den Landkreis Reutlingen insgesamt 7000 Flüchtlinge bis Ende 2016 erwartet, erläuterte Bürgermeister Schrenk die konkreten Planungen für die Echazstadt. Bisher seien 87 Neuankömmlinge, die meisten aus Syrien (23), Mazedonien (22), Afghanistan (8) und Iran (7) im Stadtgebiet untergebracht. Beschlossen sei auch der Bau eines Grundstücks in der Achalmstraße für insgesamt 90 Bewohner, die sich zu je einem Drittel aus Sozialschwachen, Obdachlosen und Flüchtlingen zusammensetzen. Das mit 725 000 Euro bezuschusste Gebäude soll im Oktober dieses Jahres bezugsfertig sein.

Geplant sei außerdem die Nutzung eines Grundstücks in der Robert-Bosch-Straße, auf dem 80 bis 100 Flüchtlinge in Containern untergebracht werden sollen. Bis Ende März werden diese Container aufgestellt und als vorläufige Unterbringung genutzt. Schrenk verwies auf die dort vorhandene verträgliche Infra- und Betreuungsstruktur, da ein Sozialarbeiter die Betreuung übernehmen kann und Deutsch- und Integrationskurse ganz in der Nähe abgehalten werden können: "Wir versuchen, die Flüchtlinge so schnell wie möglich in den Arbeitsmarkt zu integrieren", unterstrich der Bürgermeister. Eher ungünstig ist der Standort des Grundstücks direkt an der Straße, weshalb wegen der erwarteten Kinder über einen Zaun nachgedacht werde.

Da der Immobilienmarkt nicht viel an Wohnungen hergibt, gilt Pfullingen als "schwieriges Pflaster" für die Unterbringung von Flüchtlingen. So stellt sich für die Echazstadt die Frage, welche Standorte sich für weitere Sammelunterkünfte anbieten. Von insgesamt 38 Vorschlägen aus der Bevölkerung sind nun sechs Standorte übrig geblieben, von denen in der Gemeinderatssitzung am 22. März zwei ausgewählt werden.

Jeweils 100 Personen sollen in den beiden Notunterkünften in Modulbauweise ein vorläufiges Zuhause finden. Später können die zweistöckigen Gebäude laut Bürgermeister Schrenk auch für den sozialen Wohnungsbau genutzt werden. Zur Auswahl stehen die Standorte Landenberger Park, Jakob-Staiger-Weg, An der Echaz bei der Hohestraße, Roßwagstraße, Theodor-Fischer-Straße und Ahlsteige. Im August sollen die beiden Notunterkünfte, deren Bau etwa 16 Wochen dauert, bezugsfertig sein, die Kosten dafür belaufen sich auf rund 2,6 Millionen Euro.

Während der abschließenden Diskussionsrunde fanden die Vorschläge für ein dezentrales Konzept bei den Fragestellern einhellige Zustimmung. Ängste wie bei manch anderen Informationsveranstaltungen zur Flüchtlingsunterbringung wurden im Feuerwehrgerätehaus nicht laut. Gert Seeger vom Bürgertreff traf mit seinem Appell für Hilfsbereitschaft und weitere Unterstützung auf fruchtbaren Boden: "Die Leute kommen so oder so, wir müssen so gut wie möglich damit umgehen."

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