Hier entsteht nicht nur baulich Neues
Reutlingen. Beim Verständnis des Schwäbischen ist sie manchmal noch auf Hilfe von Kollege Rudolf Schmid angewiesen. Ansonsten hat sich die gebürtige Westfälin Rafaela Korte in der Geschäftsführung gut eingelebt.
Als erste hauptamtliche Kraft hat die 46-Jährige im Oktober Prof. Dr. Martin Lenz abgelöst, der neben seinen Aufgaben als Chefarzt der Radiologie auch noch im Nebenamt drei Jahre den Ärztlichen Geschäftsführer gab. Dass Korte, die als gelernte Frauenärztin sowohl schon als Oberärztin als auch als Klinikdirektorin und Prokuristin im St. Franziskus Hospital der Malteser in Flensburg arbeitete, nun als Medizinische Geschäftsführerin titelt, hat einen Sinn. "Ich kann ein Krankenhaus von der inneren Struktur her nur leiten, wenn der gesamte klinische Bereich gesteuert wird und nicht nur eine Berufsgruppe", macht Korte den Unterschied deutlich.
Sie hat sich in den ersten 100 Tagen nach der Orientierungsphase ausgesprochen schnell eingearbeitet: "Wir sind ein gutes Team geworden", verrät Prof. Rudolf Schmid, der Vorsitzende der Kreiskliniken-Geschäftsführung, und Korte lobt die kollegiale Umgebung.
Der lange geplante Übergang der Verantwortung setzt dabei auf Kontinuität: "Wir haben hier ein gutes, ausgefeiltes, wohlbedachtes Medizinkonzept, das gilt es jetzt zu vertiefen", beschreibt Korte ihre aktuellen Aufgaben.
Demnächst wird mit der Auslagerung der Altersmedizin nach Bad Urach begonnen, das Profil der Onkologie soll in Reutlingen geschärft werden, zudem steht im März der Wechsel der Chefs der Pädiatrie und der Gefäßchirurgie an.
Und da sind noch die Bauarbeiten am Fuße des Steinenbergklinikums. Derzeit werden die Fundamente für den Bau Süd B gegründet, im April soll die Bodenplatte gegossen werden. 2011 zieht das alte Bettenhaus Süd in den fertigen Bau Süd B, der Altbau wird abgerissen und an seiner Stelle der neue Bau Süd A hochgezogen.
Diese Neugestaltung des südlichen Trakts bietet zudem die Chance, auch die Konzepte und Stationsstrukturen neu zu gestalten. "Es wird sich viel tun", kündigt Korte an, "wir werden das Begonnene konsequent weiterentwickeln." Schließlich "ist der Weg, das Konzept stimmig", dies unterstreichen die in allen drei Einrichtungen gegenüber dem Vorjahr gestiegenen stationären Fallzahlen (2009: Reutlingen 25 500, Bad Urach 5600, Münsingen 3300).
"Unsere Konzepte funktionieren", bekräftigt auch Schmid. Ohne die enormen baulichen Investitionen würden die Kreiskliniken sogar schwarze Zahlen schreiben, sagt er. Und das, obwohl in den Jahren 2008/09 ein Anstieg der Personalkosten von acht Prozent aus einer Erhöhung des Budgets von gerade mal zwei Prozent aufgefangen werden musste. Immerhin macht das Personal in den Kliniken - im Kreis Reutlingen 2000 Beschäftigte, allein in Reutlingen 1200 - rund 70 Prozent der Gesamtkosten aus.
Hier soll gespart werden. Mit den Neubauten sollen die Abläufe verbessert und schlankere Strukturen für mehr Servicequalität sorgen. Spezialisierte Pflegekräfte und Ärzte sollen, weil immer rarer werdend, gezielter eingesetzt werden. "Wir müssen den gestiegenen Arbeitsanfall neu verteilen", sagt Korte. Schwestern könnten von Verwaltungsarbeit, vom Transportieren und Verräumen durch Versorgungsassistenten, Stationshilfen und -sekretärinnen entlastet werden, denn "Pflegekräfte sollen pflegen". Ärzten könnte der leidige Papierkram erspart werden, so gebe es heute schon Codierassistenten.
Die Übertragung der begleitenden Arbeiten auf weniger qualifizierte, günstigere Kräfte wäre wirtschaftlicher, ohne dass die Qualität darunter leiden würde. "Manche Kliniken setzen schon Hotelfachkräfte für den Servicebereich ein", berichtet Schmid: Es brauche nur den richtigen Mann, die richtige Frau am richtigen Platz.
Die Probephase hat eine Neuerung bereits hinter sich: Die Station für "geplante Kurzlieger" mit neu organisierter Aufnahme ist nur an Werktagen geöffnet - zu aller Zufriedenheit, sagt Schmid: "Wir wollen Geplantes planbar machen."
Mit den neuen Häusern Süd A/B wird dann auch die komplette Ebene 0 neu gestaltet, geplant ist die Reorganisation der gesamten Aufnahme und Prozesse. Damit sollen Wartezeiten verkürzt und Doppeluntersuchungen vermieden werden. "Das wird uns beschäftigen, wir nehmen nicht einfach ein neues Haus in Betrieb", so Schmid.
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Autor: PETER U. BUSSMANN | 09.02.2010
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Die Baustelle vorm Bettenhaus Süd im Blick: Dr. Rafaela Korte. Foto: Bussmann
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