Herausforderung in freier Wildbahn

Reutlingen/Eningen.  Die einen bevorzugen den akkurat geschnittenen Rasen, den anderen genügt ausreichend Fläche für ihren Sport. Gemeinsamkeiten finden sich dennoch - im Namen. Discgolf ist doch viel mehr mit Frisbee verwandt.

Die Eninger Weide war in dichten Nebel gehüllt und der Regen kannte kein Erbarmen mit den Sportlern, deren Leidenschaft ohnehin unter mangelnder Bekanntheit leidet. Doch ein Discgolfer lässt sich selbst von den größten Wetterwidrigkeiten nicht einschüchtern. Packt neben seinen gut 20 Scheiben noch einen großen Regenschirm ein und reist zur Eninger Weide, um dort seine Discs durch die Lüfte zu werfen.

So geschehen auch am Samstag. Da hatten die Reutlinger Discgolf-Freunde zu ihrem allerersten Turnier in der Region auf die Eninger Weide eingeladen und damit gleich viele befreundete Spieler begeistert.

Dass die allerdings anders als ihre Namensvettern, den Golfern, nur wenig mit künstlich angelegten und aufwendig gepflegten Anlagen anfangen können, wurde dabei schnell klar. Denn die 37 Teilnehmer aus einem Einzugsgebiet von Würzburg über Augsburg bis nach Freiburg fühlten sich auf der Eninger Weide und dem Elf-Körbe- beziehungsweise Bahnen-Parcours gleich wie Zuhause. Auch wenn angesichts des dichten Nebels zwar nicht der Durch-, dafür aber der nötige Weitblick fehlte.

"Wo ist denn überhaupt der Korb?", war deshalb öfters zu hören. Und wenn sich jemand gar nicht mehr auskannte, half Organisator Markus Moßig weiter, der mit seinem Team für die Herausforderungen auf freier Wildbahn gesorgt hatte. Schließlich geht es beim Discgolf nicht darum, den Spezialfrisbee auf die einfachste Art im Metallgestell zu versenken.

Ähnlich wie beim Golf kommt es trotzdem auf die Zahl der Würfe pro Spieler und Bahn an. Doch während die einen bei Spielzügen, wie beispielsweise um einen Baum herum, ihre ganz spezielle Wurftechnik hatten, setzten die anderen auf den Effet aus dem Handgelenk und umrundeten damit elegant die großen Stämme.

Dass Discgolf dabei zu den durchweg umweltverträglichen Sportarten gehört, war zu sehen und zu spüren. Geht mit der großen Konzentration während der Würfe doch auch die entsprechende Ruhe einher. Außerdem braucht es fürs Discgolfen keine großen Sportanlagen, die Boden versiegeln oder als Monumente in Beton verewigt sind.

Die Faszination macht trotzdem etwas anderes aus. "Die freundschaftliche Atmosphäre", meint der Augsburger Ted Winkelbeiner, sei da nämlich ein Grund. Ein anderer: "Man hat keinen Gegenspieler, sondern spielt gegen sich selbst und muss das mit sich selbst ausmachen." Was den Sport aus seiner Sicht sehr angenehm mache. Und wenn es mal nicht laufe, dann liege es eben an einem selbst.

Nachdem sich Winkelbeiner aber beim Mountainbiken am Handgelenk verletzt hatte und dementsprechend weder am Samstag startete noch bei der anstehenden Europameisterschaft antritt, gingen auf der Eninger Weide andere Asse an den Start. Darunter der amtierende Vize-Europameister der Discgolfer, Michael Stelzer.

Trotzdem: Starambitionen gab es da keine. Vielmehr sind Turniere meist von familiärem Charakter geprägt, bei denen es neben selbst gebackenem Kuchen und belegten Brötchen als Tourpackage eben auch Müsli- oder Schokoriegel gibt.

Woran das liegt? Ted Winkelbeiner erklärt es damit, dass sich mit Discgolf kein Geld verdienen lässt. Außer ganz wenigen Nordamerikanern würden nämlich alle Spieler draufzahlen - und das schon allein wegen der Reisekosten sowie der Startgelder. Trotzdem gibt es beim Discgolf einen unschlagbaren Faktor. Und der heißt schlicht: Spaß am Spiel und Gleichgesinnte treffen.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: JAN ZAWADIL | 30.07.2010

Google 1+

Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik

Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr

Neu-Ulmer Bordell-Chefin wehrt sich gegen Vorwürfe

Neu-Ulm Der in einem Neu-Ulmer Bordell aufgefundene Tote wird nicht obduziert. Die Polizei ist sicher: Der 36-Jährige starb durch einen autoerotischen Unfall. Derweil hat sich die Bordellchefin zu Wort gemeldet.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Hechinger Brandruinen qualmen noch

Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr

Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell

Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

Ein Raub der Flammen

So einen Brand wie gestern am frühen Abend haben die Hechinger mitten in der Altstadt schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gesehen. Der Altbaukomplex an der Ecke Marktstraße/Schlossstraße wurde ein Raub der Flammen. Von vier Drehleitern aus schützten die Feuerwehren die Nachbargebäude.... mehr