Herausforderung Kaffeesack
Reutlingen. Die ESB Logistikfabrik hat ein dickes Forschungsprojekt an Land gezogen. Gemeinsam mit internationalen Partnern will sie in den kommenden vier Jahren einen Roboter entwickeln, der Kaffeesäcke entladen soll.
"Wenn der Roboter den Kaffeesack schultert" - unter diesem Motto steht ein neues Forschungsprojekt an der Hochschule Reutlingen, mit dem ein intelligentes, für den Einsatz in der Logistik geeignetes Robotersystem entwickelt werden soll. Die Logistik ist, wie Prof. Dr. Ing. Wolfgang Echelmeyer als Leiter der ESB Logistikfabrik sagt, auch deshalb ein interessantes Forschungsfeld, weil viele Anwendungen - im Unterschied zur Produktion - noch nicht automatisiert sind. Echelmeyer schätzt, dass derzeit rund acht Milliarden Gegenstände per Hand aus Containern entladen werden.
So haben sich jetzt fünf Hochschulen und zwei Firmen zum Roblog-Konsortium zusammengeschlossen. Das Entladen von Schiffscontainern, die meist ungeordnet gepackt sind, bedeutet eine große Herausforderung für ein computergesteuertes Robotersystem. Fünf Voraussetzungen sind dabei zu erfüllen: Zunächst einmal muss der Roboter die unterschiedlich geformten Objekte (wie beispielsweise Kaffeesäcke) dreidimensional erkennen. Dazu kommt, dass sich diese Gegenstände häufig verformen, was das Greifen erschwert. Weiter hat der Roboter Hindernisse auf dem Transportweg zu erkennen, um ihnen ausweichen zu können. Zudem muss er auch sich verändernde Umweltbedingungen berücksichtigen. Als letzte Voraussetzung muss der Mensch als Benutzer über die Möglichkeit verfügen, mehrere dieser Logistiksysteme über eine Steuerung zu kontrollieren.
Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: "Es nützt uns nichts, Robotersysteme zu entwickeln, die nicht wirtschaftlich sind", sagen Echelmeyer und seine wirtschaftliche Mitarbeiterin Dr. Alice Kirchheim. So bestehe die Herausforderung nicht nur darin, ein automatisches, sondern ein autonomes System zu entwickeln - ein System, das in der Lage ist, selbst Entscheidungen zu treffen." Das Projekt hat ein Gesamtbudget von 7,86 Millionen Euro, davon kommen 5,6 Millionen Euro aus den Töpfen der Europäischen Union. Am Ende des auf vier Jahre angelegten Forschungsprojekts soll ein marktfähiges Demogerät stehen, das nicht mehr als 100 000 bis 150 000 Euro kosten darf und das im Einsatz beim großen Kaffeeimporteur Vollers getestet wird. Erst danach wird entschieden, ob die Entwicklung in Serie gebaut wird.
Mit dem Projekt macht die Hochschule Reutlingen zudem einen weiteren Schritt in Richtung ihres strategischen Ziels, die Forschung auszubauen, wie Präsident Prof. Dr. Peter Nieß gestern ausführte. Darüber hinaus haben Doktoranden der Hochschule die Möglichkeit, an einer der am Projekt beteiligten Universitäten zu promovieren.
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Autor: RALPH BAUSINGER | 04.02.2011
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So könnte einmal der Roboter aussehen, der Kaffeesäcke aus Containern herausholt. Foto: Hochschule
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