Geprägt von Selbstaufgabe

Reutlingen.  Susanne Reusch widmete sich in sechs Werken künstlerisch Albertine Werner. Jetzt wurden die Arbeiten durch Unterstützung des Ehepaars Goltermann dem Seniorenzentrum am Markwasen übergeben.

Alles begann mit einem Projekt des Künstlerinnenvereins Gedok, das mit einer künstlerischen Hommage an berühmte Reutlingerinnen erinnern wollte. Die in Lichtenstein lebende Künstlerin Susanne Reusch entschied sich für Mutter Werner, die genau vor 200 Jahren, am 7. Februar 1812, geboren wurde. Nach der Gesamtausstellung des Projektes im Rathaus werden ihre sechs Arbeiten nun an ihrem Bestimmungsort hängen - im Mutter-Werner-Heim, heute Seniorenzentrum am Markwasen.

Möglich gemacht hat es Dorothea Goltermann, die sich hier ehrenamtlich engagiert. Ihre Spende wurde am Mittwoch unter dem Titel "Albertine Werner im Blick" mit einer Feierstunde und der Einführung der Künstlerin in ihre Motive, offiziell übergeben.

"Wer kennt schon Albertine Werner?", fragte Susanne Reusch und blickte damit noch einmal auf ihre Annäherung an die für Reutlingen historisch wichtige Frau zurück. "Als ich mich entschieden habe, mich mit Mutter Werner zu beschäftigen, kannte ich nicht einmal ihren Vornamen geschweige denn ihre Herkunft", gestand sie. So las sie viele Biografien über ihren Ehemann Gustav Werner, der mit seinem Namen und Tun über dem Ganzen steht, um nach und nach auch Informationen zu Albertine, geborene Zwißler, "herauszuschälen".

Aus diesem Wissen und dieser zarten Annäherung an einen Menschen heraus, der im Schatten anderer viel Gutes leistete, schuf sie in Absprengtechnik, bei der nach und nach auch "herausgeschält" wird, ihre Werke. So heißen sie "Im Schutz der Mutter" oder "Liebe Albertine" und zeigen Umrisse einer historischen Frauenfigur, die wie eine Madonnengestalt über Kinder wacht, eingerahmt von einem gotischen Kirchenfenster steht oder sich im Hintergrund von Ausschnitten aus Briefen ihres Mannes hält, der sich stets auf Vortrags- und Predigtreisen befand. Eine anonyme Frau, der keinerlei eigene Persönlichkeit zugestanden wird.

"Ohne Frauen ging nichts im Bruderhaus, es hätte eher Schwesterhaus heißen müssen." Susanne Reusch berichtet von einer kinderlosen Zweckehe und einem Leben in einer großen christlichen Hausgemeinschaft, die von Nächstenliebe geprägt war, ganz nach dem Motto des Theologen Gustav Werner: "Lasst die Liebe zur Tat werden!" So sagte er selber nach dem Tod seiner Frau 1882 und 41 Jahre im Dienste des Bruderhauses, sie habe nie gemurrt. "Sie hat nie das Ihre gesucht", zitierte Susanne Reusch Vater Werner. Ein Leben der Selbstverleugnung, eine Heilige im Dienst am Menschen. Die Feierstunde mit Gesang von Anne Munding und ihrer Begleitung am Klavier Elisabeth Roser schloss mit einem gemütlichen Beisammensein der Gäste und Bewohner.


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Autor: MARIE-LOUISE ABELE | 10.02.2012

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