"Ganz einfach und Hammer lecker!"

"Ich bin vegan, weil's einfach toll schmeckt", sagt Bio-Spitzenkoch Björn Moschinski beim Koch-Event mit dem Eine-Welt-Laden. Nach kalter Tarte, Curry und falschem Eiersalat waren alle Vorurteile vom Tisch.

ANGELA STEIDLE |

Cooking Concepter Marcus Schneider hat in diesem Jahr einen rein veganen Kochkurs im Programm: "Der war superschnell ausgebucht", sagt der Caterer, "und das, obwohl Bio-leicht-Kochen in Reutlingen bisher gar nicht ging". Bio-Spitzenkoch Björn Moschinski aus Berlin hat dafür nur ein Schulterzucken übrig: "Du musst, um den Geschmack zu befriedigen, kein Tier töten. Das pure ausgelöste Fleisch aus der Massentierhaltung schmeckt eh gräuslich." Dafür erntet der überzeugte Tier- und Menschenrechtler bei seinem hungrigen Reutlinger Publikum kopfnickende Bestätigung. "Vegane Küche", sagt der ehemals überzeugte Fleischesser, "ist ganz einfach und hammer lecker!"

Wie der gefragte Vegan-Head-Chef nach Reutlingen kommt: SSV-Fan Claudia Klatt vom Eine-Welt-Laden hatte vergangenen Herbst bei Caterer Wolfgang Gusinde angeregt, in der VIP-Lounge des Fußballstadions fair zu kochen - solange auf dem Rasen fair gespielt wurde.

Mit dem Heimspiel ging der SSV damals zwar baden, aber die Penne à la Björn Moschinski und Simon Tress' "Basmati-Reis à la Crème" zum Dessert machten Furore. Mit der Gourmet-Aktion am Markwasen gewann der Reutlinger Weltladen den Ersten Preis beim GEPA-Wettbewerb "fair aufgetischt": Ein exklusiver Kochkurs mit dem Vegan-Papst von der Spree. Der Gewinn wurde jetzt zusammen mit Kunden und Partnern eingelöst.

Nach zwei Stunden superfeschem Kochevent waren am Donnerstag die letzten Zweifel vom Tisch. Moschinski: "Wenn wir das Mundgefühl identisch hinbekommen, kriegt kein eingefleischter Esser mit, was tatsächlich drin ist."

Frech gepokert und verblüffend umgesetzt: Die crunchy Nuss-Tarte fürs "Beißvergnügen" mit cremiger Kakao-Avocado-Mousse kam kalt aus dem Kühlschrank und war, ungelogen, zum Dahinschmelzen.

Ein einziger Fake: Eiersalat, der nie ein Ei gesehen hat, aber genauso aussieht und nach Schnittlauch, Gürkchen und Radieschen lechzt.

Das Querbeet-Kühlschrank-Curry im Wok wurde von Kokosmilch und innigen Seufzern begleitet und war im Handumdrehen auf dem Tisch. Darunter kein Gericht über 20 Minuten, live und unter Dauer-Entertainment mit vielen entwaffnend simplen Tricks zu Technik, Produkten und rohkosttauglichen Garverfahren.

Zu wissen wo ein Lebens-Mittel herkommt und welche Energie- und Ökobilanz es hinterlässt, ist für Björn Moschinski Überzeugungssache. Für Allergiker, Diätler, Bio-Fetischisten, Eltern, Sportler und andere aufgeklärte Esser ist der Bio-Spitzenkoch aus Berlin sowas wie ein kreativer Food-Pionier. Weil: "Eine Gemüseküche gibt's bei uns schon gar nicht mehr. Das führt zu mehr Cholesterin und Nährstoffmangel. Wir zerstören systematisch unsere Fähigkeit, Inhaltsstoffe in den Körper zu bringen." Die Alternative dazu ist längst aus der verklemmten Ecke und punktet als saisonal und regional orientierte Alternative, die tierische Bestandteile bloß unkompliziert ersetzt.

Was sieht aus wie Eiweiß, ist aber keins? Verkochte Pasta! Im Weltladen-Style diesmal fair und mit bolivianischem Quinoa. Tatsache: Eigelb pur schmeckt vor allem schweflig-faul. Vulkanisches Steinsalz aus Indien (Kala Namak) auch.

Moschinskis Tipp zum Thema Mayonnaise: Ungesüßte Sojamilch enthält genügend Lecithin, um sich mit geschmacksneutralem Bratöl zu verbinden. Cremig gerührt mit ebenfalls leicht schwefligen Kichererbsen und gestockt mit Balsamessig hält sich die Creme elegant und ohne Salmonellen-Gefahr über eine Woche im Kühlschrank. Die ideale Basis für jede Art von Dipp, Sauce oder Tsatsiki.

Kopf und Schwanz ab - legt das Kerngehäuse jeder Paprika bloß. Auf dem Schneidebrett klebt dabei kein einziger Krümel. Sehr praktisch. Zucchini ohne Kerngehäuse sind einfach knackiger und völlig logisch: Faultiere, die Frühlingszwiebeln mit Sellerie und Karotte zeitgleich angaren, schnippeln das eine pergamentdünn und das andere fingerdick. Der Formen- und Artenvielfalt sind beim Curry keine Grenzen gesetzt. Während der Wildreis im Ofen bei Rohkost-Temperatur unter 42 Grad vor sich hinschwitzt und damit kämpft, all seine Inhaltsstoffe ganz für sich zu behalten.

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