Endstation Laiblinsplatz
Pfullingen. Es war die Linie 2 der Reutlinger Straßenbahn, die von 1916 bis 1974 Pfullingen an Reutlingen anschloss. Am Laiblinsplatz war die Endstation - und der feiert heuer sein 125-jähriges Bestehen.
Es ist geradezu ein geschichtsträchtiger Ort für Pfullingen, denn hier stand einst die erste elektrische Straßenlaterne Pfullingens. In die hochherrschaftlichen Wohnhäuser zog ab 1893 nach und nach das elektrische Licht ein, produziert durch die Wasserkraft der Echaz. Doch auch die Bürger in Pfullingen sollten ihr Licht bekommen, auf dem öffentlichen Laiblinsplatz. 1885, genau vor 125 Jahren, stiftete Louis Laiblin Senior den Platz den Pfullingern. Nachdem er fünf alte Bauernhäuser aufgekauft hatte und abreißen ließ, wurde der Platz zum öffentlichen Treffpunkt, ähnlich einer Planie mit Baumbestand, Wasserbecken und Strommast. Ein Brunnen ist bis heute dort erhalten, 1985 wurde er zum 100-Jährigen des Platzes vom Männergesangsverein gestiftet.
Im Jahre 1927 erfolgte nach Süden hin eine Erweiterung, von der Grundgestaltung aber ist der Platz noch heute wie damals. Während des Zweiten Weltkriegs diente der südliche Teil als Bauplatz für betonierte Luftschutzgänge. Sie waren mit Erdreich abgedeckt und wie ein kleiner Berg aufgeschüttet. Ende der 1940er Jahre wurden diese wieder abgetragen.
Die Verkehrsverhältnisse in der Innenstadt sollten um 1930 verbessert werden, denn zunächst von Pferdefuhrwerken, später von Automobilen befahren, war die Kirchstraße zu eng geworden. Die Große Heerstraße war die Entlastungsstrecke. Doch der Laiblinsplatz erhielt in seiner Geschichte auch noch eine weitere Funktion - als Endstation. 1916 wurde die am Südbahnhof abzweigende Strecke nach Pfullingen für den Personen- und Güterverkehr eröffnet, die Strecken wurden eingleisig und mit Ausweichen gebaut. Mit dem Anschluss Pfullingens an das Reutlinger Straßenbahnnetz rückten die Städte immer näher aneinander. Die Linie 2 führte vom Hauptbahnhof über den Südbahnhof, den Lindenplatz mit seinem großen Wartehäuschen, an den Rathäusern und der Martinskirche vorbei bis hin zur Endstation am Laiblinsplatz. Hier sorgte eine Wendeschleife durch Badstraße und Kirchgasse für den reibungslosen Verlauf auf der Strecke.
Die Stilllegung der beiden Südstrecken nach Eningen und Pfullingen war für 1972 geplant, diese musste aber zunächst aufgrund von Widerständen aus der Bevölkerung verschoben werden. Letztlich fiel aber die Entscheidung, die Bahn 1974 einzustellen. Am 19. Oktober 1974 rollten schließlich die letzten Bahnen von Reutlingen nach Pfullingen. Selbstverständlich als Spektakel: Alte Fotos zeigen mit Menschen voll gestopfte Triebwagen, die Fahrgäste selbst sagten die nächsten Haltestellen durch, viele genossen die letzte Fahrt rauchend. Außerdem zeigte der Triebwagen die 1 als Liniennamen an, die niemals vorher nach Pfullingen fuhr.
Überbleibsel der Zeit sind nach wie vor in Pfullingen zu finden. Der Straßenbahntriebwagen 29 war mehr als 45 Jahre zwischen Reutlingen und Pfullingen unterwegs, nach Einstellung des Straßenbahnverkehrs kam der TW 29 in das Automobilmuseum Ödenwaldstetten. Später stand der TW 29 im Großengstinger Bauhof unter freiem Himmel. Seit 2001 nun restauriert der Verein für Brauchtumspflege in Pfullingen diesen Triebwagen um ihn in Zukunft erneut auf Schienen stellen zu können.
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Autor: MARIE-LOUISE ABELE | 03.09.2010
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Der Laiblinsplatz heute: Rechts verlief einst die Endschleife der Reutlinger Straßenbahnlinie 2. Foto: Marie-Louise Abele
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