Einzigartig und zukunftsorientiert
Mit einem Festakt wurde gestern das Robert Bosch Zentrum für Leistungselektronik (RBZ) bezogen. "Superminister" Dr. Nils Schmid sprach von einem "guten Tag für Baden-Württemberg und auch für Reutlingen".
Autor: RALPH BAUSINGER |Es ist die "erste und einzige Kooperation dieser Art in Deutschland", sagte Prof. Dr. Peter Nieß, Rektor der Hochschule Reutlingen über das innovative Forschungs- und Lehrzentrum, das auf dem ehemaligen Bosch-Produktionsstandort in Rommelsbach entstanden ist. Über 30 Millionen Euro werden in den kommenden zehn Jahren in das RBZ fließen - rund 20 Millionen Euro stellt Bosch für Professuren und Sachmittel bereit, das Land steuert weitere 12,4 Millionen Euro bei.
Mit der Kooperation sei ein Forschungs- und Lehrverbund entstanden, der die gesamte Bandbreite von Hochschulausbildung, Forschung, Technologietransfer, wissenschaftlicher Weiterbildung und Nachwuchsförderung abdecke, sagte gestern Nils Schmid. "Das Zentrum stärkt entscheidend die Ausstrahlungskraft der Wirtschaft und Wissenschaft von Baden-Württemberg", erklärte der Finanz- und Wirtschaftsminister in einem Pressegespräch. Dabei hob der stellvertretende Ministerpräsident besonders zwei Leitgedanken hervor. Mit der Leistungselektronik als Schlüsseltechnologie sei man in einem wichtigen Zukunftsfeld unterwegs. Außerdem leiste das Zentrum einen wichtigen Beitrag, um Fachkräfte zu gewinnen. Zudem zeige die Investition, dass Bosch langfristig am Standort Reutlingen interessiert ist: "Das ist ein guter Tag für Baden-Württemberg und auch ein guter Tag für Reutlingen."
Die Energie- und Automobilwirtschaft befänden sich derzeit im Umbruch. Ressourcenknappheit, Umweltbewusstsein und Sicherheitsbewusstsein hätten die Bedeutung von sicheren, sparsamen und sauberen Lösungen zu Energiegewinnung und Mobilität verändert, sagte Dr. Wolfgang Malchow. "Jetzt gilt es, mit innovativen technischen Lösungen den Wandel nachhaltig und bezahlbar zu gestalten", unterstrich der Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Robert Bosch GmbH. Insbesondere in den Zukunftsfeldern der Elektromobilität und der erneuerbaren Energien stünden noch erhebliche Anstrengungen in Forschung und Entwicklung bevor. "Wir bündeln durch die enge Zusammenarbeit von Universität, Hochschule und Unternehmen grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung sowie langjährige Erfahrung in der Leistungselektronik und setzen damit die Basis für Innovationen, sagte Malchow, der auch weitere Partner aus der Industrie zur Kooperation einlud. Bosch hofft durch das Projekt, Mitarbeiter zu gewinnen. Derzeit gebe es allein im Großraum Stuttgart 120 offene Stellen für Leistungselektroniker.
"Meine Vision ist, dass sich das RBZ zu einem weltweit führenden Zentrum für Leistungselektronik entwickelt, das die begabtesten Elektronikstudenten und die besten Wissenschaftler anzieht", ergänzte Dr. Volkmar Denner, Geschäftsführer der Bosch-Gruppe.
Im neuen Zentrum - die Räume wurden von der GWG angemietet - stehen Studierenden, Professoren und Forschern auf einer Fläche von rund 1800 Quadratmetern insgesamt vier hochwertig ausgestattete Labors und Hörsäle zur Verfügung. Das RBZ soll die Studierenden, wie Nieß ausführte, gezielt auf die neuen fachlichen Herausforderungen der Zukunftsfelder Elektromobilität und erneuerbare Energien vorbereiten. Denn gerade in diesen Bereichen würden in Zukunft viele neue Arbeitsplätze entstehen."
Die Hochschule Reutlingen hat einen neuen Master-Studiengang "Leistungs- und Mikroelektronik" entwickelt. Die Kombination aus Leistungs- und Mikroelektronik ist der Schlüssel für eine auf erneuerbaren Energien beruhende Stromversorgung. Ob rein elektrisch angetrieben oder in der Hybrid-Variante: Jeder elektrische Antriebsmotor in einem Auto benötigt Leistungselektronik für die Ansteuerung. Die Studierenden lernen Bauelemente, Schaltungen und Systeme zu entwickeln und einzusetzen. So werden sie beispielsweise mit modernen Software-Werkzeugen selbst einen Mikrochip entwerfen, bei Bosch fertigen lassen und anschließend im Labor untersuchen. Komplexe Mikrochips sind in vielen modernen Produkten eingebaut, zum Beispiel in Autos, Robotern, Hochgeschwindigkeitszügen oder Navigationsgeräten.
Der auf vier Semester angelegte Studiengang startete mit zunächst jährlich 30 Studienplätzen im Oktober auf dem Hohbuchcampus. Nieß könnte sich einen Ausbau der Studienplätze vorstellen - unter Berücksichtigung der hohen Qualitätsanforderungen. Zudem gibt es ein gemeinsames Promotionsprogramm mit der Universität Stuttgart. Es gibt elf Stipendien für Doktoranden. Inzwischen haben drei neu berufene Professoren ihre Tätigkeit aufgenommen, die über umfangreiche Industrieerfahrung verfügen: Prof. Dr.-Ing. Martin Pfost (Leistungselektronik), Prof. Dr.-Ing. Jürgen Scheible (Electronic Design Automation) und Prof. Dr.-Ing. Bernhard Wicht (Integrierte Schaltungstechnik).
Info Das Robert Bosch Zentrum für Leistungselektronik, Oferdinger Straße 50 in Rommelsbach, lädt am Samstag, 18. Juni, 10 bis 15 Uhr, zu einem Infotag ein, bei dem nicht nur Studieninteressierte sich die neuen Räume anschauen können.




