Ehrenamt lohnt sich wirklich

Betzingen.  Seit über 30 Jahren treffen sich ältere Menschen in der Alten Eisenbahnschule zum Seniorennachmittag - eine Einrichtung, die sehr geschätzt wird.

Ehrenamt lohnt sich wirklich, ist ein Betzinger Quartett absolut überzeugt: "Wir machen es mit unheimlich viel Freude", bekennt Ingrid Häußler, die mit ihren Mitstreitern Petra Grund, Dagmar Wursthorn und Helmut Schöndubbe den Seniorennachmittag in der Alten Eisenbahnschule "umtreibt". Darüber hinaus sei es "toll, was da zurückkommt" von den regelmäßig 45 bis 55 Teilnehmern an dem abwechslungsreichen Programm im 1980 umgebauten Haus in der Eisenbahnstraße 14. Ingrid Häußler, die hier noch zur Schule gegangen ist, bezeichnet den von der Bruderhaus-Diakonie getragenen Seniorennachmittag als "Mittelpunkt" im größten Reutlinger Stadtteil. Alleine wollte die Koordinatorin die Arbeit aber nicht machen, sondern eher im Team. Und so fanden Petra Grund, die eigentlich für die Küche geplant war, dazu und Dagmar Wursthorn, die "wie die Jungfrau zum Kind" zu ihrer Leitungsfunktion kam sowie der "als Helfer vereinnahmte" Helmut Schöndubbe, dem seine Ärztin lediglich geraten hatte, er solle doch nach dem Tod seiner Frau unter die Leute gehen.

"Viele Senioren treffen sich hier, die sich schon von der Kindheit her kennen", beschreibt Ingrid Häußler das Publikum. Der älteste Gast ist 93, der jüngste 70. Anders als in der "Stadt" herrsche hier in Betzingen noch ein anderes Zusammengehörigkeitsgefühl, geradezu eine familiäre Atmosphäre, wo einander von Freud und Leid erzählt, wo Anteil genommen wird. Das Angebot ist Motto zugleich: "Getrost und fröhlich älter werden". Jeden ersten und dritten Dienstag ist Kaffeerunde, dann gibts Progamm. Experten sprechen zum Beispiel über Mobilität im Alter oder über Reutlingen, wie es früher einmal war. Die Referenten arbeiten zur Freude der Organisatoren ohne Honorar - nur für einen Blumenstrauß oder eine Flasche Wein, manche spenden sogar etwas Geld für den Seniorennachmittag.

Höhepunkte sind Faschingsparty - mit Verkleidung, versteht sich - Sommer- und Herbstfest sowie die Weihnachtsfeier. Da startet man zunächst in der Friedenskirche und zieht dann in den festlich geschmückten Saal der Alten Eisenbahnschule, wo sich neun Ehrenamtliche um die Küche kümmern.

Dazu wird jeden vierten Donnerstag im Monat eine Nachmittagsfahrt angeboten, die von den Teilnehmern außerordentlich geschätzt wird. Da gehts mal zur Weinprobe ins Neckartal oder zur Panoramafahrt in den Schwarzwald.

Der Seniorennachmittag ist zwar das "Kernstück", aber nicht alles, was hier stattfindet, wie Hanne Haack-Schweizer von der städtischen Abteilung für Ältere zusammenfasst. Vor zehn Jahren wurde ein Beratungsbüro für Ältere eingerichtet. Kindergartenkinder und Ältere treffen sich zum kreativen Tun, es gibt Spielenachmittage, wo Schulkinder und Senioren ihre Lieblingsspiele austauschen können. Außerdem bringen Kindergartenkinder regelmäßig den betagten Leuten Geburtstagsständchen. Spaziergänger und Tänzer finden sich zu Gruppen zusammen sowie der Elternverein "Bärenbande". Und auch der Musikverein, das Mandolinenorchester, die Senioren des Schachvereins und der Filmclub nutzen das große Gebäude als Domizil.


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Autor: PETER ANDEL | 02.09.2010

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