Die Zwänge des Lebens

Reutlingen.  Seine Malerei ist Ausdruck seines Inneren. Zusammengesetzte Szenen, die stutzen lassen. Der Reutlinger Maler Eckart Hahn bringt Bekanntes in faszinierendem Illusionismus zusammen - im Kunstverein.

Hoppala - der Kunstverein hat umgebaut, so der erste Eindruck. Der Betrachter, der sich in den Räumlichkeiten eigentlich zu Hause wähnt, tritt zunächst in ein fast gemütliches Wohnzimmerambiente ähnlich der Marke "Gelsenkirchener Barock" mit kuscheliger Stehlampe, Auslegeware und kultigem Türvorhang.

Dann erst kommt der Schritt ins großzügige Ausstellungsgeschehen, in diesem Falle von Eckart Hahn. Der Reutlinger Künstler lässt den Betrachter sich im ersten Moment in Sicherheit wiegen, er bietet ihm mit seiner Malerei und Objekten vertraute Anblicke, die sich aber sofort als merkwürdig entpuppen. Hier trifft Bekanntes und Unbekanntes, Traum und Realität zusammen, sie vermischen sich und lassen etwas Unheimliches entstehen.

"Unheimlich, nicht in Reutlingen, nur im Kunstverein, bleibt es immerhin, trotz und gerade wegen der bildnerischen Perfektion und des malerischen Illusionismus der gezeigten Arbeiten - meist Acryl auf Leinwand, rasch trocknende Feinstmalerei, Schicht um Schichten und Lasuren angereichert, perfekt polierte Oberflächen der Objekte", sagt Clemens Ottnad vom Kunstverein. Eckart Hahn gibt Fragen auf, fordert stets den Betrachter dadurch heraus.

Sind die an den Beinen aufgehängten Mensch noch am Leben? "Dong" heißt das Werk, und beim zweiten Blick lässt sich eine Anlehnung an das fröhliche Schreibtisch-Kugelspiel erkennen. Der in Plastik verhüllte Buddha wird von einem Wolf angeheult, und die Plastik-Ballerina im Tutu tut ihr Bestes, um anmutig auszusehen. Es geht ihm um die Verhältnisse der Dinge, um Alltagsgegenstände und Luxusobjekte, um scheinbar Unvereinbares.

So setzt Eckart Hahn Stoffe wie zum Beispiel künstliches, glattes Plastik mit tierischem, lebendigem Fell in Verbindung - das Kombinieren, der Versuch, es zusammenzubekommen, geschieht erst im Kopf des Betrachters, doch auf Antworten von außen wartet er vergeblich.

Bildhauerische Objekte bereichern Hahns Werk. "Der mit geradezu schmerzhafter Imaginationskraft ausgestattete Künstler setzt sich so mit dem Gebundensein menschlicher Existenz, den Zwängen zivilisatorischen Lebens, mit Familie, Religion, Politik und Geschichte, den sozialen Strukturen in der Gesellschaft samt ihrer allgegenwärtig sichtbaren Auflösungserscheinungen auseinander."

So zieht sich auch zum Beispiel das Kreuz durch seine Arbeiten, mal als übergroßes iPhone-Gebilde in Kreuzform, natürlich auf Hochglanz poliert, mal als verbrennendes, ganz einfaches Streichholzkonstrukt. Selbst zum Zeichnen wird der Besucher in der Black Box aufgefordert. Hier kann man mit Taschenlampe auf Leuchtfolie kreativ werden, wenigstens für den Moment.

Eckart Hahn ist 1971 in Freiburg im Breisgau geboren und hat sich bereits international einen Namen gemacht. Nach einer Grundausbildung in der Fotografie in Stuttgart studierte er 1991 bis 1993 Kunstgeschichte an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen, danach von 1995 bis 1998 Grafik-Design an der Johannes-Gutenberg-Schule Stuttgart. 2005 erhielt er den Förderpreis des Verbandes Bildender Künstler Württemberg.


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Autor: MARIE-LOUISE ABELE | 01.07.2010

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