Die Erinnerung nicht verblassen lassen
Reutlingen. Es ist nach wie vor unbegreiflich. Umso wichtiger ist die Erinnerung an die Reichspogromnacht. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen hatte deshalb mit Einstein-Gymnasiasten zur Gedenkstunde eingeladen.
"Ein Vorgeschmack auf die Hölle" - so bezeichnete Pfarrerin Christina Hörnig von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Reutlingen (ACK) die Ereignisse der Reichspogromnacht im Jahr 1938. Doch trotz der Zeitspanne und den seither vergangenen Jahrzehnten darf und will niemand die Erinnerung verblassen lassen, was auch während der Gedenkstunde in der Marienkirche am Mittwochabend deutlich wurde.
"Was für eine Bedeutung hatte es für die jüdischen Mitbürger, als ihre Läden geplündert wurden und Synagogen brannten?", sagte Hörnig. Der 9. November 1938 sei ein brennendes und loderndes Vorzeichen gewesen. Dabei würden vor allem Schüler immer wieder nachfragen, was das alles mit ihnen zu tun habe? Die Antwort von Pfarrerin Christina Hörnig: "Das Gedenken ist deshalb wichtig, um eine Zukunft zu gestalten, in der so etwas nie wieder geschehen darf."
Der Erinnerung an die Ereignisse vor 73 Jahren verliehen die Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums ihre ganz eigene Note. Denn nicht nur nachdenkliche musikalische Beiträge waren in der Marienkirche zu hören. Die Schüler des Neigungsfachs Geschichte erinnerten auch an die Arbeit und Werke der jüdischen Schriftstellerin Ilse Weber, die als Deportierte in der Kinderkrankenstube des Konzentrationslagers Theresienstadt arbeitete und im Oktober 1944 in Auschwitz ermordet wurde. Sichtbarstes Zeichen der Erinnerung und der Trauer war im Anschluss an das Gedenken in der Kirche der Lichterzug der rund 300 Bürger durch die Fußgängerzone zur jüdischen Gedenktafel in der Spendhausstraße. Neben den Kerzen erinnerten dort rote Nelken an die Ereignisse und Opfer. Zudem sprach Dr. Joseph Rothschild unter anderem ein jüdisches Kaddisch.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: JAN ZAWADIL | 11.11.2011
| Artikel twittern |
|
|
An der Gedenktafel in der Spendhausstraße stellten die Menschen Lichter auf. Foto: Jan Zawadil
MEISTGELESENE ARTIKEL
Verpackungshersteller Edelmann baut Stellen ab
Edelmann in Heidenheim muss bis zu 70 Stellen abbauen: Grund dafür sind überraschende Auftragsrückgänge durch den Verlust zweier Großkunden. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen.... mehr
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um
Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr
Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters
Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr
Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam
Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr

ZURÜCK
