David will Goliath nun kritisch begleiten
Reutlingen. Mit der im Ergebnis unglücklichen Volksabstimmung ist das Thema S 21 für die Gegner lange nicht beendet, sagen Mitglieder des Aktionsbündnisses.
"Goliath hat fürs erste gegen David gesiegt", sagte Katharina Bausch von Attac und vom Reutlinger Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21. Der Schock über das Ergebnis der Volksabstimmung ist bei den Gegnern weitgehend verdaut, nun gilt es, den Blick nach vorn zu richten. "Das Thema wird uns, anders als davor, weiter beschäftigen", hatte gestern Kristina Wiechert vom Grünen-Kreisvorstand das Pressegespräch mit Vertretern des Aktionsbündnisses im Naturschutzzentrum eröffnet.
"Die Grünen haben mehr direkte Demokratie versprochen - und haben geliefert", bekräftigte MdB Beate Müller-Gemmeke. Bei dem nicht wunschgemäß ausgegangenen Votum habe sie die hohe Beteiligung "extrem gefreut, das ist ein starkes Signal, dass die Menschen damit umgehen können und auch wollen". Solche Entscheidungen sollte es auch auf Bundesebene geben. Die Grünen in der Landesregierung sind nun gefordert, das Projekt S 21 konstruktiv, aber kritisch zu begleiten, "es gibt ja genügend Kritikpunkte". Sie prophezeit wegen der selbst von Bahnchef Rüdiger Grube eingeräumten Mehrkosten eine heftige Diskussion. Gestritten werde wohl auch um die Verkehrspolitik des Bundes. Hier setzen die Grünen auf die Entwicklung des Güterverkehrs und der Infrastruktur des ÖPNV in der Fläche.
Hartmut Hollenberg (ÖDP) will bei dem "mit politischem Starrsinn ertrotzten Projekt" nun "auch auf Recht und Gesetz pochen" und das "lebensgefährliche Gefälle im Bahnhof baupolizeilich untersagen". Um nicht "sehenden Auges in eine Katastrophe zu schlittern", fordert er einen sofortigen Baustopp.
Weiter dagegen demonstrieren will die Linke, erläuterte Rüdiger Weckmann, "denn S 21 ist und bleibt ein unsinniges und kostspieliges Projekt". "Überall fehlt jetzt schon Geld", beklagt Katharina Bausch (Attac) und fordert, bei Prestigeobjekten wie S 21 zugunsten eines bezahlbaren ÖPNV zu sparen.
Kritisch begleiten wird das Aktionsbündnis künftig die politisch Verantwortlichen in der Region, sagte Cornelia Eberle. Dazu gehöre auch der "Reutlinger Appell" an Minister Nils Schmid. Unter dem Motto "Erst Wahres, dann Bares" solle das Land seinen Anteil erst nach Kostenoffenlegung zahlen.
Für Reinhard Beneken vom BUND steht fest, dass nun "alle weiteren Risiken der Bauherr trägt". Er vermutet, dass S 21 der Bahn "auf Jahre hinaus die Bilanz verhagelt". Der so verschobene Börsengang "wäre dann auch ein positiver Aspekt". Christoph Joachim vom VCD-Landesvorstand und Mitglied im Regionalverband erwartet von Städtetags-Präsidentin Barbara Bosch, dass sie sich für die zweigleisige Wendlinger Kurve gemäß Heiner Geißlers Schlichterspruch stark macht. Die Grünen-Kommunalpolitiker Rainer Buck und Michael Hagel pochen darauf, dass die versprochenen Verbesserungen für die Region auch umgesetzt werden, eine Forderung, der sich auch MdL Thomas Poreski anschließt.
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Autor: PETER U. BUSSMANN | 06.12.2011
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