Christuskirche: Der "Wolfsgruß" im Gemeindesaal

Reutlingen.  Die "Türkische Gemeinschaft" bleibt im Visier der Verfassungsschützer. Derweil sorgt ein Video für Aufregung, das eine Feier der TGO im Gemeindesaal der Christuskirche zeigt. Mit ultrarechtem "Wolfsgruß".

Noch im Februar hatten Vertreter der Türkischen Gemeinschaft Organisation Reutlingen (TGO) von einem Versehen gesprochen, das sie ins Visier der Verfassungsschützer gebracht habe. Doch das Landesamt für Verfassungsschutz hat dieser Zeitung nun erneut bestätigt, dass die TGO beobachtet wird. Die Verfassungsschützer rechnen den Verein der ultrarechten "Föderation der türkisch-demokratischen Idealistenvereine in Deutschland" (ADÜTDF), auch bekannt unter dem Namen "Graue Wölfe" zu. Und belegen dies zum Beispiel damit, dass die TGO das entsprechende Emblem der "Förderation" in ihrem Vereinsbanner verwendet. Auch die türkische Internetseite der TGO Reutlingen zeigt nicht nur das Wolfsemblem, sondern bezieht sich ebenfalls auf den als "Führer" verherrlichten Gründer der Bewegung, Alparslan Türkes.

Nun ist im Internet ein Video aufgetaucht, das im Gemeindesaal der Christuskirche Reutlingen aufgenommen wurde. Es zeigt eine türkische Veranstaltung, in deren Verlauf Besucher den rechten Arm zum "Wolfsgruß", abgespreizter Zeigefinger und kleiner Finger der rechten Hand, erheben. Ein Erkennungszeichen der türkischen Rechten, der Ultranationalisten und ein eindeutiges Bekenntnis zur Ideologie der "Grauen Wölfe". Am Rednerpult hängt das Banner der "Grauen Wölfe", der heulende Wolf im Halbmond auf rotem Grund. Das Video läuft als Veranstaltung des "Idealistenvereins/Ülkü Ocagi", wie sich die "Grauen Wölfe" nennen.

Zwar taucht im Video nicht der Name der TGO auf, allerdings bestätigt Pfarrer Wolfgang Hartmann, dass der Gemeindesaal der Christuskirche bislang, neben Privatfeiern, an keinen anderen türkischen Verein als die TGO vermietet werde.

Mesut Demirezen, Sprecher der TGO, räumt denn auch ein: "Es war unsere Veranstaltung, eine Art Jugendfeier." Wieso dort der Wolfsgruß gezeigt wurde, "kann ich mir auch nicht erklären. Ich war nicht dort und vom Vorstand auch niemand". Allerdings, beschwichtigt Demirezen, dürfe man den Vorgang nicht als nationalistisch werten. Es handle sich, genauso wie bei anderen Emblemen seines Vereins, "um Zeichen aus osmanischer Zeit".

Im Bericht des Landesamtes für Verfassungsschutz klingt dies allerdings anders. Dort werden die Idealistenvereine als "Sammelbecken extrem nationalistischer Türken" eingeschätzt. Und weiter heißt es dort: "Von ihnen gehen Bestrebungen aus, die gegen den Gedanken der Völkerverständigung und insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der Völker gerichtet sind." Von den 45 Ortsvereinen im Land werden die "Bozkurtlar" in Reutlingen, so der türkische Name, als besonders aktiv bezeichnet.

Pfarrer Wolfgang Hartmann hebt dennoch die "besonders freundschaftliche Zusammenarbeit mit der TGO" hervor, zumal die "Türkische Gemeinschaft" auch Mitglied im Förderverein der Christuskirche ist. Was sich im Januar 2009 in seinen Gemeinderäumen abspielte, hat er allerdings erst über Recherchen dieser Zeitung erfahren.

Hartmann hat inzwischen, wie er sagt, den Vorstand der TGO angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten. "Wenn der Vorstand von der Sache wusste, könnten wir den Raum nicht mehr an die TGO vermieten." Zumal dann auch ein Verstoß gegen den Mietvertrag im Raum stehen würde. Denn politische Veranstaltungen sind, das bestätigt Hartmann, in den kirchlichen Räumen nicht erlaubt.

Unterdessen interessiert sich auch die Politik für die Vorgänge. CDU-Bundestagsabgeordneter Ernst-Reinhard Beck sagte nach Anfrage unserer Zeitung, er sei an der Sache dran und Pascal Kober (FDP) betont: "Ich bin jetzt sensibilisiert."


Kommentare (3)

03.04.2010 12:28 Uhr |   diogene

Ausweisung

Sofortige Ausweisung und Enteignung aller türkischen Nationalisten, das wird gefordert um die Bevölkerung gegen solche Verbrecher zu schützen. Das gleiche gegen die Islamisten. Und natürlich davon betroffen sollten auch die Strohmänner sein, à la Demirezen, die immer wieder versuchen, die Wahrheit zu verleugnen. Und bitte, Liebe Schwarz-Gelb Koaltion, mit sofortiger Wirkung ohne Diskussion. Demokratie muß gegen solche Gestalten geschützt werden, solche Leute haben gar nichts in Europa zu suchen.
Daran erkennt man, daß sowohl ein Teil der in Deutschland lebenden Türken sowie eine Mehrheit der Türken in der Türkei ganz weit weg von dem demokratischen Gedankengut sind und daß sie immer noch an dem osmanischen Reich denken. Und mit dem Rechspopulisten Erdogan wird es nur schneller schlimmer.
03.04.2010 13:22 Uhr |   Emuna

@ diogene

Warum soll die schwarz-gelbe Koalition die Suppe auslöffeln, die uns die rot-grün, mit lauter linken Maschen gestrickten Socken in ihrem Multi-Kulti-Rausch eingebrockt haben?
Aber ich fürchte ja, der VS kriegt rote Augen vor lauter Beobachten, bevor da wirklich mal was passiert. Diese Versammlungen der Wölfe finden doch schon seit mehreren Monaten statt!
Und es ist nicht nur Demirezen, der die Wahrheit leugnet. Die Pfarrer-Connection leider auch!
03.04.2010 08:45 Uhr |   Emuna

Na toll

Jetzt haben wir nicht nur unsere eigenen Nazis zu bekämpfen (sofern man das bekämpfen nennen kann) sondern auch die türkischen. Wird es nicht höchste Zeit, die Türkischen Vereine und die Türken, die so „integrationsfreudig“ sind, dass sie gleich unsere Kirchen übernehmen wollen, des Landes zu verweisen? Ich hoffe Beck und Co. Tun jetzt wirklich etwas und belassen es nicht nur bei Lippenbekenntnissen. Der Pfarrer von der Christuskirche muss blind und taub sein, oder mit denen gemeinsame Sache machen. Kann man sonst so ein Verhalten erklären? - Übrigens: noch ein Grund, die Türkei nicht in die EU zu lassen.

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Autor: CAROLA EISSLER | 03.04.2010

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