Beste Erfahrungen als Standard

Reutlingen.  Minister Dr. Nils Schmid informierte sich jetzt mit der Reutlinger SPD bei der "ArBi", der unabhängigen Erwerbslosenberatung, über die soziale Situation und die rechtlichen Probleme von Arbeitslosen.

Mit einer 50-prozentigen Stelle für die Geschäftsführung, die Thomas Bangemann seit 1. Juni dank einer Förderung der Aktion "1 + 1" des Diakonischen Werks Württemberg innehat, kann die ArBi ihr Angebot konsoldieren und erweitern. Seit Mai 2010, als der Verein aus finanziellen Gründen fast geschlossen werden musste, hat sich die Lage dank der belebenden Wirkung der Gelder von Einzelspendern und vom Spendenparlament positiv verändert. Die ArBi sei jetzt auf einem guten Weg, die Beratung zu sichern. Neue Aktivitäten zur Selbsthilfe und zur Selbstaktivierung sollen die Angebote für Erwerbslose nachhaltig ausweiten.

Schmid erkundigte sich nach Erfahrungen aus der Praxis der Erwerbslosenberatung. Diese sollen im neuen Landesarbeitsmarktprogramm für Langzeitarbeitslose und für das geplante Förderprogramm der unabhängigen Erwerbslosenberatung berücksichtigt werden. "Wir wollen aus dem ganzen Land die jeweils besten Erfahrungen aufgreifen und zum Standard machen. Die ArBi Reutlingen kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten", sagte er.

Bangemann konnte ihm aus Kontakten der Berater und aus Einzelgesprächen mit Betroffenen berichten, dass bei Beschäftigungsmaßnahmen individuelle Förderung Vorrang vor dem Gießkannenprinzip bekommen sollte. Arbeitsstellen sollten sozialversicherungspflichtig sein und als gesellschaftlich sinnvolle Tätigkeit erfahren werden können. Wenn reguläre Stellen nicht durch Mitnahmeeffekte verdrängt würden, könne auch Nachhaltigkeit erzielt werden. Erfreut sei die ArBi, dass im grün-roten Koalitionsvertrag explizit die Förderung und der Ausbau der unabhängigen Erwerbslosenberatung festgeschrieben wurde. Bangemann sieht dabei einen Trend zu noch mehr Qualität sowohl bei Beschäftigungsmaßnahmen als auch bei der Beratung.

Die Erwerbslosen sehen keinen Sinn mehr in erzwungenem mehrfachen Bewerbertraining, wenn nicht einmal 20 Prozent Arbeitsplätze für alle Arbeitssuchenden im Kreis zur Verfügung stünden, bei denen sich Langzeitarbeitslose mit oft mehrfachen Vermittlungshemmnissen nur noch Absagen einholten. Auch für die Beratung sei heute bei der Komplexität der Problemfälle eine hohe Qualität und große Sachkenntnis notwendig, sagte Bangemann.

Dazu sei man lokal und auf Landesebene mit Lagalo, der Landesarbeitsgemeinschaft der Arbeitslosentreffs und -zentren, dabei, ein dreistufiges-Beratungsmodell mit gestaffelten Qualifizierungsanforderungen zu entwickeln. Dieses Modell könne Betroffenen effektiv helfen und Kosten reduzieren, wenn es im Vorfeld bei Streitfällen zur Minimierung von Widersprüchen und Sozialgerichtsfällen genutzt würde. Für eine Schiedsstelle mit richterlicher Entscheidungskraft sieht Schmid aus bundesrechtlichen Erwägungen nur geringe Chancen. Aber das dreistufige-Beratungsmodell kombiniert mit einer freiwilligen lokalen Clearing-Stelle, bei der unabhängige Beratung und Behörden die schnellste und beste Lösung für die Beteiligten suchen würden, sollte unbedingt geprüft und weiterverfolgt werden. "Eine Art Expressschalter für eklatante Fälle könnte helfen, Notlagen zu vermeiden und langwierige Gerichtsverfahren abzuwenden", sagte Schmid. Alle Beteiligten waren sich einig, dass man sich gegenseitig weiter informiert und dass aufgrund der neuen politischen Rahmenbedingungen die Chancen schon lange nicht mehr so gut waren, eine Reduzierung von Langzeitarbeitslosigkeit zu erreichen und Probleme bei der Rechtsdurchsetzung für Arbeitslose zu minimieren.


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Autor: SWP | 10.08.2011

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