Austausch ist Bildungsarbeit
Reutlingen. Die Aktionen mit den Reutlinger Partnerstädten sind vielfältig, ein wesentlicher Bestandteil ist der Schüleraustausch, so der Tenor im jüngsten Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss des Gemeinderats.
Die Reutlinger Städtepartnerschaften haben teilweise mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Eine davon war im vergangenen Jahr nach den Worten der zuständigen Abteilungsleiterin Margit Fausel, dass die Reise in die USA nach Reading abgesagt werden musste. Der Grund? "Zu wenig Teilnehmer." Im Oktober 2011 war jedoch der Bürgermeister aus der amerikanischen Partnerstadt hier in Reutlingen, der danach die Ankündigung in seiner Heimat wahr machte und ein Partnerschaftskomitee gründete.
"Die Partnerschaft mit Ellesmere Port in Großbritannien zeigt sich gefestigt, die weiteren Planungen sind viel versprechend", sagte Fausel im Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss. Im Juli vergangenen Jahres war die britische Bürgermeisterin hier und hatte Gespräche über den Fortgang der Partnerschaft geführt. Gleiches tat auch eine französische Delegation aus Roanne, die im Januar an der Achalm war. "Es gab da interessante Impulse", so Margit Fausel. Sechs Schüler wurden für dieses Jahr zu einer internationalen Roanner Friedenswoche eingeladen. In der Kooperation mit Aarau in der Schweiz waren im vergangenen Jahr zahlreiche Personen mit dem 25-Jahre-Jubiläum dieser Städtepartnerschaft beschäftigt.
Zu Szolnok in Ungarn sagte die Abteilungsleiterin: "Der Künstleraustausch wird fortgeführt, ein Reutlinger geht dieses Jahr nach Ungarn, wird dort wohnen und arbeiten." Besondere Schwierigkeiten beschäftigt immer wieder die Partnerschaft mit Bouaké an der Elfenbeinküste: Bürgerkriegsähnliche Zustände hätten sich dort mittlerweile aber beruhigt, "die Lage hat sich stabilisiert. Eine Delegationsreise mit sechs Personen ist für den 12. bis 20. Mai geplant", betonte die Abteilungsleiterin. Besonderer Höhepunkt in dieser interkontinentalen Kooperation ist die Reise des Reutlinger Theaters Patati-Patata in den Herbstferien nach Bouaké: Fünf Schüler werden mitreisen und in der afrikanischen Stadt mit Gleichaltrigen Theateraufführungen gestalten.
Damit wird das Projekt "Gewaltige Spiele 2011" fortgeführt, als Schüler aus Bouaké mit einem Lehrer in Reutlingen waren. Besonderes Lob für das Engagement verteilte Sabine Gross (Grüne) im Gemeinderatsausschuss für dieses Engagement der Stadt und des Reutlinger Theaters. Ein großes Lob erfuhr aber auch Suse Gnant (SPD) von Bürgermeister Robert Hahn: Durch ihre Initiative wurden mittlerweile mehr als 100 000 Euro gesammelt, um Kinder in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe mit warmem Essen und warmer Kleidung zu versorgen.
Wesentlicher Bestandteil der Städtepartnerschaften ist immer auch der Schüleraustausch, wie Kulturamtsleiter Dr. Werner Ströbele hervorhob. Im vergangenen Jahr waren insgesamt 304 Schülerinnen und Schüler aus den Partnerstädten in Reutlingen, während 369 von der Achalm in die Fremde hinausgingen. "Schüleraustausch ist Bildungsarbeit", betonte Ströbele. Die Jugendlichen könnten nicht nur ihre Sprachkompetenzen im Austausch anwenden, sondern auch ihre interkulturellen Kompetenzen fördern. Im Rahmen der fortschreitenden Globalisierung sei das für die weitere berufliche Qualifikation von jungen Menschen von einiger Bedeutung.
Die meisten Schüler (240) waren im vergangenen Jahr am Austausch mit Aarau beteiligt, 211 Jugendliche kamen aus oder gingen nach Roanne. Die Partnerschaft mit Szolnok zeigte sich in gegenseitigen Besuchen von 122 Schülern, 61 Schüler reisten 2011 über den großen Teich von oder nach Reading. 34 Jugendliche kamen aus oder gingen nach Ellesmere Port und fünf Schülerinnen und Schüler waren im vergangenen Jahr aus Bouaké in Reutlingen.
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Autor: NORBERT LEISTER | 22.02.2012
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