Aushängeschild als finale Spende
Mittelstadt. Der Schubmaststapler FM-X 14 war bis vor kurzem das Aushängeschild von Still Wagner in Mittelstadt. Die Produktion ist nun ausgelaufen. Anlass für das Unternehmen, das letzte hier gefertigte Gerät zu spenden.
Die vergangenen Monate waren vor allem durch eines geprägt: durch den Arbeitskampf. Niemand aus der Belegschaft wollte die Verlagerung des erfolgreichen Schubmaststaplers FM-X 14 aus dem Werk in Mittelstadt nach Hamburg zulassen. Auf die Straße waren die Mitarbeiter deshalb gegangen, und Politiker fast aller Couleur hatten ihre Unterstützung im Kampf um den Standort zugesagt.
Die letzte Schlacht wurde aber im letzten Jahr geschlagen - und das Ziel, den Erhalt der Schubmaststapler-Produktion, wurde nicht erreicht. Dennoch soll der Standort bleiben und innerhalb des Kion-Konzerns zum Kompetenzzentrum umgebaut werden, in das laut Ernst Hegele von der Still-Wagner-Geschäftsführung zehn Millionen Euro investiert werden.
"2009 war kein Jahr zum Feiern", erklärte Hegele gestern während der Übergabe des letzten in Mittelstadt gefertigten Schubmaststaplers an die Bruderhaus-Diakonie. Wobei es einerseits schmerzliche Veränderungen seien, andererseits der Aufbruch in eine neue Zukunft. Zwischenzeitlich seien aber tragbare Vereinbarungen geschlossen worden, weshalb der Umbau zum Kompetenzzentrum in den Sommerferien beginnen soll. "Wir hätten uns gewünscht, dass er hier geblieben wäre", bedauerte hingegen der Still-Wagner-Betriebsratsvorsitzender Harald Mischke. Sei es doch nicht nur ein gutes Produkt. Die Mittelstädter Kollegen hätten auch die wirtschaftliche Produktion verwirklicht. "Letztlich hat sich aber das Kapital durchgesetzt." Weshalb nun 72 Kollegen unter Beibehaltung der Bezüge "freigestellt" seien, weil sie schlicht keine Arbeit mehr haben.
Nach vorne schauen lautete deshalb Mischkes Appell. Und auch der Vorstandsvorsitzende der Bruderhaus-Diakonie, Lothar Bauer, der zusammen mit Werkstattleiter Klaus Fischer den letzten Mittelstädter Schubmaststapler im Wert von mehr als 50 000 Euro als Spende entgegennahm, erklärte: "Es ist bewegend für mich, hier zu sein." Künftig komme das Arbeitsgerät in den Lagern der Bruderhaus-Werkstätten zum Einsatz.
"Zur Wehmut gesellt sich Hoffnung und Zuversicht", sagte gestern der städtische Leiter des Amts für Wirtschaft und Immobilien, Dr. Christoph-Michael Pfefferle. Die Zukunftssicherung sei der Maßstab, so schmerzlich der Verlust auch sei. Tröstlich sei jedoch die weitere Entwicklung des Standorts. Jetzt hofft Pfefferle allerdings, dass die gute Tat der Spende auf das Unternehmen und die Mitarbeiter zurückfalle.
Info
Mit überwältigender Mehrheit ist Harald Mischke am Dienstag erneut zum Betriebsratsvorsitzenden der Still Wagner GmbH gewählt worden. Bei einer Wahlbeteiligung von 81,4 Prozent konnte Harald Mischke 307 der insgesamt 361 abgegebenen gültigen Stimmen auf sich vereinen.
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Autor: JAN ZAWADIL | 13.03.2010
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Schlüsselübergabe (von links): Ernst Hegele von der Geschäftsleitung von Still Wagner, Werkstattleiter der Bruderhaus-Diakonie, Klaus Fischer, sowie Vorstandsvorsitzender der Bruderhaus-Diakonie, Pfarrer Lothar Bauer. Foto: Jan Zawadil
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