Aufbruch mit Gegensätzen
Degerschlacht. Dicht an dicht drängten sich dieser Tage die Gäste in der Galerie Thron. Mit der Ausstellung "Aufbruch" und Arbeiten von sieben Künstlern bietet sie bis Ende März einen spannenden Vielklang in Sachen Kunst.
Mit ihrem Projekt "Neuland" - einer eigens konzipierten Reihe von Ausstellungen - möchte die Galerie Thron neue Maßstäbe setzen. Den Auftakt dazu, betitelt mit "Aufbruch", inszeniert sie mit einer Mischung aus Malereien, Zeichnungen, Installationen, Linoldrucke und einem Video.
"Die Galerie und ihre Gast-Kuratoren offerieren den Aufbruch als Risiko, eine Neuland-Eroberung mit Wagemut", sagte Christoph Tannert, Geschäftsführer und Projektleiter des Berliner Künstlerhauses Bethanien, zur Eröffnung. So gebe es Poetisches, gleichzeitig Beunruhigendes, wenn nicht sogar Verstörendes zu sehen.
"Dinge, die auf der Traumoberfläche liegen oder im aufgerissenen Seelenunterfutter. Das eine wirkt wie hingetupft, manches schwebt im Ungefähren, das andere legt es auf Zuspitzung an. Einheit und Chaos, Innen- und Außenperspektiven, Abstraktes und Gegenständliches stoßen aufeinander." Die Werke stehen sich dabei in nichts nach, hier wird nicht konkurriert, wie die Macher betonen. Der Dialog der Arbeiten untereinander stehe im Vordergrund.
So beginnt das künstlerische Erleben bei einem Rundgang mit den zum Teil direkt auf der Wand der Galerie aufgebrachten großformatigen Netzstruktur-Zeichnungen von Mareike Lee. Sie arbeitet mit Tusche, Buntstiften oder Silbertinte auf verschiedenen Untergründen. So wirken sie mal wie ein "ultraleichtes Zauberhemd", das jeden Moment durch einen Windhauch in Bewegung kommt, manchmal auch wie Drahtgeflecht, silbern und starr.
Daneben drehen die Lichtinstallationen von Joachim Fleischer gelassen ihre Kreise. Immer wieder verändern sie durch ihre Bewegung ihre Ansichten, ein wahrlich ästhetisches Schauspiel - und doch einfach, minimalistisch. Alexander Johannes Kraut ist gleich mit mehreren Linoldruckunikaten vertreten. Seine Gärten wecken Erinnerungen an bereits Bekanntes, Gefühltes und doch findet sich Neues. "Kraut selbst hat den Entstehungsprozess seiner Bilder als Gedankenfotografie bezeichnet", erläutert Tannert.
Ulrich Seibt konstruiert, "baut auf, schichtet, stapelt, verschraubt, vermengt und überlagert Materialien". So entstehen Modelle irrwitziger Formen aus einem Gemisch von Holz, Keramik, Alu, Lack, Eisen, PVC und Polyester. Zu guter Letzt verbindet er sie zu einem Ganzen mit weißem Lack.
Volker Blumkowski arbeitet in seinen Ölbildern mit scheinbar unbedeutenden Alltagsereignissen, die er wiederum in absurde, irrationale Handlungen verstrickt - diese sind aber meist erst auf den zweiten Blick erkennbar.
Isabell Kamp wiederum schafft spannende Malereien, in die sie collageartig Stoffstücke einarbeitet. Nicht nur die Oberflächenstrukturen verleiten zum Staunen, auch die Motive - Menschen in merkwürdigen Szenerien vollführen unerklärliche Handlungen.
"Gulliver Dreaming" heißt das Video von Signe Theill, "in dem wir Zeugen einer skurrilen Begegnung zwischen einer jungen Frau, kommunizierenden Automaten, geheimnisvollen Stimmen und einem Tango mit zwei Telefonen im Dunkel eines Schließfachs werden", sagt Tannert. Die freie Tanzimprovisation zur Komposition des Musikers Frieder Butzmann hält gefangen, als Betrachter wartet man gespannt auf den nächsten Akt.
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Autor: MARIE-LOUISE ABELE | 07.02.2012
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Christoph Tannert vor einer Arbeit von Isabell Kamp. Foto: Marie-Louise Abele
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