Auf zur Murmeltiermafia

Reutlingen.  Gleich drei Premieren zeigt die Tonne diese Woche. Eine davon startet am Freitag, 12. März, in der Spitalhofspielstätte: Eine imperialistische Reise-Serie mit König und Mutter Ubu nach Motiven von Alfred Jarry.

In eine völlig absurde Welt beamen sich der völlig irre König Ubu und seine nicht minder durchgeknallte Frau "Mutter Ubu": Die beiden haben schon beim Sommertheater im Spitalhof ihr Unwesen getrieben und werden jetzt von ihren Darstellern zu den Hauptpersonen einer Art Traum-Reise-Improvisations-Serie ausgebaut: "Erobern leicht gemacht" heißt die Feldzugs-Reihe von und mit Hagen von der Lieth und Chrysi Taoussanis, die sich als König Ubu und Mutter Ubu aus reiner Imperialistenfreude, mit gefährlichem Reiseführer-Halbwissen und politisch völlig unkorrekt diverse Länder unter den Nagel reißen.

In ihrer sympathisch naiven Art nutzen sie alles, was sich ihnen in den Weg stellt, rigoros zu ihrem Vorteil, gebärden sich dabei völlig tabu- und niveaulos, verleiben sich fremde Kulturen und Weisheiten hemmungslos ein, treiben ihre "imperialistische Selbsterkenntnis" auf die Spitze, um am Ende immer möglichst grandios zu scheitern.

Dabei stecken sich die beiden Schauspieler einen relativ festen Handlungsrahmen ab, innerhalb dessen sie sich fröhlich nach Mongolistan oder Griechenland improvisieren, und zwar auf recht traumwandlerische Art und Weise: Denn König Ubu und seine Frau träumen sich nur in diese fernen Lande - ein dramaturgischer Kniff, um das Ganze noch spaciger gestalten zu können, schließlich kann man im Traum ganz andere Transportmittel benutzen: Und so fliegen die beiden nicht nur, sondern begeben sich auch auf die ein oder andere Zeitreise, zum Beispiel geht es im Mai in den "Wilden Osten" - sprich: in die historische DDR.

Hagen von der Lieth und Chrysi Tauossanis haben ihre Figuren vom diesjährigen König-Ubu-Sommertheater einfach nur weiterentwickelt und mehr oder weniger logisch fortgesetzt (Logik spielt in dieser Serie allgemein keine so bedeutende Rolle): der korrupte, naive und fröhlich sich selbst überschätzende König Ubu lässt sich leicht für neue Eroberungen begeistern und hat trotz aller negativer Erfahrungen große Lust, alles zu regieren und zu besitzen, auch wenn er keine Ahnung von den entsprechenden Ländern hat.

Mutter Ubu wiederum ist die treibende Kraft hinter allem. Und sind die beiden machtgierigen Chaoten erst einmal angekommen, ergreifen sie "mit reduzierten Mitteln" - das heißt, verschiedenartig missbrauchte Requisiten und begleitet von ihrem "Pfynanzpferd", rigoros die Macht, um sich ohne Rücksicht auf Verluste die fremde Kultur und Weisheiten sofort zu eigen machen.

In der erste Folge geht es nach Mongolistan, ins Land von Dschingis Khan, dessen geheimnisvolles Grab unglaubliche Schätze enthalten soll. Man hat es leider nie gefunden, aber Mutter Ubu schafft es, diese Schätze "mit vollem Köprereinsatz in ihren Besitz zu bringen", währenddessen sich die Kommunikation mit den Ureinwohnern als eher schwierig erweist. Egal, es wird erobert, "ob die Mongolen wollen oder nicht", und bizarre Begegnungen mit der fremden Kultur sind die Folge: Obertonsingen, Schamanen, Wildpferde, Ringkämpfe, Murmeltiermafia: alle Klischees dürfen auf dieser absurden Reise mittanzen: "Spektakuläre, keinesfalls objektive Reiseberichte und extreme Ansichten über landestypische Weisheiten richten den satirisch-kritischen Blick auf ein jeweils ausgewähltes Land und den Umgang mit dem Anderen, dem man auf Reisen notgedrungen begegnet", heißt es von der Tonne.

Info

"Erobern leichtgemacht". Mongolistan: Freitag, 12. März; Griechenland: Freitag, 9. April; Wilder Osten: Freitag, 28. Mai . Jeweils 21 (!) Uhr im Spitalhofkeller. Pro Land nur eine Vorstellung!


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Autor: KATHRIN KIPP | 12.03.2010

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