Angebot ausbauen

Reutlingen.  Ein neuer Vorstand will die unabhängige Beratung für Erwerbslose in Stadt und Kreis weiterentwickeln. Mit vergrößerter Mannschaft, mehr Mitgliedern und Aktiven soll das Angebot ausgebaut werden.

Nach der erfolgreichen Stabilisierung des Vereins Arbeiterbildung (ArBi) wurde bei der Hauptversammlung dieser Tage ein neuer Vorstand gewählt, der sich zum Ziel gesetzt hat, auf der Basis des Erreichten aufzubauen und die Arbeit weiterzuentwickeln, heißt es in einer Mitteilung. Die Versammlung dankte den bisherigen Vorstandsmitgliedern für ihre Aufbauarbeit in schwierigen Zeiten. Speziell Rechtsanwalt Daniel Dohmel, der aus beruflichen Gründen den Vorstandsvorsitz aufgeben musste. Er wird die Arbeit des Vereins in einem neu zu gründenden Beirat weiter unterstützen.

Der neue Vorstand bietet auf Grund seiner praktischen Erfahrungen und seinem Wissen aus den Bereichen ALG II (Hartz IV) und SGB XII, aus der Aktivierung von sozial Benachteiligten sowie Bildung und Qualifizierung speziell auch mit Langzeiterwerbslosen und nicht zuletzt durch praktische Kenntnis beim Aufbau von Vereins- und Organisationsstrukturen, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Lösung der anstehenden Aufgaben.

Das vorläufige Resümee für 2010 und 2011 kann sich sehen lassen. So stieg die Anzahl der kostenlosen Beratungsgespräche mit Erwerbslosen bis Ende 2010 um 20 Prozent auf etwa 100 monatlich. 2011 ist nach den bisher vorliegenden Zahlen mit über 1200 Beratungen zu rechnen. An drei Vormittagen in der Woche stehen kostenlos Berater zur Verfügung um zum Beispiel beim Ausfüllen und Kontrollieren von Anträgen oder auch beim Formulieren von Widersprüchen zu helfen. Betroffene, die durch falsche oder grenzwertige Entscheidungen des Jobcenters von Obdachlosigkeit bedroht waren oder denen Rückforderungen drohten, konnten in mehren Einzelfällen unterstützt werden damit sie ihre Rechte erfolgreich durchsetzen konnten. Die Anzahl der Mitglieder hat sich von 2010 auf 2011 verdoppelt. Durch die Selbstaktivierungsgruppen konnten Interessierte auch in die Mitarbeit eingebunden werden, beispielsweise für die Begleitung von Ratsuchenden zu Terminen beim Jobcenter oder beim Sozialgericht. Durch die neue Stelle für die Geschäftsführung konnte die interne Arbeitsorganisation verbessert und die Ehrenamtlichen entlastet werden, um mehr Zeit für die inhaltlichen Aufgaben zu haben. Auch wurde es dadurch möglich, die Zusammenarbeit mit andern Organisationen vor Ort, mit LAGALO, dem Landesverband der Erwerbslosenzentren, und die Akzeptanz bei Institutionen und in der Politik zu intensivieren.

Nach 30 Jahren gemeinnütziger Arbeit steht der Verein jetzt vor neuen Herausforderungen: Wurde jetzt erfreulicherweise von den Regierungsparteien im Land die Notwendigkeit einer unabhängigen Erwerbslosenberatung anerkannt und die Förderung im Koalitionsvertrag festgeschrieben, so muss doch die Zeit bis zu der erwarteten Förderung durch das Landesprogramm in 2012 überbrückt werden.

Da die Landesregierung bis heute zum Umfang und zur Ausgestaltung der Förderung noch keine konkreten Aussagen machen könne, könnten auch Gespräche mit Stadt und Kreis, zum Beispiel wegen dringend benötigter neuer Räume, im Moment nicht aktiv und konkret weitergeführt werden, meinte Geschäftsführer Thomas Bangemann. Um diese und weitere Aufgaben anzugehen, trafen sich aktive Mitglieder, Mitarbeiter und der neue Vorstand des Vereins zu einem Workshop, um die Konzeption und die Aufgaben für 2011 und 2012 für die unabhängige Erwerbslosen- und Sozialberatung zu besprechen.

Die neue Vorstandsvorsitzende Jessica Tatti konnte im Ergebnis festhalten: Die Beratung werde dieses Jahr mit dem bewährten Experten Peter Langos weitergeführt. Ergänzt werde er durch Mitarbeiter, die 2011 im Verein in der praktischen Arbeit und bei überregionalen Schulungen bereits qualifiziert wurden. Der niederschwellige Zugang, die Qualität einer kostenlosen und unabhängigen Beratung, bildeten nach wie vor die Basis für das Vertrauen der Ratsuchenden. Das Modell einer Beratung auf mehreren Ebenen werde weiterverfolgt und ausgebaut.

Neben Ehrenamtlichen, die als Begleiter bei Behördenterminen und bei einfachen Fragen zur Verfügung stünden, werde auf kontinuierliche Qualifizierung der Berater Wert gelegt und ein Modell für die engere Zusammenarbeit mit ausgewiesenen Spezialisten und Rechtsanwälten für das Sozialrecht angestrebt. So wolle man sich breiter aufstellen und könne dann bei entsprechender finanzieller Unterstützung die Beratungsqualität auch im Jahr 2012 halten und mit der Zuteilung von Fördermitteln aus dem Landesprogramm den notwendigen Ausbau voranbringen.

Ursula Neef betonte in ihrer Funktion als Verantwortliche für die Finanzen im Vorstand: Durch die noch ausstehenden Aussagen des Sozialministeriums des Landes könne es allerdings notwendig werden, dass mit Mitteln von Stadt, Kreis, von privaten Förderern und Spendern bis dahin eine finanzielle Hängepartie überbrückt werden müsse.


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Autor: SWP | 08.11.2011

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