44-Jähriger bestreitet schwere Brandstiftung

Weil ein 44-Jähriger Feuer in einem Eninger Wohnhaus gelegt haben soll, muss er sich seit Montag vor dem Amtsgericht Reutlingen verantworten.

|

Dramatische Rettungsaktionen, ein Flammeninferno, in dem vier Menschen teils schwer verletzt wurden, ein Sachschaden von rund 100 000 Euro. So lautet die Bilanz der Nacht auf den 4. November 2014 in Eningen.

Damals geriet ein Haus im Ortskern in Brand, das von Mietern verschiedenster Nationalitäten bewohnt war. Unter ihnen auch ein 44-Jähriger, der sich seit Montag vor dem Amtsgericht Reutlingen verantworten muss.

Ihm wirft Staatsanwalt Burkhard Werner vor, im Treppenhaus des ersten Obergeschosses Benzin ausgeschüttet, es angezündet und zunächst durch eine Verpuffung, aber auch durch den anschließenden Brand die Verletzungen seiner Hausgenossen bis hin zu ihrem Tod in Kauf genommen zu haben.

Den Vorwurf der schweren Brandstiftung, den Werner in der Anklageschrift niederlegte, wies der 44-Jährige jedoch entschieden von sich: "Das was da geschrieben wurde, ist eine Lüge. Ich war's nicht."

Der Angeklagte ist von den Folgen des Brandes schwer gezeichnet. Rund 60 Prozent seiner Hautoberfläche weist Brandwunden auf. Auch nach insgesamt 68 Operationen sind sie in seinem Gesicht und an seinen Händen sichtbar. Sein Augenlicht hat er zu einem Gutteil eingebüßt. Fortbewegen kann er sich nur mit einem Stock und speziellen Schuhen.

Dies sind allesamt Folgen einer Nacht, in der er selbst von den lodernden Flammen überrascht worden sein will. Durch Rufe im Treppenhaus sei er damals wach geworden und habe einen seltsamen Geruch wahrgenommen. Als er seine Zimmertüre öffnete, seien Rauschwaden auf ihn zugekommen. Auf der Flucht ins Freie habe er die Treppe genommen und mit den Händen sein Gesicht schützen wollen. Aber: "Es war alles voller Feuer." Die übrigen Hausbewohner seilten sich währenddessen zum Teil mit Bettlaken aus den Fenstern ab. Nachbarn kamen ihnen mit Leitern zur Hilfe.

In den Verdacht, den Brand gelegt zu haben, kam der 44-Jährige, nachdem bei ihm in der Brandnacht ein Unterhemd gefunden wurde, das einerseits Spuren von Benzin, wie auch seine DNA-Merkmale aufwies.

Kurz nach dem Brand geriet allerdings kurzeitig auch der Hauseigentümer ins Visier der Ermittler. Nachdem seine Versicherungsverhältnisse duchleutet waren, habe sich der Verdacht jedoch nicht bestätigt.

Erneuert hatte ihn am Montag indes der 44-jährige Angeklagte selbst. Vor Richter Eberhard Hausch, bezeugte er die Aussage seines Vermieters: "Ich werde das Haus anzünden lassen. Und von der Versicherung bekomme ich 100 000 Euro."

Das Haus, so bestätigten es am Montag auch weitere Zeugen, sei in einem "desolaten" Zustand gewesen. Gemacht worden sei nurmehr das Allernötigste. Ein repariertes Dach gehörte offenbar nicht dazu.

Rund drei Wochen vor dem Hausbrand, so berichtete der Angeklagte weiter, habe er bei Nachbarn einen großen Benzinkanister stehen sehen. Ob und womit er gefüllt war, das könne er aber nicht sagen.

Der Prozess wird am 21. Dezember mit weiteren Zeugen fortgesetzt. Möglicherweise fällt ein Urteil erst im kommenden Jahr.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gewerbesteuer: Einnahmen sprudeln kräftig

Stadtkämmerer Frank Pilz stellt im Finanzausschuss den zweiten Finanzwischenbericht vor. weiter lesen