240 Akteurinnen unter einem Hut

Das Reutlinger Tanzwerk bringt zum Zehnjährigen das Märchen "Alice und das Wunderland" auf die Bühne. 240 Tänzerinnen zwischen vier und 40 Jahren lassen am Samstag in der Stadthalle die Körper sprechen.

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Vor dem großen Auftritt (von links): Modeschülerinnen Isabella Bühring und Melanie Krämer, Barbara Spannagel, der Rektor der Modeschule, Roland Kiesel, und vorne sitzend Tanzwerk-Leiterin Ivonne Wiedmann.  Foto: 

"Ich möchte nicht unter Verrückte kommen", wehrt sich Alice, die doch eigentlich mitten im Leben steht, gebettet in einer künstlich auferlegten Konditionierung von Erfolg, Schönheit und sozialem Status. "Oh, das kannst du wohl kaum verhindern", antwortet ihr daraufhin die Grinsekatze, "denn wir sind hier nämlich alle verrückt".

Als etwas "verrückt" könnte auch gelten, wer sich als private Tanzschule darauf einlässt, mit 240 Tänzerinnen eine moderne Fassung eines Märchens auf die Bühne zu bringen, die selbst erfahrene Organisatorinnen wie Ivonne Wiedmann an ihre Grenzen stoßen lässt. Aber zum zehnjährigen Bestehen ihrer Reutlinger Tanzschule wollte die Tanzwerk-Leiterin etwas ganz Besonderes bieten. Seit einem Jahr ist sie damit beschäftigt, die Musik auszuwählen sowie die Szenen für "Alice und das Wunderland" zu schreiben. Seit den Herbstferien bastelt sie mit ihrem Lehrerteam an den aufwendigen Choreographien. Schließlich ist es kein Pappenstiel, rund 240 Tanzschülerinnen unterschiedlichsten Alters unter einen Hut zu bringen.

Aber nicht nur die Szenen und Choreographien müssen einstudiert werden, auch die Kostüme für die vielen Tänzerinnen erfordern eine Unmenge Arbeit. Dazu hat sich Ivonne Wiedmann die Modeschule Metzingen ins Boot geholt: Insgesamt 40 Modedesign-Schülerinnen des ersten und zweiten Ausbildungsjahres waren das ganze Schuljahr damit beschäftigt, die Kostüme zu entwerfen und umzusetzen. Es sei wichtig, so Modedesign-Lehrerin Barbara Spannagel, "dass die Theaterkostüme auffallen, im Wandel der Zeit stehen und zum Charakter der dargestellten Person passen". Hierzu bedarf es viel Ideenreichtum und Geschick und "vor allem ist Durchhaltevermögen gefragt", sagt die Metzinger Modedesignerin.

Am Anfang stehe die Modellzeichnung, die erst die passenden Kostüme für die Rolle entstehen lasse. Dann müssten Schnitte erstellt, Stoffe und Zutaten geordert und für die Tänzer ausgemessen und angepasst werden. Allein für die verschiedenen "Alice"-Rollen galt es sechs unterschiedliche Kostüme zu entwerfen und insgesamt rund 80 Meter Rüschen zu verarbeiten. Die Design-Schülerinnen waren bei den Proben häufig dabei, was bei so vielen Beteiligten einen enormen Aufwand bedeutet: "Das steht zwar nicht in unserem Lehrplan", meint Barbara Spannagel, "aber für die Schülerinnen kann man sich keine bessere Praxis wünschen".

Auch finanziell ist das Projekt eine Gratwanderung für Ivonne Wiedmann. Sie hat zwar viele ehrenamtliche Helfer an der Hand, aber das Tanzwerk bekommt keine finanzielle Unterstützung von der Stadt und allein die hohe Miete für den Stadthallen-Saal macht ein Fünftel der Gesamtkosten aus.

Da sie das Projekt finanziell allein stemmen muss, ist sie auf rege Nachfrage beim Ticketverkauf angewiesen: "Die Schule zahlt mit Sicherheit drauf", schätzt Wiedmann, "aber gerade durch das Erarbeiten solcher großen Projekte hat sich das Tanzwerk zu einer einzigartigen familiären Institution entwickelt".

Es begann vor zehn Jahren mit einer etwas gewagten Idee: Suche Tanzbegeisterte, die auch selbst einmal auf der großen Bühne stehen wollen. Mit der aufwendigen Aufführung von "Alice und das Wunderland" können auch nicht Tanzbegeisterte ungefähr ermessen, was es bedeutet, 240 Akteurinnen zwischen vier und 40 Jahren unter einen Hut zu bringen.

Info Das Tanzwerk Reutlingen zeigt "Alice und das Wunderland" am Samstag, 12. Juli, 18.30 Uhr in der Stadthalle. Eine Ausstellung der Modeschule Metzingen zur Kollektionsentwicklung ist ab 18 Uhr im Foyer der Stadthalle zu sehen.

Karten gibt es im Vorverkauf unter Telefon: 311 300 beim Tanzwerk.

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