2014 soll wieder besser werden

Die Reiff-Gruppe hat ein sehr "schwieriges Jahr" hinter sich: 2013 sank der Umsatz auf 509 Mio. Euro, das Ergebnis stürzte tief in die roten Zahlen. Doch die Chancen, dass es 2014 wieder besser wird, stehen gut.

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Geschäftsführer Eberhard Reiff: Reifen-Überproduktion, eine geringe Nachfrage und Restrukturierungen führten dazu, dass die Reiff-Gruppe im vergangenen Jahr in die roten Zahlen rutschte. Foto: Ralph Bausinger

Zwei große Trends haben, wie Geschäftsführer Eberhard Reiff gestern bei der Bilanzpressekonferenz erläuterte, den europäischen Reifenmarkt in den vergangenen Jahren geprägt: eine schwache Nachfrage und eine hohe Produktionskapazität. So wurden zwischen 2011 und 2013 rund 35 Mio. Pkw-Reifen weniger nachgefragt. Zudem sorgte das Wetter zu einer mäßigen Nachfrage: Im Frühjahr 2013 war es bis in den späten April hinein kalt, was zu einem rückläufigen Geschäft mit Sommerreifen führte. Und auch der Handel mit Winterreifen entwickelte sich mangels Schnee eher schlecht. Folge dieser Entwicklungen waren übervolle Lager, was zu einem entsprechenden Margenverfall und damit zu sinkenden Ertragszahlen führte.

Wenn der mit Abstand größte Geschäftsbereich schwächelt, wirkt sich dies auf die Bilanz der gesamten Gruppe aus. Der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahr um 3,6 Prozent auf 509 Mio. (Vorjahr: 525 Mio.) Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag mit 4,7 Mio. Euro unter dem Vorjahr (13,5 Mio. Euro). Einmaleffekte von 4,9 Mio. Euro und der Margenverfall im Reifengeschäft ergaben ein Ergebnis nach Steuern von -8,7 Mio. Euro (Vorjahr 0,6 Mio. Euro) - der höchste Verlust in der Unternehmensgeschichte.

Gingen die Roherträge im Reifenhandel trotz des auf Standardisierung setzenden Best-Practice-Ansatz weiter zurück, konnte Reiff bei Dienstleistungen und vor allem beim Autoservice ein Wachstum erzielen. Das im Juli eröffnete A/B/S- Center in Stuttgart-Möhringen ist eine der modernsten freien Werkstätten Deutschlands mit 28 Hebebühnen, auf der alle Kfz-Marken gewartet und repariert werden.

Bei Nutzfahrzeug-Reifen blieb die Entwicklung, wie Eberhard Reiff sagte, hinter den Erwartungen zurück. Auch beim E-Commerce erfüllten sich die Erwartungen nicht vollständig, allerdings hätten sich hier im zweiten Halbjahr erfreuliche Tendenzen gezeigt. Auch der Großhandel blickt auf ein "extrem schwieriges Jahr" zurück. Überbestände bei Sommer- und Winterreifen und entsprechende Panikverkäufe von Händlern, die Liquidität benötigten, hätten die Märkte in ganz Europa bestimmt. Die Margen seien in einer Weise kollabiert, wie dies nicht erwartet wurde. Die Aussichten für 2014 bewertet Eberhard Reiff wesentlich optimistischer. Weltweit werde sich das Wachstum beleben. Selbst die europäischen Krisenländer könnten leicht zulegen. Auch für Deutschland rechnet er mit höheren Wachstumsraten.

Im Gegensatz zu Reifen und Autotechnik konnte der Geschäftsbereich Technischer Handel seinen Umsatz leicht um 0,6 Mio. auf 134,5 Mio. Euro steigern, blieb aber damit, wie Geschäftsführer Hubert Reiff sagte, hinter den Planungen zurück. 2013 standen zwei große Investitionsprojekte im Zentrum: Im erweiterten Hochregallager wurden vergangenes Jahr 1740 Palettenplätze in Betrieb genommen. Das fast 20 Meter hohe und mit über 22 000 Einlagerungsplätzen eingerichtete automatische Kleinteilelager wird ab Mitte des Jahres in Testbetrieb und dann ab Ende 2014 in Vollbetrieb gehen. Mit dem Erwerb der Delta.tec, eines metallverarbeitenden Unternehmens, konnte Reiff sein Dienstleistungsspektrum ausbauen.

Dort werden einerseits im Linearcenter Führungsschienen für Linearantriebe konfektioniert, andererseits können dort mechanische Bauteile und Baugruppen jeglicher Art hergestellt werden.

Die Reiff Elastomertechnik R.E.T. beendete das vergangene Jahr mit großen Restrukturierungsanstrengungen - inklusive Personalabbau - und stagnierendem Umsatz. 2013 sei für R.E.T. ein "Jahr der Extreme" gewesen. War das erste Halbjahr von Unterauslastung geprägt, stiegen im zweiten Halbjahr die Umsätze an. Dennoch belasteten hohe Kosten das Jahresergebnis. Neue Serienaufträge sollen ab 2014 für eine zusätzliche Produktionsauslastung sorgen, Hubert Reiff setzt zudem auf die Zukunftsmärkte E-Bike-Antriebe und Fahrerassistenzsysteme.

Der Ausblick auf 2014 stimmt Eberhard Reiff zuversichtlich: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen 2014 seien freundlicher als in der Vergangenheit.

Das erste Quartal 2014 verlaufe nach Plan. Insgesamt rechnet Reiff mit steigenden Umsätzen in allen Sparten und besseren Roherträgen. Ziel sei, 2014 wieder in die schwarzen Zahlen zurückzukehren. Dabei setzt das Management nicht nur auf eine besser laufende Konjunktur und ein freundlicheres Investitionsklima: So habe die Gruppe im vergangenen Jahr viele Weichen gestellt, um Prozesse zu vereinfachen und die Bedienerfreundlichkeit der Reifenshops zu erhöhen. 2013 war, wie Finanzvorstand Dr. Immanuel Kohn sagte, "ein Jahr, in dem wir in die Hände gespuckt und die Ärmel hochgekrempelt haben".

Reiff-Gruppe in Zahlen
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