19 Prozent mehr Teilzeit-Jobs

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Teilzeitkräfte im Landkreis Reutlingen haben es schwer, wieder in den vollen Job zurückzukommen.  Foto: 

Immer mehr Halbtagsjobs: Rund 29 400 Beschäftigte im Landkreis Reutlingen haben derzeit eine Teilzeit-Stelle. Das sind 19 Prozent mehr als noch vor vier Jahren, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt.

Die NGG beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Zum Vergleich: Im selben Zeitraum stieg die Zahl aller sozialversicherungspflichtigen Jobs im Kreis um zehn Prozent. Vor dem Hintergrund der Debatte um prekäre Arbeit fordert die Gewerkschaft ein verbrieftes Rückkehrrecht auf Vollzeit.

„Die Zunahme der Teilzeit ist beunruhigend“, sagt Karin Brugger von der NGG Ulm-Aalen-Göppingen. 20- oder 30-Stunden-Jobs würden immer mehr zur Regel - und häufig zur Falle. „Gerade Frauen bleibt etwa nach einer Familien-Pause der Wunsch, in Vollzeit zurückzukehren, oft verwehrt“, so die Gewerkschafterin. Dies erschwere nicht nur die Karriere, sondern sorge auch für niedrige Renten. Dieses Problem nehme immer größere Ausmaße an. So arbeiten laut BA aktuell 47 Prozent aller berufstätigen Frauen im Kreis Reutlingen in Teilzeit.

„Viele von ihnen wollen mehr arbeiten, worin auch ein riesiges Potential für den heimischen Arbeitsmarkt liegt“, betont Karin Brugger. Diese Chance dürfe man in Zeiten des Fachkräftemangels nicht einfach verschenken. Doch auch Männer, die für mehr Zeit mit der Familie die Arbeitszeit reduzieren und später wieder erhöhen wollten, bekämen dazu oft keine Chance. Auch ihnen bringe ein Rückkehrrecht auf Vollzeit spürbare Entlastung.

Entsprechende Gesetzespläne des Bundesarbeitsministeriums waren im Koalitionsausschuss zuletzt am Widerstand der Union gescheitert, obwohl das Vorhaben im Koalitionsvertrag vereinbart worden war. Die NGG fordert die Regierungsparteien nun auf, mit ihrem Versprechen ernst zu machen und das Gesetz schnell zu verabschieden. Tausende Berufstätige in der Region würden davon profitieren, so die NGG Ulm-Aalen-Göppingen. Der Rückkehranspruch solle dabei für alle Betriebe gelten und nicht nur für Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern, wie von der CDU gefordert.

„Teilzeit-Beschäftigte stehen nicht nur mit geringerem Einkommen und schlechterer Absicherung bei Rente und Arbeitslosigkeit da“, so Karin Brugger weiter. „Sie haben auch bei der Karriere das Nachsehen.“ Dabei sollten gerade jungen Müttern und Vätern nach einer Auszeit dieselben Möglichkeiten offenstehen wie allen anderen Beschäftigten. Gleiches gelte für Menschen, die sich beruflich weiterbilden oder ehrenamtlich engagieren.

„Wer später in Vollzeit zurück will, muss darauf einen festen Anspruch haben.“ Die Wahl der Arbeitszeit solle eine individuelle Entscheidung sein. Mit Blick auf die Digitalisierung der Arbeitswelt sei dies wichtiger denn je. Karin Brugger: „Die Arbeitgeber sprechen gern von Flexibilität und meinen damit Mehrbelastung für die Beschäftigten. Aus Sicht der Arbeitnehmer heißt Flexibilität aber auch, je nach dem Lebensabschnitt entscheiden zu können, mehr oder weniger zu arbeiten.“

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