12 Tenors: Perfekte Show in der Stadthalle

Zwar keine A-cappella-Sternstunde, aber dafür eine unterhaltsame Show bot das Konzert der 12 Tenors vor 850 Besuchern in der Stadthalle.

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Johannes Beetz und seine elf Tenor-Kollegen boten eine unterhaltsame Show in der Stadthalle. Foto: Jürgen Spieß

Vor ihnen ist kein Musikgenre sicher: Ob ernsthafte klassische Arien ("Nessun Dorma" von Puccini) oder Pop-Klassiker ("Good Vibrations" von den Beach Boys), ob neapolitanisches Volkslied ("O sole mio") oder verulkter Comedian-Harmonists-Verschnitt ("Veronika"). Die zwölf Tenöre, die aus acht unterschiedlichen Nationen stammen, haben gute Stimmen, sind witzige Faxenmacher und machen sich eindeutig besser auf einer Show- als auf einer Opernbühne. Mit einem unterhaltsamen Auftritt eroberten sie die Herzen ihrer Fans auch in Reutlingen.

Dabei sind es vor allem die klassischen Nummern wie "Volare" von Domenico Modugno oder "Libiamo" aus Giuseppe Verdis Oper La Traviata, die zeigen, wie souverän die Sänger ihr Metier beherrschen. Hier geschieht dann, was bei A-cappella-Konzerten selten vorkommt: Die Songs gehen über das übliche Nachsingen hinaus und überraschen durch ihren eigenwilligen Gruppenklang. Zwar kramen die Vokalkünstler auch hier allseits bekannte Ohrwürmer aus den Schubladen, sie bekommen durch die Interpretationen des Stimmband-Orchesters aber eine neue Qualität. Dazu kommt, dass die humorvollen Sänger, vor allem die beiden Deutschen Johannes Beetz und Alexander Herzog, immer wieder unmittelbaren Kontakt zu den Zuhörern suchen, wodurch sie eine bemerkenswerte Nähe erreichen.

Mit einer dreiköpfigen Band im Rücken widmen sich die 12 Tenors vor allem bekannten Pop-Klassikern von Tom Jones ("Delilah"), Michael Jackson ("Thriller"), Queen ("Bohemian Rhapsody", "We will rock you"), John Miles ("Music") und einem ausgedehnten James-Bond-Medley ("Golden Eye", Skyfall", "From Russia with love"). Mal erinnert die zwölfköpfige Boygroup an die Comedian Harmonists, mal an Take 6 oder an die schwebende Leichtigkeit der Kings Singers. Doch sie kopieren sie nicht, sondern versuchen, durch das Einstreuen klassischer Elemente ihr eigenes Ding zu machen. Dazu würzen sie ihr Programm mit angenehm unprätentiösen Choreografien und einem witzigen Sängerstreit zwischen dem Deutschen Alexander Herzog und dem Waliser Karl Davies. Zum Schmachtfetzen "O sole Mio" heißt es dann: Wer kann länger und schöner singen?

Ein spritzig aufbereitetes Potpourri durch die Geschichte der Popmusik aus den letzten 40 Jahren. Mal kommen sie dem originalen Sound dieser Klassiker recht nahe, mal reduzieren sie die Hits vergangener Tage auf einige wenige Linien und arrangieren sie nach eigenem Gusto um. Mit selbstironischem Auftreten balanciert die Gruppe zwischen Hingabe und Showbusiness, ohne sich auf das gefährliche Glatteis der Lächerlichkeit zu begeben. Manchmal ist zwar ein wenig zu viel Show dabei, aber immer wieder gelingt es den Sängern, die Musik auf ihren eigentlichen Kern zurückzuführen. Am besten kommen die Stücke an, in denen die zwölf Charmebolzen Kostproben ihres parodistischen Talentes einfließen lassen.

Knapp zwei Stunden dauert das Programm - eigentlich lange genug. Das Publikum hätte dennoch problemlos mehr als drei Zugaben vertragen.

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