Verkauf von betäubungshaltigen Kräutermischungen

Die Polizei in Reutlingen hat einen schwunghaften Handel mit betäubungsmittelhaltigen Kräutermischungen aufgedeckt, teilen die Staatsanwaltschaft Tübingen und das Polizeipräsidium Reutlingen mit.

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Die Polizei in Reutlingen hat einen schwunghaften Handel mit betäubungsmittelhaltigen Kräutermischungen aufgedeckt, teilen die Staatsanwaltschaft Tübingen und das Polizeipräsidium Reutlingen mit.

Reutlingen. Wegen des Verdachts des unerlaubten, gewerbsmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln ermitteln die Staatsanwaltschaft Tübingen und eine Rauschgiftermittlungsgruppe der Kriminalpolizei gegen einen 30-Jährigen aus Reutlingen. Dieser soll nach derzeitigem Ermittlungsstand seit mehreren Monaten einen Online-Handel mit selbst hergestellten, mutmaßlich betäubungsmittelhaltigen Kräutermischungen und Badesalzen betrieben haben. Auf die Spur des 30-Jährigen kam die Kriminalpolizei, nachdem in den vergangenen Monaten im Stadtgebiet Reutlingen immer wieder vor allem Jugendliche und Heranwachsende nach dem Konsum von Kräutermischungen kollabiert, in ein Krankenhaus eingeliefert und dort teils intensivmedizinisch behandelt worden waren. Die weiteren Ermittlungen führten die Rauschgiftermittlungsgruppe zu dem Reutlinger Internet-Händler, der eine Vielzahl von so genannten psychoaktiven Substanzen über das Internet in China bestellte, diese offenbar nach eigenem Gutdünken unter teils unhygienischen Bedingungen zu Badesalzen oder Kräutermischungen zusammenmischte und sowohl online als auch mithilfe verschiedener Zwischen- und Straßenhändler gewinnbringend verkaufte. Auf richterlichen Beschluss durchsuchte die Kriminalpolizei am Mittwoch die Wohnungen des Beschuldigten und seiner Lebensgefährtin in Reutlingen und nahm den 30-Jährigen vorläufig fest. Dabei wurde umfangreiches Beweismaterial aufgefunden und beschlagnahmt, darunter mehr als 1,3 Kilogramm Kräutermaterial, etliche verkaufsfertig portionierte Kräutermischungen, mehrere hundert Gramm einer unbekannten, pulverförmigen Substanz, mehr als fünf Gramm Kokain und eine geringe Menge Marihuana. Die Menge des aufgefundenen Verpackungsmaterials lässt auf einen groß angelegten Handel mit Kräutermischungen schließen, die aufgrund ihrer Zusammensetzung und der beim Konsum entfaltenden Wirkung mutmaßlich unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, teilte die Polizei weiter mit. Die Untersuchung der aufgefundenen Substanzen hinsichtlich ihrer genauen Inhaltsstoffe dauert noch an.

Der bereits unter anderem wegen Drogendelikten polizeilich bekannte 30-Jährige ist weitgehend geständig. Er wurde nach seiner Vernehmung und erkennungsdienstlichen Behandlung vorläufig auf freien Fuß gesetzt.

So genannte „Legal Highs“ werden als Kräutermischungen, Lufterfrischer oder Badesalze in Form von Kräutern, Pulvern, Tabletten oder Kapseln hauptsächlich über den Versandhandel im Internet angeboten. Die Polizei warnt eindringlich vor dem Konsum derartiger Substanzen. Ihre Aufmachung und Vermarktung soll bewusst einen harmlosen Eindruck erwecken und gerade Jugendliche ansprechen.

Tatsächlich birgt der Konsum jedoch verschiedene Risiken. Bei kriminaltechnischen Untersuchungen werden regelmäßig als Wirkstoffe illegale Betäubungsmittel oder ähnlich wirkende Stoffe festgestellt, wobei die Konsumenten nie wissen, welchen Wirkstoff sie in welcher Konzentration aufnehmen und was das für gesundheitliche Folgen hat, warnte die Polizei. Konsumenten müssen nach der Einnahme oder dem Rauchen häufig in Kliniken intensivmedizinisch behandelt werden. Sie klagen über Übelkeit, Schwindel, Zitteranfälle, Kreislaufversagen, Ohnmacht und psychische Probleme wie Orientierungslosigkeit, Wahnvorstellungen und Psychosen. Bundesweit gab es bereits mehrere Fälle von lebensgefährlichen Intoxikationen, die teilweise Nieren- und Kreislaufversagen oder Muskelzerfall nach sich zogen. Der Konsum der genannten Substanzen ist daher nicht „cool“, sondern einfach nur gefährlich.

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