Schwarzweiße Narren
Bad Urach. Es wimmelte von Sträflingen im Delp-Haus, der afrikanische Pfarrer hatte keine weiße Weste, alle sahen weiße Mäuse auf schwarzen Tischen beim Fasching mit dem Motto "Party tonight in Black and White".
Der afrikanische Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Josef Bad Urach ließ am Samstag viele "Sträflinge" nach seiner Anleitung einen madagassischen "Anti-Korruptionstanz" tanzen.
Den hatte er zunächst mit der Gruppe "Al Achat - Frauen tanzen" eingeübt und zusammen mit einem Willkommenstanz vorgeführt, der in seiner Heimat zu jedem großen Fest gehört. Dann durften alle mittanzen und sich nach dem richten, was der Pfarrer zeigte.
Dabei waren die meisten Teilnehmer Sträflinge, aber nicht, weil sie gesündigt haben, sondern weil das Motto beim schwarz-weißen Narrenspaß lautete: "Party tonight in Black and White".
Zwar hätte es eine einfache Kombination schwarze Hose, weißes T-Shirt auch getan, aber die Narren setzten das Motto ideenreich um mit dem gestreiften Anzug in verschiedenen Variationen, sogar als Kleid und mit Schlappen. Da tanzte der alte Knacki mit lebenslänglich oder unschuldig und mittendrin der Pfarrer mit Zylinder, der sich ein halb weißes, halb schwarzes Oberhemd mit konträr passender Hose hatte nähen lassen und sozusagen großkariert im Kirchenknast erkennbar war. In der sehr kreativen und liebevoll gestalteten schwarz-weißen Dekoration und bei schwarz-weißem Reis auf der Speisekarte fühlte sich ein Kapitän genauso wohl wie ein "Mafiosi" oder Zirkusdirektor und der afrikanische Pfarrvikar, dessen Hautfarbe einen harmonischen Kontrast zu seinem cremeweißen Pullover setzte.
Wenn die Faschingsnarren weiße Mäuse auf den Tischen mit schwarzen Läufern sahen, lag das nicht etwa an promillehaltigen Getränken, sondern an einer beliebten Süßigkeit.
Die weißen Mäuse reizten zum Vernaschen, und die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt beim allseits beliebten und als Stimmungsmacher bekannten Strumpfhosentanz, bei dem sich immer zwei Personen eine schwarze und eine weiße Strumpfhose teilen, jeder also in zwei Strumpfhosen steckt, und alle müssen als Team möglichst synchron tanzen. Zu sagen, es werde schwer, das konsequent umgesetzte Faschingsmotto im nächsten Jahr noch zu überbieten, wäre Schwarzseherei, und das Blatt Papier mit den Themenvorschlägen wird garantiert nicht weiß bleiben.
Die künstlerischen Schwarz-Weiß-Malereien an den Wänden im Delp-Haus haben Ausstellungsqualität und sind viel zu schade zum Entsorgen. Bewiesen hat das Faschingsmotto, dass nichts knallig bunt und glitzernd sein muss, um Spaß zu machen.
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Autor: MARA SANDER | 06.02.2012
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Die Narren sind los, man erkennt sie an ihrer Sträflingskleidung. Vorne tanzt Pfarrer Alain. Foto: Mara Sander
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